Villon - Das große Testament (15)

...worin er eindringlich die Kinder warnt, Unrecht zu tun

von Ernst Stankovski

François Villon
Das Große Testament

Übertragen von Ernst Stankovski


Wohlgemeinter Rat
von Villon an die verlorenen Kinder

Ihr wißt, Montpipeau ist der Turm,
wo jeder landet, der was klaut.
So manch verführter armer Wurm
hat glücklos auf sein Glück vertraut
und trug zu Markte seine Haut.
Wie' s Colin de Cayeux ergangen,
den man trotz Priesterweihe, laut
Gesetz und Recht hat aufgehangen.
 
Für ein paar Taler, die sie fanden
sind sie verstrickt im Labyrinth
von Acht und Schmach und Tod und Schanden.
Und wer dem Henker doch entrinnt,
was ist der Preis, den er gewinnt?
Nicht Dido, schönstes Frauenideal,
nur Dirnen, die ein jeder minnt,
und eitrig-feucht, ihr Liebesmal.
 
Der Mann ist dumm und niederträchtig,
der so viel wagt bei dem Gewinn.
Geraubtes Glück sei euch verdächtig,
das Wenige ist bald dahin.
Es ist das End' wie der Beginn
und euer Glück bleibt leerer Schein.
Haltet das Wort euch stets im Sinn:
Unrechtes Gut kann nicht gedeih'n.



Wer den Original-Ton hören möchte, kann das mit der CD zum Programm: www.kip-media.de
Informationen über Werk und Wirken Ernst Stankovskis unter: www.ernst-stankovski.com und www.musenblaetter.de

Lesen Sie am kommenden Mittwoch weiter:
"Das Große Testament" des François Villon.
Redaktion: Frank Becker