Crazy For YouŽ

Musical-Erfolg am Landestheater Coburg

von Alexander Hauer
Coburg
 
Crazy For You®
 
 
Das Musical als eingetragenes Markenzeichen ? Ja, in unseren modernen Zeiten ist dies alles möglich, wenn man nur geschickte Rechtsanwälte zur Hand hat. Früher nannte man eine Bearbeitung eines oder mehrerer musikalischen Werke schlicht „Pasticcio“, heute beauftragt man Rechtsanwaltskanzleien und schafft Tatsachen. So wurde „Girl Crazy“ zusammen mit einigen anderen Hits von George und Ira Gershwin von Ken Ludwig 1992 sehr erfolgreich zu einem neuen Musical verwurstet.


Nun denn, auf dem Weg Oberfranken zum Broadway Deutschlands zu machen, ist dem Landestheater Coburg ein weiterer wichtiger Schritt gelungen. Gershwins grandioser Broadwayerfolg, unter anderem Grundstein für die Karrieren von Ethel Merman und Ginger Rogers, fand in Coburg eine adäquate Wiederholung. Jean Renshaw setzte in der abwechslungsreichen Ausstattung von Ingomar das Revuespektakel wirkungsvoll in Szene. Zusammen mit dem ACT Center in Nürnberg verstärkte man die hauseigene Truppe. Gerd Achilles trat als Bobby Child gegen die charmante Ulrike Barz (Polly, die schießfreudige Cousine von Annie Oakley) an, und die beiden Musicalgrößen lieferten sich einen für alle grandiosen „Zweikampf“ im Spiel und Liebe, verlassen werden und wieder finden.
Roman Prayer, Benjamin Werth und Michael Lion, alles gestandene Opernsänger, brillierten zusammen mit dem jungen Stepptänzer Oliver Floris als bemerkenswert gutes Barbershop Quartett. Marie Smolka, ebenfalls von der Oper, überzeugte als Mädel vom Ballett genauso wie umgekehrt die überragende Balletttruppe um Marc McCain als Sänger und Schauspieler.

Gäste vom Schauspiel waren Niklaus Scheibli als Broadwayimpresario Bela Zangler, herrlich schmierig in seinen Liebesnöten, und Vivian Frey als brutal gefährlicher Grundstücksspekulant Lank Hawkins wie aus einem Sergio Leone Western entsprungen, Thomas Straus als Vater von Polly, dem das Glück seiner Tochter über alles geht. Anastasia Scheller, als machtgeiles New Yorker Luder, verfiel dem rauen Charme von Lank und mischte den gar nicht so wilden Westen kräftig auf. Für die komischen Elemente zeichneten Sönke Schnitzer und Stephan Ignaz in wechselnden (Geschlechts-)Rollen, einmal als dominante Mutter Child und der sklavisch devote Diener Perkins, dann als Restaurant testendes Ehepaar Fodor verantwortlich.
Roland Fister trieb das Philharmonische Orchester in rasantem, aber keineswegs gehetztem Tempo, zu der gewohnt überdurchschnittlichen Leistung. Auf den Punkt dirigiert, immer mit einem Blick auf die Bühne, war es ein grandioser Abend. Jean Renshaw, die auch choreographierte, setzte mit „Crazy For You®“ neue Maßstäbe für die im modernen Theaterbetrieb oft vernachlässigte Form des Revuemusicals. Die Begeisterung des Premierenpublikums war der Garant dafür, daß diese Musicals dringend wieder entdeckt werden müssen.

 
 
Bilder © Henning Rosenbusch
 
Redaktion: Frank Becker