The Power of Love
oder
Der Widerspenstigen Zähmung
Ein Damen-Quintett rockt Jane Austen
Isobel McArthurs musikalische Komödie „Stolz und Vorurteil“* (*oder so)“ frei nach Jane Austens Roman auf der Bühne des Wuppertaler TiC-Ateliers
Inszenierung: Ralf Budde – Musikalische Leitung, Arrangements und Musikproduktion: Stefan Hüfner – Bühnenbild: Stefan Böhmer, Frank Fischer – Kostüme: Noëlle-Magali Wörheide – Maske: Michaela Döpper
Mit (in alphabetischer Reihrnfolge): Anja Bielefeld, Anna Färber, Leonie Hackländer, Nelly Haller, Tanisha Meis in zahlreichen Rollen (Premierenvorstellung)
Dauer: 2 Stunden, 30 Minuten, eine Pause
1813 erschien nach langem Reifeprozeß Jane Austens bis heute beliebtester Roman „Pride and Prejudice“, die Geschichte von fünf unverheirateten Schwestern und ihrer verwitweten Mutter, die aufgrund der Erb-Gesetze jener Zeit all ihr mögliches Erbe verlieren würden, wenn die Töchter ledig blieben. Verständlich, daß die Frau Mama Mrs. Bennet (Nelly Haller) alles daran zu setzen bereit ist, wenigstens eine lukrativ unter die Haube zu bringen. Der wohlhabende neue Nachbar Charles Bingley (Tanisha Meis) soll gekapert werden, von welcher auch immer. Der Coup scheint von ganz allein zu gelingen, denn Bingley verliebt sich stante pede in Jane Bennet (Anja Bielefeld) und vice versa. Alles scheint gut zu werden.
Janes Schwester Elizabeth Bennet (Leonie Hackländer) belegt nur den zweiten Platz, Mama sieht jedoch in dem ebenfalls steinreichen Fitzwilliam Darcy (Nelly Haller) eine weitere Chance. Weil Darcy aber ein ruppiger Snob ist und Lady in Red Elizabeth Bennet (Leonie Hackländer) im eigenen Stolz nicht seine verborgene Liebe erkennt, gehen beide im Streit auseinander. Ein dritter Kandidat, wenn auch äußerst unwillkommen, wäre noch Pfarrer William Collins (Anna Färber), ein Vetter 2. Grades des verstorbenen Mr. Bennet. Überheblich, aufdringlich und unappetitlich wirbt er um Elizabeth, die ihn jedoch brüsk (verpiß Dich!) abweist. Die Sprache des turbulenten Stücks ist wie man daran sieht recht deftig.
Weil nun auch Mr. Bingley, vielleicht durch den harschen Einfluß seiner garstigen Schwester (Tanisha Meis) das Feld räumt, steht anscheinend alles Geplante, das erträumte Glück vor dem Zusammenbruch. Wären da nicht noch fügende Hände, kleine Intrigen und natürlich die Macht der Liebe im Spiel. Jane kriegt ihren Charles, Elizabeth ihren Fitzwilliam. Die Widerspenstigen werden gezähmt. All´s well that ends well.
Ralf Budde ist es gelungen, mit geschickter Hand die durch die Vielfachbesetzung (weit mehr als hier genannt) der äußerst spielfreudig agierenden fünf Damen zunächst verwirrenden Fäden so elegant zu ordnen, daß man die dramatis personae durch pfiffige Kostümideen (Noëlle-Magali Wörheide) bald alle zu erkennen lernt. Ebenso geschickt fügen sich die von Stefan Hüfner in einem vorgegebenen Rahmen ausgesuchten und passend arrangierten populären Songs in die Spielhandlung, von dem wunderbaren Quintett live und bezaubernd gesungen. Thematisch wie szenisch perfekt eingesetzt machen „The Power of Love“, „Material Girl“, „Besame Mucho“, „Clouds in my Coffee“, „Can´t take my eyes off you“, „Lady in Red“, „I was made for loving you“ und „Something Stupid“ (neben anderen) und auch die Morgenstimmung aus Griegs „Peer Gynt“ die Handlung und die Stimmung rund.
Schon von Jane Austen als gesellschaftskritische Komödie geschrieben und als solche von Isobel McArthur musikalisch-dramatisch umgesetzt, bekommt das Stück durch Ralf Buddes Regie noch ein bißchen mehr satirischen Biß. Alles in allem ein großes Vergnügen, bei dem keine Minute der ca. 2 ½ Stunden langweilt und die Damen auf der Bühne in konstantem Tempo und in Augenhöhe miteinander hinreißend agieren. Einen Extrapunkt konnte Anna Färber durch ihren Auftritt als Mr. Collins und die Schwestern Mary und Lydia Bennet allerdings für sich buchen – ein komödiantisches Talent in skurrilen Rollen.
Ohne Stolz und Vorurteil unbedingt zu empfehlen!
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