Berühmte Streicherserenaden

Das Neuenheimer Kammerorchester unter Matthias Metzger

von Johannes Vesper

Foto © Johannes Vesper
Berühmte Streicherserenaden

Neuenheimer Kammerorchester 
unter Matthias Metzger
 
Von Johannes Vesper
 
Seit knapp 20 Jahren behauptet sich das Neuenheimer Kammerorchester in der reichen Heidelberger Orchesterszene, spielt zweimal pro Jahr aufregende, ungewöhnliche Programme und beeindruckt sein Publikum in Heidelberg und Umgebung durch außergewöhnlich intensives, spielfreudiges Musizieren. Nach Raritäten im November 2025 – mit der Serenade für Tenor, Horn und Streicher von Benjamin Britten und dem Streichquintett von Ethel Smyth (in der Fassung für Streichorchester) - standen jetzt berühmte Streicherserenaden auf dem Programm.
 
Bei der Kleinen Nachtmusik G-Dur KV 525 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) handelt es sich nicht eigentlich um ein Konzertstück, sondern zu seiner Zeit um ein abendliches Ständchen, oft im Freien vor dem Fenster der Geliebten vorgetragen von Bläsern, seltener für Streicher. KV 525 gilt als vielleicht die berühmteste Serenade. Das Neuenheimer Kammerorchester bot für diese U-Musik des 18. Jahrhunderts am 15. März 2026 sechs erst, fünf zweite Geigen, fünf Bratschen, vier Celli und zwei kräftige Kontrabässe auf. Bis auf die Celli spielte man im Stehen, wodurch Energie und Kraft der Aufführung zusätzlich gesteigert wurden. Bei der konzertanten, sehr präsenten, klaren und hellen Akustik der vollbesetzten Chapel zu Heidelberg sauste der gebrochene Unisono-Akkord des Anfangs, wahrhaftig als „Mannheimer Rakete“, stürmisch, sinfonisch kräftig, strahlend in die Höhe. Virtuos und schnell spulte das populäre und bekannte Allegro des 1. Satzes mit allen seinen Wiederholungen vorüber. Die Romance des 2. Satzes weckte ruhige eher elegische Stimmung, erinnerte im dunklen Mittelteil nicht an einen Alp- aber fast doch an einen Sommernachtstraum, liess emotionale Tiefe erahnen. Im Menuett des 3. Satzes herrschte eleganter, vielleicht höfischer, tänzerischer Charakter und leichtere Konvention vor, bevor im letzten, höchst differenziert komponierten, wiederum sehr flinken Rondo energiegeladen das gassenhauerartige Hauptthema immer wieder ins Ohr drängte. Von Tempo, Temperament, Tonartwechseln und differenziertester musikalischer Ausdrucksstärke hin- und mitgerissen bedankte sich das Publikum im nahezu ausverkauften Saal mit lebhaftem, großem Beifall. Erstaunlich, daß dieses vielleicht populärste Werk Mozarts anscheinend zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt worden ist.
 
Nach kurzer Pause begann die berühmte Streicherserenade C-Dur op. 48 von Peter Tschaikowsky (1840-1893) mit dem ruhigen, absteigenden kräftigen Marcato-Thema der Violinen (Andante non troppo), welches bald von den tiefen Streichern übernommen wird. Im flotten Dreier-Takt entwickelte sich kontrapunktisch teilweise auch mit Orgelpunkt „das Stück in Form einer Sonatine“ zu einem komplexen Allegro moderato mozartischen Schwung. Tschaikowsky selbst hatte großen Wert auf eine nicht zu kammermusikalisch kleine Besetzung gelegt. „Je zahlreicher das Streichorchester, desto besser“ wird er zitiert. Hier wurde bei eindrucksvoller Klangfülle und Kraft das Kammerorchester dem Komponisten sehr gerecht. Bei differenzierter Agogik und ausgefeilter Dynamik kam es unter dem klaren und inspirierenden Dirigat von Matthias Metzger zu einer das Publikum begeisternden Aufführung mit Gänsehautepisoden und konzentrierter Stille bei PP, Fermate, Tenuto oder bedeutsamer Generalpause. Komponiert hatte Tschaikowski diese Serenade, „ein Stück zwischen Symphonie und Streichquintett“ 1880 in der Ukraine auf dem Landgut seiner Schwester. Elegant und schwungvoll entfaltete sich der flotte, wie anmutige Walzer des 2. Satzes mit seinen Synkopen, zahllosen Vorhalten und Verzögerungen, teilweise über Orgelpunkt trotz der großen Besetzung in sauberer Leichtigkeit. Stets mitatmend und aufmerksam reagierte das Orchester auch hier auf die subtile Zeichengebung des Dirigenten. Elegisch und ernst gestalteten Violine und Violoncello ihr Zwiegespräch des 3. Satzes. Zu Herzen gingen klangvolle Bratschensoli und der pochende Orgelpunkt zuletzt.
 
Im Schlußsatz mischen sich russische Volksmusik und russische Seele höchst virtuos in fesselndem, ungestümem Rhythmus. Zuletzt wurde das markante Thema des 1. Satzes zitiert, bevor das Stück mit einer brillanten Stretta endet. Nach langem Applaus des begeisterten Publikums bedankten sich Musikerinnen und Musiker mit dem „Dankbaren Gruß“, der Elegie G-Dur von Tschaikowsky, die dieser 1884 zum 50jährigen Bühnenjubiläum des berühmten russischen Schauspielers und Theatermanns Ivan Samarin komponiert hat. Am Ende lange Stille vor erneut ausbrechendem starkem Beifall. Welch andere russisch traurige Stimmung, andere musikalische Wirklichkeit als aktuell in der Ukraine.
 

Foto © Johannes Vesper

Neuenheimer Kammerorchester – Leitung Matthias Metzger
Berühmte Streicherserenaden
Wolfgang Amadeus Mozart: Eine kleine Nachtmusik G-Dur KV 525; Peter Tschakowsky (1840-1893): Serenade für Streichorchester C-Dur op.48.
Freitag, 13.3.2026 19:30 Uhr, Kirche St. Sebastian, 68775 Ketsch
Samstag, 14.3. 2026, 15:00 Uhr, Augustinum 69126 Heidelberg
Sonntag, 15.3. 2026 11:00 Uhr Chapel 69126 Heidelberg