D├╝sseldorfer Schauspielhaus zieht Bilanz

Erfolgreiche Premieren und gro├čes Zuschauerplus

von Anka Dohmen

Erfolgreiche Premieren und großes Zuschauerplus


Positive Bilanz der ersten Spielzeit von Intendantin Amélie Niermeyer

Nach den letzten Premierenrunden der Spielzeit, die sowohl bei der Presse, als auch beim Publikum sehr positiv aufgenommen wurden, endet am kommenden Donnerstag die erste Spielzeit der neuen Generalintendantin Amélie Niermeyer am Düsseldorfer Schauspielhaus. Mit 30 Produktionen hat das neue Team am Gustaf-Gründgens-Platz in kurzer Zeit ein Repertoire aufgebaut, das über 200.000 Besucher zu über 757 Veranstaltungen in die verschiedenen Spielstätten des Theaters lockte. Das sind etwa 30.000 mehr als in der vorangegangenen Spielzeit und entspricht einer Steigerungsrate von rund 16%.

Gerade die zweite Spielzeithälfte war von vielen, auch internationalen, Erfolgen gekrönt: Seit April ist das Düsseldorfer Schauspielhaus wieder vollgültiges Mitglied der Union des Théâtres de L’Europe (UTE), der es seit ihrer Gründung angehört. Bei einem Intendantenwechsel muss die Mitgliedschaft der einzelnen Theater üblicherweise ruhen, da das Gremium zunächst die künstlerischen Qualitäten einer neuen Leitung prüft. Die Wiederaufnahme ist also auch eine Bestätigung für die Arbeit des Teams um Amélie Niermeyer. 

Vor wenigen Tagen wurden der Gruppe Rimini Protokoll für ihre am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführte Arbeit „Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ der Mülheimer Dramatikerpreis 2007 und der Publikumspreis des Stücke-Festivals verliehen. Nach der überaus großen internationalen Resonanz in der Presse reiste die Produktion bereits zu zahlreichen Gastspielen bei den Koproduktionstheatern Hebbel am Ufer, Berlin, Schauspiel Frankfurt und Schauspielhaus Zürich. Im Frühjahr wurde sie zum „Kunsten Festival des Arts“ nach Brüssel eingeladen. Gastspiele in Berlin, Prag und Hamburg sind in Vorbereitung, weitere internationale Anfragen laufen.

Ungebrochen ist auch der internationale Erfolgszug der preisgekrönten, gefeierten und umstrittenen „Macbeth“-Inszenierung von Jürgen Gosch: Nach der Einladung zum Theatertreffen 2006 und Gastspielen in München, Amsterdam und Wien, reiste die Produktion nach Prag, Paris und Barcelona. Gastspiele in Belgrad und Bogota sind in Planung.

Luk Perceval öffnet mit seinem auf drei Jahre angelegten Projekt „Düsseldorf, mon amour“ ebenfalls den Blick über die Grenzen und präsentierte Anfang Juni einen ersten vorläufigen und viel versprechenden Zwischenstand seiner Recherchen mit Schauspielern und in Düsseldorf lebenden Japanern. Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Auch anhand der Besucherzahlen lässt sich der Erfolg der Spielzeit messen: Das Kleine Haus verzeichnet den größten Zuschauerzuwachs von rund 45%. Ins Große Haus kamen 15% mehr Zuschauer. Der Kreis der Abonnenten am Düsseldorfer Schauspielhaus wuchs um 20%. Die bestbesuchten Produktionen im Großen Haus waren „Die Schneekönigin“ (97% Auslastung) und „Buddenbrooks“ (93%), die Spitzenreiter im Kleinen Haus heißen „Emilia Galotti“ (95%), „Die schmutzigen Hände“ (92%) und „Kommt ein Mann zur Welt“ (87%).

Mit dieser positiven Spielzeitbilanz verabschiedet sich das Team um Amélie Niermeyer ab 22. Juni bis einschließlich 5. August in die Sommerpause. Der Vorverkauf für die ersten Premieren der neuen Spielzeit beginnt am 6. August. Doch auch in der Zwischenzeit bleiben die Theaterleute nicht untätig: Am 27. Juli eröffnet das Düsseldorfer Schauspielhaus als Koproduktionspartner die Salzburger Festspiele mit Thomas Bernhards „Ein Fest für Boris“ in der Regie von Christiane Pohle mit Nadine Geyersbach in der Rolle der Johanna.

In Düsseldorf beginnt die neue Spielzeit mit einem Tag der offenen Tür am 2. September. Eröffnungspremiere ist „Das Käthchen von Heilbronn“ von Heinrich von Kleist in der Inszenierung von Amélie Niermeyer (14. September), gefolgt von der Düsseldorfer Premiere von „Ein Fest für Boris“ (16. September) und Franz Grillparzers „Libussa“ in der Regie von Konstanze Lauterbach (Premiere am 22. September). Erste Premiere im Kleinen Haus ist die Uraufführung von Thomas Jonigks neuestem Stück „Diesseits“ in der Regie von Stephan Rottkamp (6. Oktober).

Auch die grenzübergreifende Arbeit des Düsseldorfer Schauspielhauses wird in der Spielzeit 2007/08 fortgesetzt: Luk Perceval wird das Projekt „Düsseldorf, mon amour“ weiter entwickeln, die Gruppe Rimini Protokoll zeigt mit „Heute“ ein „Schauspiel auf 12 Nachrichtenkanälen“, das anhand verschiedener internationaler Nachrichtensendungen ein theatralisches Prisma der politischen Weltbühne bietet.

Im Mai 2008 wird das Düsseldorfer Schauspielhaus mit zwei Uraufführungen im Rahmen des Austauschs von Autorenlabor und „German Theatre Abroad“ (GTA) das „Central“, die neue Spielstätte im Produktionszentrum am Hauptbahnhof, eröffnen.


Ausführliche Informationen zum neuen Spielplan sind auch während der Theaterferien unter www.duesseldorfer-schauspielhaus.de erhältlich.