Kulturort der Zukunft mit Bürgerzentrum
Christoph Rodatz über ein ambitioniertes Kollektivprojekt
im geplanten Pina-Bausch-Zentrum
Das geplante Pina-Bausch-Zentrum soll ein Haus für alle werden, schreibt die Stadt Wuppertal auf ihrer Internetseite und erklärt: „Im Pina-Bausch-Zentrum soll ein international bedeutsamer Kulturort entstehen. Dort sollen das Tanztheater Pina Bausch und die Pina Bausch Foundation beheimatet sein, ein internationales Produktionszentrum soll entstehen, und es soll im Forum Wupperbogen Raum für bürgerschaftliche Partizipation und die freie Szene geschaffen werden.“ Christoph Rodatz, Professor für Medienästhetik im Masterstudiengang Public Interest Design an der Bergischen Universität, hat sich mit Studierenden dem Thema der bürgerlichen Partizipation gewidmet und im Kollektiv ´Wohnen in der Politik`, einer Zusammenarbeit des Masterstudiengangs Public Interest Design, mit dem Sprecher und Schauspieler Olaf Reitz und dem Kommunikationszentrum die börse, mit der möglichen Schaffung eines Bürgerforums im geplanten Pina-Bausch-Zentrum beschäftigt.
Ein Bürgerforum, aber wie?
Wie genau ein Bürgerform im geplanten Pina-Bausch-Zentrum aussehen soll, ist bis heute noch nicht endgültig geklärt. Erste Betriebskonzepte legten eine personelle, institutionelle Anbindung nahe, später war dann auch von einer Querschnittsaufgabe die Rede. Rodatz initiierte 2020 gemeinsam mit seinem Kollegen Pierre Smolarski und der Studentin Iris Ebert das Kollektiv ´Wohnen in der Politik`, daß aus dem Studiengang Public Interest Design heraus entstanden ist. (Das Studienfach Public Interest Design verfolgt einen gestalterischen Ansatz, der Design als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft einsetzt, Anm. d. Red.) „Damals hatten wir eine Ausstellung im alten Schauspielhaus installiert, wo vier Wochen Programm geplant war. Wir wollten mit dem Schwerpunkt Kommunalpolitik an Bürger das Thema heranführen.“ Doch die Coronakrise beendete das Projekt abrupt nach zehn Tagen. 2022 nahm das Kollektiv seine Arbeit wieder auf. Diesmal waren die Studenten Mohammadreza Shirinzadeh und Jonathan Renze sowie Olaf Reitz beteiligt. 2025 präsentierten die Macherinnen – ergänzt durch Sina Dotzert vom Kulturzentrum die börse – fünf Veranstaltungen auf der Talachse zwischen Vohwinkel und Oberbarmen. Die interessierten Besucher wurden dabei zu einem drei Wochen später stattfindenden Workshop ins alte Schauspielhaus eingeladen, um weitere Ideen zu entwickeln.
Programme des Tanztheaters unterstützen die Idee des Bürgerforums
„In den Veranstaltungen der fünf Aufführungen in der Talachse war der Grundgedanke, einem interessierten Publikum die Entwicklung des Pina-Bausch-Zentrums der letzten zwölf Jahre nachzuzeichnen und letztlich darin hervorzuheben, welche Bedeutung das Bürgerforum hat“, erzählt Rodatz. Bereits die Vorlaufphase der Planung eines Pina-Bausch-Zentrums wurde von Bund, Stadt und Land finanziert. 2022 übernahm die ehemalige Referatsleiterin für Theater, Tanz und Musik im Kulturministerium des Landes NRW Bettina Milz die inhaltliche Koordination. „Sie hat auch in den letzten Jahren eine Vielfalt von Programmen auf die Beine gestellt, zusammen mit der Tanzcompany, aber auch von sich aus kuratiert und darin immer wieder Impulse eingegeben, wo dieses Bürgerforum eine Rolle gespielt hat.“ In diesem Zusammenhang ist das Kollektiv ´Wohnen in der Politik` sozusagen ein Baustein im Gesamtgefüge und Rodatz betont: “Da ist ein großes Potential an Menschen vorhanden, die damit jetzt schon Berührungspunkte haben und merken, hier läßt sich verantwortungsvoll mitgestalten.“ Mittlerweile besteht der feste Kern der ehemaligen Workshopteilnehmer aus ca. 25 Personen, die sich monatlich treffen, um weitere Ideen für das Bürgerforum zu entwickeln. Dabei sind die Studierenden als gestaltende Kraft zurückgetreten, erklärt der studierte Theaterwissenschaftler, „weil ja die Idee ist, daß so ein Bürgerforum auch aus sich heraus lebt und letztendlich ein eigenes Kollektiv wird. Ich als Vertreter des Public Interest Design bin natürlich noch präsent und begleite das Bürgerforum, was da jetzt entsteht.“
Kulturort der Zukunft mit Bürgerbeteiligung
Das geplante Pina-Bausch-Zentrum könnte ein Kulturort der Zukunft mit Bürgerbeteiligung werden, wobei Rodatz betont, daß eine institutionelle Einbindung ein wichtiger Aspekt sei, denn es brauche langfristig Menschen, die dort kontinuierlich die Arbeit des Zentrums begleiten. „Es benötigt angestellte Personen, die dort Dinge initiieren, Dinge am Leben erhalten. Gleichzeitig ist es so, daß wir im Moment versuchen, ein Gremium in die Welt zu bringen, das möglichst repräsentativ die Stadt abbildet.“ Dazu arbeitet das Kollektiv mit Professor Detlev Sack vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung sowie mit der Stabsstelle für Bürgerbeteiligung der Stadt Wuppertal zusammen. „Dieses Gremium sollte dann auch Entscheidungsgewalt haben, also über Gelder und Räume verfügen sowie Projekte initiieren können.“
Neue Aktionen in unsicheren Zeiten
Auch für das laufende Jahr sind wieder Aktionen geplant. Das Kollektiv trifft sich regelmäßig immer am 15. eines Monats und freut sich über rege Bürgerbeteiligung, daher sind Interessierte immer herzlich willkommen. „Wir haben aktuell ein Kunstprojekt laufen, das nennt sich ´Tausend Stimmen`, was von einem Künstler umgesetzt wird, und von einem Teil dieser Gruppe entwickelt wurde“, erklärt Rodatz. „Da kann man mitmachen, es ist eine installative Aufführung im Stadtraum geplant.“ Darüber hinaus werde es wieder ein Workshoptreffen mit der aktiven Gruppe geben, um auch retrospektiv zu schauen, was ist denn alles im letzten Jahr passiert ist und wo es hingehen soll.
Planungen beschreiben aber auch bekanntlich immer die menschliche Fähigkeit zur gedanklichen Vorwegnahme von Handlungsschritten, die zur Erreichung eines Zieles notwendig sind. Dabei ist man häufig auch von anderen Playern abhängig. Im Falle des Pina-Bausch-Zentrums bestehen augenblicklich zwei große Unsicherheitsfaktoren. Dazu Rodatz: „Aktuell unklar ist, wie es überhaupt weitergehen wird und zwar auf zwei Ebenen. Ende des Jahres wird entschieden, ob das Pina-Bausch-Zentrum überhaupt kommt, das ist noch nicht endgültig klar, denn wir kennen nicht die aktuelle Position der neuen Ratsmehrheiten. Der zweite Punkt ist, daß diese Vorlaufgelder von Bund, Stadt und Land Ende dieses Jahres auslaufen und es dann nicht sicher ist, ob es eine weitere Finanzierung geben wird. Denn das fertige Pina Bausch Zentrum wird ja erst in den 2030er eröffnen und bis dahin soll das Bürgerforum ja zukünftige Ansätze entwickeln und erproben.“ Uwe Blass
Christoph Rodatz ist Junior-Professor für Medienästhetik in der Fakultät für Design und Kunst an der Bergischen Universität Wuppertal. Sein Lehr- und Forschungsschwerpunkt liegt im Masterstudiengang
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