Schienen, die es nicht mehr gibt

Herbert G├╝nther - "Die Wuppertaler Stra├čenbahn" + "Die Wuppertaler Schwebebahn"

von Frank Becker
Vom Fortkommen im Tal der Wupper


         


Herbert Günther
Die Wuppertaler Schwebebahn
© 2004 Sutton Verlag
96 Seiten, 160 Bilder, 16,5 x 23,5 cm, Softcover
ISBN : 978-3-89702-679-7
Preis : 17,90 € 
 
Herbert Günther
Die Wuppertaler Straßenbahn
© 2005 Sutton Verlag
96 Seiten, 160 Bilder, 16,5 x 23,5 cm, Softcover
ISBN : 978-3-89702-783-1
Preis : 17,90 €


Über die Dummheit lokaler Verkehrspolitik
und eine Bahn, die derzeit nicht schwebt

Das, was diese beiden bilder- und erinnerungsreichen Bände aus dem Sutton Verlag zeigen, ist zum Teil längst unwiederbringliche Vergangenheit, zum anderen Teil derzeit nicht sichtbar: die Barmer Bergbahn wurde gegen den erklärten Willen der Bevölkerung infolge einer kurzsichtigen Verkehrsplanung der Wuppertaler Stadtverwaltung bereits 1959 abgeschafft, die 176 km der Straßenbahn-Verbindungen bis Solingen und Velbert - als habe man nichts gelernt - folgten im Jahr 1987. Nur noch das privat betriebene Straßenbahnmuseum in Kohlfurth, das einige der prächtigen alten Wagen erhält und Nostalgiefahrten anbietet, erinnert heute noch an die vergangene Zeit.
Als Gipfel der Dummheit wurden schließlich auch die unersetzliche Schienenbus-Verbindung Elberfeld-Cronenberg (der "Samba") 1988 und die "Rheinische Strecke" 1991 stillgelegt. So beraubte sich eine an steile Hänge gebaute Stadt zugunsten erfahrungsgemäß nicht für winterliche Verhältnisse geeigneter Buslinien mit bornierter Konsequenz aller wintertauglichen und umweltfreundlichen Verkehrsverbindungen auf Schienen. Wer davon wohl profitiert hat? Die Bürger gewiß nicht.

Das andere klassische Wuppertaler Verkehrsmittel, die Schwebebahn, die über Jahre (1997-2007) unter großem logistischem Aufwand und großem Publikumsinteresse durch den Austausch alter Stahlträger und maroder Haltestellen und durch den (Wieder-)Einbau zusätzlicher z.T. historischer Haltestellen restauriert worden ist, liegt seit Dezember 2009 erneut still, bevor noch alle zusätzlichen Arbeiten erledigt sind. Man hatte wohl bei der kostenträchtigen Restaurierung (480 Mio. €), der durch einen schlimmen Unfall während der Bauphase auch Menschenleben zum Opfer fielen, viel heiße Luft produziert und schlicht erhebliche Schäden am Stahlgerüst übersehen. Nun müssen die Wuppertaler Bürger und die vielen Touristen, die nur der Schwebebahn wegen nach Wuppertal kommen, auch auf der Talsohle der 14 km langen, schlauchartigen Stadt mit dem Bus fahren - immerhin täglich 72.000 Fahrgäste! Besonders jetzt im Winter war das Chaos auf Wuppertals Straßen vorprogrammiert - und trat auch ein. Nichts ging mehr. 

Für stadthistorisch interessierte Wuppertaler, für Straßen- und Eisenbahnfreunde und für alle, die sich noch einmal anschauen möchten, wie schön und gemütlich es einst war und wie gut bei der urbanen Personenbeförderung in Wuppertal damals alles klappte, sind die beiden von Herbert Günther mit eigenen und historischen Fotos ausgestatteten und knapp kommentierten Bände eine wahre Fundgrube.

Weitere Informationen unter: www.suttonverlag.de