Got a light, Mac?

Vintage Songs About Smoking 1926-1954

von Frank Becker
Haste mal Feuer?
 
Songs um den blauen Dunst
 
Mit einem bewegten Appell an alle jungen Frauen, um Himmels Willen nicht in der Öffentlichkeit zu rauchen, eröffnet Reverend J.M. Gates voller Inbrunst dieses köstliche Album mit Plädoyers gegen und für das Rauchen, das ja schließlich mal durchaus gesellschaftsfähig war. „Let me tell you, young woman, men are not looking for a wife with a cigarette in her hand in the street...You´re lowering your dignity crossing your legs, winking your eyes, causing men to get in trouble.“ In knapp drei Minuten macht er deutlich, warum das nun überhaupt nicht geht – gilt aber nur für Frauen, notabene. Amen!
 
Das kommt ja in diesen Tagen genau richtig, wo doch hierzulande das Rauchen in öffentlichen Gebäuden eh längst untersagt ist und sich Bayerns Bevölkerung justament in einem Volksentscheid zusätzlich für das Rauchverbot in Gaststätten jeglicher Art ausgesprochen hat - und vermutlich (hoffentlich) alle anderen Bundesländer aller Raucher-Romantik zum Trotz diesem sehr vernünftigen Beispiel folgen werden.
Nun aber zurück zu der wundervollen Sammlung von Pop-, Jazz- und Country-Songs mit Lob und zur Kritik an Glimmstengeln und dem verführerischen blauen Dunst, die von den Labels Buzzola und Chrome Dreams zusammengestellt wurde. Da springt uns natürlich zunächst der elegante, gut gekleidete Herr mit akkuratem Scheitel, Einstecktuch und Doppelmanschetten an, der lässig zurückgelehnt eine Zigarette zwischen den Fingern hält, während eine attraktive, nicht minder gepflegte Blondine ihm zur Verführung ihre Bluse über dem wohlgeformten Busen aufreißt – doch: er bleibt bemerkenswert gelassen. Wir lernen: Raucher sind „cool“.

© Heyne Verlag
 
Das signalisieren auch einige der folgenden 17 Songs aus den US-Charts von 1926-1954. Tex Williams gibt 1947 in feinstem Country-Swing den Raucher, der den Fluch des Nikotins erkannt hat, weiß, daß er sich zu Tode pafft, des Tabaks wegen auch schon mal in der Liebe und beim Pokern Rückschläge hinnehmen muß, aber dennoch nicht aufhört: „I don´t reckon they hinder your health, I´ve been smokin´ all my life and I ain´t dead yet. Tell Saint Peter at the Golden Gate that you hate to make him wait, but you´ll just have to have another cigarette.“ Der schwarze Südstaaten-Blues, Bluegrass und Folk, kein Genre, das den Duft des verführerischen hellen Virginia nicht besungen hätte.
 
Und dann der schimmernde Ballroom-Sound der 30er und 40er Jahre von Red Norvo, zu dem Mildred Bailey durch den zarten Rauch tanzt und Alberta Hunters Swing-Hymne „Two Cigarettes In The Dark“ beschwört. Da ist Peggy Lees Warnung „Don´t Smoke In Bed“ (übrigens 1997 von K.D. Lang in ihrem Album „Drag“ großartig adaptiert) schon handfester. Der Rauch als Träger der Träume von ihm oder ihr, der kleine Verführer und der große Tröster, die Zigarette als Gesellschafter in einsamen Stunden – alles ist drin. Ein rares Themen-Album, das die alten Aufnahmen in hervorragend aufgearbeiteter Qualität bietet, musikalisches Vergnügen und unterhaltsamer Streifzug durch eine verteufelte Sucht. „Got to have it in the morning, got to have it in the night“ singt Curtis Gordon mit Fiddle und Band - und meint damit nicht etwa Sex, nein, Koffein und Nikotin sind gemeint. Gipsy-Swing der ganz delikaten Art zelebrieren Hank Penny & His Radio Cowboys instrumental mit „Tobacco Swing State“, und „Louis Dumaine´s Jazzola Eight“ skiffeln ebenfalls instrumental fröhlich „To-Bac-A-Wa“. Ein Klassiker macht die Sache rund: „Cigareets & Whuskey &

© Heyne Verlag
Wild, Wild Women“, mit dem The Sons Of The Pioneers vor Tabak, Schnaps und Weiber warnen: „..they drive you crazy, they drive you insane“. Nebenbei: die Botschaft von Freddy Quinn, der den Song 1958 in einer deutschen Fassung übernahm (B-Seite von „Ich bin bald wieder hier), ist da weitaus lebenslustiger: „Cigarettes und Whisky sind nirgends rar, doch am schönsten wars in der Washington Bar.“
 
Ein wirklich hübsches, aufschlußreiches Heftchen mit raren und originellen Abbildungen von US-Krimi- Buchumschlägen und aus der Pop-Geschichtebegleitet die CD – ein Schmankerl für Sammler. Wir ergänzen das voller Vergnügen aus dem Musenblätter-Archiv.
Aus naheliegenden Gründen empfehle ich den geneigten Lesern auch noch einmal das Album "Nur für Raucher - Songs für Unverbesserliche" hier besprochen.
 
 
Got A Light, Mac? – Vintage Songs About Smoking 1926-1954
 
© + (P) 2007 Buzzola / Chrome Dreams
 
1.  Smoking Woman On The Street (Rev. Gates) - 2.  Smoke, Smoke, Smoke That Cigarette (Tex Williams) - 3.  Cigarette Blues (Bo Carter) - 4.  Dim Lights, Thick Smoke (The Maddox Brothers & Rose) - 5.  The Old Clay Pipe (Charlie Poole) -  6.  A Cigarette & A Silhouette (Mildred Bailey) - 7.  Don't Smoke In Bed (Peggy Lee) - 8.  Two Cigarettes In The Dark (Alberta Hunter) - 9.  Smoke Rrings (The Mills Brothers) - 10.  Smoke Dreams Of You (Fats Waller) 11.  A Cigarette For Company (Earl Hines with Helen Merrill) - 12.  Caffeine And Nicotine (Curtis Gordon) - 13.  Chew Tabacco Rag Pt. 1 (Billy Briggs) - 14.  Chew Tabacco Rag Pt. 2 (Billy Briggs) - 15.  Tabacco Swing State (Hank Penny & His Radio Cowboys) - 16.  Give Me A Chaw Tabacco (The Carter Brothers & Son) - 17.  To-Bac-A-Wa (Louis Dumaine´s Jazzola Eight) - 18.  Cigareets & Whuskey & Wild, Wild Women (The Sons Of The Pioneers)
 
Gesamtzeit:  51:07

Weitere Informationen unter: www.chromedreams.co.uk   und  www.in-akustik.com