Die gro├če Steffi und Thilo Show

Harvey Schmitts Musical "I do! Ido!" in Hof

von Alexander Hauer

Hof

I do! I do!

 
Die große Steffi und Thilo Show
 
Harvey Schmitts erstes „großes” Broadway Musical, nach „The Fantastics” und vor „110 in the Shade” war „Ido! Ido!”. 1966 waren Mary Martin und Robert Preston die beiden Protagonisten. Am 13. Januar trat das Hofer Dreamteam Stefanie Rhaue und Thilo Andersson als Agnes und Michael an. Diese beiden versierten Musicalspezialisten zeigten jene „Szenen einer Ehe“ in überragender Form. Liebe, Treue, Versuchung und Versöhnung wurden  genauso überzeugend gespielt wie elterlicher Zorn, Trennungswünsche und Gewöhnung.
Roland Vieweg, der neue Kapellmeister in Hof, interpretierte mit seiner kleinen Combo den musical score als coolen Jazz, der die beiden Sänger stets unterstützte.

Das kleine Musical gab auch beiden Darstellern Gelegenheit ihr schauspielerisches Talent, ihr absolutes Gespür für Timing und für punktgenau gesetzte Gesten zu zeigen. Einer der Höhepunkte wurde Anderssons „Eins ist sonnenklar“, in dem der smarte Sänger mal so richtig den Chauvie raushängen lassen konnte. Geschickt konterte  Stefanie Rhaue mit „Die tolle Agnes“, in der sie das erotische Potential erfahrener Frauen zeigen konnte. Aber auch in den leiseren Tönen brillierten die beiden. Das erste Lebensfazit zog man mit „Wenn die Kinder groß sind“, und mit „Dein wichtigster Tag ist morgen“ bereitete man dann auch das leicht sentimentale Finale „Dieses Haus war ein gutes Haus“ vor.

Die Vorlage für dieses Musical war das Schauspiel „The Fourposter“ von Jan de Hartog. Zeit der Handlung sind das ausgehende 19. Jahrhundert und die folgenden vierzig bis fünfzig Jahre. Auch die Originalfassung spielte in dieser Zeit. Thomas Schmidt-Ehrenberg und sein Ausstatter Anton Lukas verlegen diese Handlung in die Entstehungszeit des Musicals, also Mitte der 60er. Die dadurch entstehenden Konflikte mit der Handlung wurden schlichtweg ignoriert oder nicht erkannt. So ziert sich Agnes in der Nummer „Gut Nacht“ in der Hochzeitsnacht vor ihrem Mann Michael. Aber nach zwei Weltkriegen hatten auch Frauen im tiefsten mittleren Westen und erst recht in den Metropolen
gewisse Prüderien ad acta gelegt. Genauso unwahrscheinlich ist es, daß ein Schriftsteller seinen achtzehnjährigen Sohn, also Mitte der 1980er, mit einem Gürtel züchtigen will, weil er an Silvester nicht pünktlich nach Hause kommt. Dadurch kommt es zu gewaltigen Diskrepanzen zwischen Handlung und Text.

Fazit, zwei erfahrene Darsteller versuchen eine mehr als schwache Regie zu retten, was ihnen zum größten Teil gelingt. Wie gesagt, musikalisch ein Schmankerl der Extraklasse.

Bilder von SFF Fotodesign Hof

Weitere Informationen unter: www.theater-hof.com