Der Serienmörder aus Altona
Hamburg der 1970er Jahre
In den 70er Jahren wurde der Name Fritz Honka mit seiner Hamburger Mordserie ein Synonym für schreckliche Verbrechen, grausamen Lustmord und das Niedrigste im Menschen, so wie es Fritz Haarmann in den 20er Jahren in Hannover gewesen war. Der homosexuelle Haarmann hatte mindestens 24 junge Männer (man spricht von wesentlich mehr) zum Teil vergewaltigt und ermordet, deren Fleisch danach verkauft. Fritz Honka hatte sich auf abgehalfterte Prostituierte spezialisiert, die er in Kaschemmen wie dem „Goldenen Handschuh“ unter Alkohol setzte, sie mit nach Hause nahm, übrigens eine Dachkammer, wie bei Haarmann, sie eine Zeitlang bei sich wohnen ließ, damit sie ihm den Haushalt machten und dann irgendwann vergewaltigte und erdrosselte. Die toten Körper verstümmelte er, versteckte sie ganz oder in Teilen in seiner Wohnung und lebte mit dem nächsten Opfer neben den Leichen(teilen). Dadurch, daß er einmal den Kopf und andere abgetrennte Teile auf einem Grundstück nebenan wegwarf, wurde er entdeckt und überführt.
Der Autor Heinz Strunk hat den Fall Fritz Honka zu einem erfolgreichen Roman geformt, der Zeichner Ully Arndt war so fasziniert, daß er ihm anbot, eine Graphic Novel daraus zu machen. Im Carlsen Verlag erschien vor kurzem der erste von zwei Teilen unter dem Titel „Der Goldene Handschuh“ (Sommer der Liebe), was natürlich ebenso zynisch ist wie der Täter es war. Übrigens: während sich im Haarmann-Prozeß der damals namhafteste deutsche Strafverteidiger Prof. Dr. Dr. Erich Frei zeitweise in die Verteidigung eingeschaltet hatte, übernahm im medienwirksamen Honka-Prozeß 1975 der zu dieser Zeit ebenfalls bekannteste, nicht unumstrittene deutsche Anwalt die Verteidigung, Rolf Bossi.
Ully Arndt hat es verstanden, das unterste Hamburger Kiez-Milieu und dessen „Gesellschaft“ der 1970er Jahre mit großartigen harten und kräftigen Strichen und markanten Typen so zu charakterisieren, daß man es beinahe riechen und hören kann. Die Umschlag- Vor- und Rückseite erinnert ein wenig an die Gestaltung der damals populären Krimis aus dem Goldmann Verlag (Wallace, Christie, Weinert-Wilton). Die Wandelbarkeit Arndts verblüfft, kennt man doch weit zartere Striche und Farben aus seinen Playboy-Cartoons, die wir auch in den → Musenblättern zeigen konnten. Gleichzeitig gibt er seiner Graphik das passende Zeitkolorit durch ins Auge springende Werbung, Alltagsdinge, Zeitschriften und Pkw-Modelle jener Zeit. Wer kennt schon noch die „Quick“, den Neckermann-Reisekatalog oder die „St. Pauli Nachrichten“?
Die Nebenhandlung über die Reederfamilie von Dohren und die verklemmte Pubertät des kommenden Erben HW 3 wird unauffällig eingeflochten und macht neugierig auf deren Weiterentwicklung. Darauf aber werden wir laut Verlagsankündigung wohl noch bis zum Frühjahr 2027 warten müssen. Doch es wird sich lohnen.
Bitte beachten: Lesealter ab 16 Jahren!
Der goldene Handschuh - Graphic Novel von Ully Arndt
Nach dem Roman von Heinz Strunk
Erster Teil: Sommer der Liebe
© 2026 Carlsen Verlag, 116 Seiten, Klappenbroschur 19 x 25 cm, mehrfarbig – ISBN: 978-3-551-74500-2
20,- €
Weitere Informationen: https://www.carlsen.de
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