Eingemachtes in den Tank

Bundesregierung will Ölreserven freigeben

von Lothar Leuschen​

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Eingemachtes in den Tank
 
Bundesregierung will Ölreserven freigeben
 
Von Lothar Leuschen
 
Der Druck steigt. Und die deutsche Bundesregierung ist offenbar geneigt, ihm nachzugeben. Die Energiepreise erreichen zunehmend unsympathische Höhen, an den Tankstellen der Republik kocht die Volksseele. Und schon kippt die Absage der Regierenden an irgendwelche Eingriffe in das System von Angebot und Nachfrage. Von einer Gaspreisbremse ist die Rede, und die Spritbremse wird mit dem Vorhaben verhindert, die Ölreserven der Republik zumindest teilweise aufzulösen. Jetzt kommt gewissermaßen Eingemachtes in den Tank. Die Reserven Deutschlands reichen planmäßig für 90 Tage auf dem Trockenen. Das ist ein Hinweis darauf, wie lange der Krieg im Nahen Osten höchstens noch dauern sollte.
 
Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Auf die Dauer der Militäraktion der USA und Israels gegen den Iran und dessen radikal-islamistisches Mullah-Regime will wohl niemand Wetten abgeben. Denn an einem Tag sagt US-Präsident Donald Trump, der Krieg dauere nicht mehr lange. Aber schon am nächsten Tag wachsen Zweifel daran, weil der Iran über ein unerschöpfliches Raketen-Arsenal zu verfügen scheint. Und Europa? Der alte Kontinent und die Europäische Union stehen machtlos am Schlachtfeldrand. Sie haben sich seit langem selbst zur Untätigkeit verurteilt und wissen anscheinend immer noch nicht ganz, was sie von diesem Krieg halten sollten.
 
Das ist angesichts der Entwicklungen inzwischen aber egal. Ob der Angriff der USA nun völkerrechtswidrig ist, spielt längst ebenso wenig eine Rolle wie die Frage, welches Ziel Donald Trump in Wirklichkeit verfolgt. Von Regime-Wechsel und Freiheit für das iranische Volk ist jedenfalls nicht mehr allzu viel zu hören. Nicht nur für die Europäer kann das Ziel deshalb nur sein, daß die Bombardierung Teherans und vor allem der iranischen Ölquellen möglichst schnell endet, auch wenn dafür maximale Unterstützung der US-Streitkräfte notwendig ist. Es ist schließlich leicht zu erahnen, welche Kräfte etwa in den bevorstehenden Landtagswahlen in Deutschland profitieren, wenn die Preise an den Tankstellen nicht bald wieder sinken.
 
  
Der Kommentar erschien am 12. März in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
 Redaktion: Frank Becker