´Wut` trifft Freiraum

Studierende der Bergischen Universität bei der Wuppertaler Literatur Biennale 2026

von Uwe Blass
 
Studierende v.l.n.r. Julie Osenberg, Felix Wittmeier, Victoria Witzel - Foto: UniService Third Mission

´Wut` trifft Freiraum
 
Studierende der Bergischen Universität absolvieren spannendes Praktikum
im Zuge der Literatur Biennale 2026
 
Bereits zum achten Mal findet die Wuppertaler Literatur Biennale auf der Talachse Literatur in diesem Jahr dem Thema ´Wut`. Drei Studierenden der Bergischen Universität kommt dabei im Zuge eines Pflichtpraktikums eine ganz besondere, verantwortungsvolle Aufgabe zu.
 
Pflichtpraktikum bei der Stadt Wuppertal
 
Julie Osenberg, Victoria Witzel und Felix Wittmeier, Studierende der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft (AVL) in der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften konzipieren unter der Leitung der Festivalorganisatorin, Julia Wessel, Fachreferentin für Literatur, Theater, Film sowie Grundsatzfragen des Kulturbüros der Stadt Wuppertal, einen Begegnungsraum für Besucher in der Galerie 46 in Wuppertal Elberfeld.
Der Kontakt zum Kulturbüro entstand im Rahmen eines Seminars zur Berufseinführung, berichten Felix Wittmeier und Victoria Witzel, welches von Julia Wessel veranstaltet wird. „Im Rahmen dieses Seminars haben wir gefragt, ob wir ein Praktikum in ihrem Kulturbüro anfangen könnten, und es war dann aber Zufall, daß in dieser Zeit die Literatur Biennale stattfindet“, sagt Wittmeier. Julie Osenberg, die im Kombi-Master studiert, wurde über eine Ausschreibung im Moodle-Kurs der AVL (Moodle ist ein weit verbreitetes kostenloses Open-Source-Lernmanagementsystem, das primär für Online-Kurse, Blended Learning und die Verwaltung von Bildungsinhalten in Schulen, Universitäten und Unternehmen genutzt wird, Anm. d. Red.) auf das Projekt aufmerksam und bewarb sich bei Julia Wessel.
 
Ein Raumkonzept entsteht
 
„Der Raum, den wir gestalten dürfen, wird Treffpunkt, Biennale-Café und Festivalzentrum zugleich sein“, erzählt Wittmeier, „da kommt es dann zu ganz unterschiedlichen Kontakten. Es wird ein Raum geschaffen, wo Stadtgesellschaft und die Literatur Biennale zusammenkommen, um sich auch abseits der großen Lesungen austauschen zu können. Wir wollen die Leute sowohl mit Literatur, als auch mit dem Thema der Biennale in Kontakt bringen.“ In der Galerie 46 in der Neumarktstraße 46 finden auf drei Etagen regelmäßig Ausstellungen, Lesungen, Musikvorführungen oder auch Empfänge statt. Die Aufgabe der Studierenden besteht nun darin, das Erdgeschoß sowie die erste Etage mit Leben zu füllen. „Hier entstehen im Rahmen geplanter Schreibwerkstätten Texte, zugleich sind weitere Projekte geplant, die in den Räumen gezeigt werden“, erklärt Witzel und fährt fort: „Für die Besucher ist da eigentlich alles möglich. Im Rahmen eines Open Calls konnte sich im vergangenen Jahr die Wuppertaler Bevölkerung für einen kreativen Beitrag zur Literatur Biennale bewerben. Die literarische Künstlerin Yasemin Bertel bewarb sich erfolgreich mit dem Projekt „Wut-Archiv der Stimmen“, bei dem Besucher Texte aus Lyrik, Musik und Zeitungen zerschneiden und zu einer poetischen Collage zusammensetzen können. Sie wird somit ein wichtiger Bestandteil des WTF sein.“ Im Entwurf der Raumgestaltung soll auch Platz für eine kleine Bibliothek sein, die die Werke der auf der Literatur Biennale vertretenden Autoren und Autorinnen präsentiert. „Die Galerie hat große Fensterbänke, auf die man sich ein wenig zurückziehen kann. Wir möchten auch Getränke anbieten, damit der Caféaspekt zur Geltung kommt. Tische und Stühle bieten die Möglichkeit, sich kreativ in der Schreibwerkstatt auszuprobieren.“
 
Wut – ein Thema, daß auch emotional bewegen kann
 
Beim diesjährigen Thema ´Wut` kann es in so einem Communityraum auch emotional werden. „Das berücksichtigen wir bei der Planung unseres Projekts“, sagt Osenberg. Gemeinsam haben sich die drei Praktikanten dem Thema genähert. „Zu Beginn haben wir ein offenes Brainstorming gemacht und uns gefragt, welche Aktivitäten zum Thema Wut denkbar sind. Dabei haben wir zunächst alles gesammelt und schnell festgestellt, daß aufgrund der gesellschaftlichen Brisanz des Themas nicht alles umsetzbar sein wird.“ Daher haben sie auch Ideen zurückgestellt, die sich als zu heikel erwiesen hätten, denn das Laufpublikum soll sich wohlfühlen. Es sollten keine Spannungen künstlich erzeugt werden. „Es gibt die beiden großen Elemente Literatur und Wut bei unseren Überlegungen“, ergänzt Wittmeier. „Bei der Planung haben wir uns gefragt: Welche Formate und Interaktionsmöglichkeiten bietet die Kategorie Literatur und welche Arten von Wut gibt es überhaupt? Und dann haben wir überlegt, wie man beides verbinden kann. In dem Sinne ist Literatur in Form von Schreibwerkstätten der Ort, um dieses subjektive Empfinden dort mit einzubringen. Wir halten alles natürlich ergebnisoffen, weil wir den Besuchern nichts vorschreiben wollen. Daher können sie auch Persönliches mit einbringen.“
 
Professionelle Unterstützung durch die Festivalleitung
 
Selbstverständlich sind die drei Studierenden dabei nicht auf sich allein gestellt. „Unsere direkte Ansprechpartnerin ist Julia Wessel, die die Literaturbiennale leitet. Mit ihr sind wir im regen Austausch, sowohl über Signal als auch in wöchentlichen Besprechungen“, berichtet Witzel. Zusätzlich nehmen alle drei an den Planungsmeetings des Biennalekomitees teil, bei denen sie sich auch mit Dozenten der Uni sowie mit Künstlern besprechen können. „Wir waren auch schon in den Sitzungen des Kulturbüros dabei, wo es gar nicht vordergründig um die Literatur Biennale ging“, ergänzt Wittmeier. „Wichtig für uns war dabei, einen Eindruck von den Menschen zu bekommen, mit denen wir zusammenarbeiten und wie Entscheidungsprozesse in so einem städtischen Amt ablaufen. Das ist auch Teil des Praktikums, unabhängig von der konkreten Planung. Ein Einblick in die Arbeitsweise von kommunaler Kulturpolitik.“ Für ihre Ideen erhalten die Praktikanten in den gemeinsamen Treffen auch wichtiges Feedback. Dazu Osenberg: „Uns ist dieser Resonanzraum sehr wichtig, da wir beispielsweise den Titel und eine Funktionsbezeichnung für diesen Raum finden mußten. Das war unsere eigenständige Aufgabe, wobei mit der Zeit eine gewisse Betriebsblindheit entstand. Daher war es auch toll in diesem Biennalekomitee und auch im Kulturbüro Feedback zu bekommen und mal zu hören, was möglich ist und was nicht geht. Der Name lautet schließlich ´WTF`, also Wut Trifft Freiraum.“
 
Künstlerkontakte und persönlicher Ansporn
 
Zu Gast auf der Literaturbiennale 2026 sind unter anderem Navid Kermani, Anja Kampmann, Helga Schubert, Jehona Kicaj und Susanne Kaiser. „Wir sind zurzeit mit vier Autorinnen in Kontakt und hoffen, je nach Verfügbarkeit, daß sie sich auch bei uns im WTF aufhalten, den Raum mitbeleben oder kleine Lesungen halten“, erzählt Osenberg, denn die Galerie 46 soll in der Zeit im besten Fall auch Schreibende und Lesende in Kontakt bringen. Vom Format dieses eigentlichen Pflichtpraktikums sind alle drei begeistert. „Insgesamt fand ich das Konzept des Praktikums sehr überzeugend. Zwar handelt es sich formal um ein Pflichtpraktikum, doch tatsächlich ermöglicht es ganz persönliche Erfahrungen und eröffnet neue Perspektiven. Man knüpft Kontakte zu Verlagen und Autoren, arbeitet praxisnah und ist unmittelbar am Geschehen. Zudem kann man aktiv mitgestalten und am Ende ein konkretes Ergebnis sehen“, resümiert Witzel und Osenberg ergänzt: „Ich fand es toll, in der Ausschreibung zu lesen, daß zum ersten Mal ein Communityraum begleitend zur Biennale geplant wird und daß man sich als Studierender aktiv einbringen kann. Man erhält erste Einblicke in ein potentielles Berufsleben und die Bandbreite der Menschen, die man kennenlernt, ist äußerst vielfältig und bereichernd.“ Felix Wittmeier hat auch das konkrete Thema begeistert. „Ich persönlich finde die gesamte Aufgabe auch deshalb interessant, weil Wut etwas ist, das jeden auf ganz unterschiedlichen Ebenen betrifft. Und es wird oft verschwiegen. Wut wird meist als sehr negativ betrachtet, und das ist vielleicht der große Hauptwunsch der ganzen Aktion, zu zeigen, daß es auch ein produktives Verhältnis und eine produktive Auseinandersetzung damit gibt.“
 
Das gesamte Programm der achten Wuppertaler Literaturbiennale unter: https://www.wuppertal.de/microsite/kulturbuero/projekte/literaturbiennale/literaturbiennale-neu.php
 
Uwe Blass
 
Julie Osenberg, Victoria Witzel und Felix Wittmeier studieren Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft im Master an der Bergischen Universität.