Angemenscht und Abgeholt
Es gibt einen neuen Beglückungsspruch. Das heißt, so neu ist der auch wieder nicht, denn schon haben ihn wieder alle drauf, die's permanent gut mit uns allen meinen: Den Satz: Wir müssen die Menschen mitnehmen! Egal ob Gebühren hochgehen oder ob Wohltaten wegfallen oder warum sonst gerade so was wie ein Volkszorn droht - Rente ab hundert vielleicht demnächst - jedes Mal sagt irgendeiner der Gutmeiner: Wir müssen die Menschen mitnehmen!
Bis vor kurzem war das bekanntlich anders: Da hieß es, wenn's um eine frisch ausgetüftelte Zumutung ging: Die Bürger verstehen das, wenn wir's ihnen nur richtig erklären. Egal ob Dauerstau oder Dauerradau: Die Bürger verstehen das, wenn wir's. Bis plötzlich Folgendes passiert ist: Die meisten Gutmeiner hatten keine Lust mehr, das Gutgemeinte den Bürgern auch noch zu erklären. Weil die's doch sowieso nie begreifen! Und seither gilt sie, die neue, strenge Strategie: Die Menschen mitnehmen! Was aber nicht so einfach ist, und deshalb gibt's fürs Mitnehmen auch noch eine raffinierte Taktik: Die Menschen da abholen, wo sie sind!
Tja, diese Menschen! Scheinbar vernunftbegabt, aber immer noch schwer erziehbar: Wo sind sie, die Menschen? Wo stecken die bloß? Die - das sind übrigens auch mal wieder wir. Aber kann man uns einfach so abholen - abholen wie ein Mittagskind aus der Kita? Oder abholen wie im Krimi: Wir müssen Sie jetzt leider mitnehmen. Und was ist, wenn wir keine Zahnbürste dabeihaben? Geht dann noch abhauen? Nur wann ist der richtige Moment fürs Nix-wie-weg-hier?
Spätestens, wenn wir vom nächsten Gutmeiner angemenscht werden.
© Detlef Färber
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