Wolfgang Eysold

Der Intendant des WTT starb im Alter von 60 Jahren

von Frank Becker

Wolfgang Eysold - Foto © Frank Becker

Wolfgang Eysold
(29.11.1949 - 20.9.2010)
 
Der Intendant, Schauspieler, Regisseur und Dramaturg starb nach
langer, geduldig ertragener Krankheit im Alter von 60 Jahren
 
Wolfgang Eysold, 1949 in Leipzig geboren, war nicht nur ein äußerst liebenswerter Mensch voller Humor und Optimismus, er war von einer selten gewordenen Art - ein Vollblutschauspieler, hingebungsvoller Theatermacher, ein lupenreiner Mann „vom Bau“ und ganz nebenbei auch noch ein waschechter Kaffeesachse. Nach seinem Abschluß 1972 an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig war er als Diplomschauspieler und Dramaturg sowohl auf der Bühne, als auch hinter den Kulissen vieler Theater in allen wichtigen Funktionen tätig. Als Schauspieler hatte er an den Städtischen Bühnen Leipzig und am Theater "Junge Garde" in Halle Engagements. Nach der deutschen Wiedervereinigung führte er die Landesbühne in Zeitz - ein Haus mit 250 Mitarbeitern inklusive Orchester - als Regisseur und Intendant. Im Jahr 2002 kam Wolfgang Eysold als Schauspieler und Regisseur mit seiner Frau Rita nach Remscheid und übernahm 2005 als Nachfolger von Jaschi Jaschinski erfolgreich die Geschäftsführung und Intendanz des Westdeutschen Tournee-Theaters (WTT). Zusammenarbeiten u.a. mit Herbert Tichy und Manfred Wekwerth sind Marksteine seiner Laufbahn.

Von der internationalen Klassik bis zum spritzigen Boulevard, von Pierre Carlet de Marivaux über Curt Goetz bis Peter Turrini war er als Schauspieler und Regisseur in allen Sätteln gerecht, unvergessen seine Lessing-Interpretationen als Wachtmeister Werner in „Minna von Barnhelm“ und in der Titelrolle des „Nathan der Weise“. In Zeitz gab er u.a. den Emanuel Striese in Schönthans „Der Raub der Sabinerinnen“, die Traumrolle jedes Mimen. In Remscheid inszenierte Eysold Shakespeares „Romeo und Julia“ zeitgerecht als Fotoromanze, und als er mit Jaschi Jaschinski und Matthias Clauß grandios die „Sonny Boys“ inszenierte, berief er sich auf Neil Simon: „...ich erkannte auf meinem Weg, daß das Leben traurig und lustig ist. Ich kann mir keine komische Situation vorstellen, die nicht gleichzeitig auch tragisch ist.(...) Jetzt weiß ich, was eine traurige Situation ist und wie ich sie humorvoll erklären kann...“. Wer seine Inszenierung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gesehen hat, den er unter Verzicht auf den moralisierenden Zeigefinger, mit reduziertem Personal und dennoch vollständig auf die Bühne brachte, erlebte das Stück über die Verwirrung liebender Seelen als modernen Screwball-Komödie auf dem Boden englischer Renaissance. Ob in stummer Mimik oder in wortreicher Suade, Eysold brillierte auch als Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochne Krug“. So wünscht man sich Theater.
 
Die deftige Einordnung als „Rampensau“ nahm Wolfgang Eysold schmunzelnd als Kompliment. Großes Theater konnte er auch auf der kleinen Bühne des intimen WTT spielen und inszenieren, er fand in allen Sparten den Reiz und die Herausforderung, die ein echter Theatermann braucht - denn eines war ihm dabei stets die Hauptsache: „Der Lappen muß hoch gehen!“ Nach langer, geduldig ertragener schwerer Krankheit ist der letzte Vorhang für Wolfgang Eysold gefallen, der Applaus für sein unvollendet gebliebenes Werk klingt ihm dankbar und traurig nach.
Die Erkenntnis, daß Theater trotz des Schillerschen Wortes von der „Moralischen Anstalt“ ein Heidenspaß sein darf und muß, hat Wolfgang Eysold einmal in einen kurzen Satz gebracht: „Amüsieren wie Bolle“ - und lachte dabei herzlich.


Wolfgang Eysold - Foto © Frank Becker
 
Der Abschied findet auf Wunsch Wolfgang Eysolds und seiner Familie im engsten Kreise statt.