Warte nur ein Weilchen …
Fritz Haarmann – Menschenschlächter
Eine Graphic Novel
„Ich wollte ja keinen umbringen, aber ab und zu war immer einer tot.“
(Friedrich Haarmann)
Als vor fast genau 101 Jahren, am 14. April 1925 in Hannover das Fallbeil den Kopf des 45jährigen Massenmörders Friedrich (Fritz) Haarmann vom Rumpf trennte, fand eine der grausigsten Verbrechens-Serien der europäischen Kriminalgeschichte ihr Ende. In 24 nachgewiesenen Fällen von vorsätzlichem Mord war Haarmann 24mal zum Tode verurteilt worden, wobei die Zahl seiner Morde vermutlich weit höher war, vermutlich sogar das Vielfache betrug. Was diesen Kriminalfall so einzigartig und besonders erschreckend machte ist der Umstand, daß Haarmann all seine Morde zu Hause, quasi in Berührungsnähe mit deinen Nachbarn beging, denen er nach den Taten sogar das entbeinte Fleisch der Toten und deren Kleidung verkaufte. Und niemand will in der damals großen Zeit der Not nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, als die Inflation anstieg, Lebensmittel knapp und Fleisch eine Rarität war, etwas bemerkt haben…
Die wenigen, die bei der Hannoverschen Polizei einen Verdacht meldeten, wurden „abgebügelt“, schließlich galt Haarmann als Informant und wichtiger Zuträger, ging im Polizeipräsidium ein und aus. Sogar einen illegalen Polizeiausweis hatte man dem wegen aller möglichen Delikte vorbestraften und mehrfach als schwachsinnig diagnostizierten Mann gegeben. Mit dem lockte der homosexuelle und pädophile „Kriminal“ wohnungslose oder durchreisende junge Burschen in sein Quartier in den engen Gassen des üblen Rotlichtviertels der Stadt, mißbrauchte und ermordete sie, zerlegte sie und verarbeitete sie zu Wurst und Suppenfleisch. Bedenkenlos kaufte sogar ein Gastwirt wie alle das angebotene Fleisch, ohne nach dessen Herkunft zu fragen. Ob Haarmann selbst von dem Fleisch aß, ist ungewiß – immerhin hatte er vielen Opfern die Kehle durchgebissen, ist aus der kriminalistischen Fachliteratur bekannt.
Erst als vermehrt in der Leine menschliche Knochen und Schädel entdeckt wurden, wurde eine breite Öffentlichkeit aufmerksam und Haarmann rückte durch weitere Hinweise und Vermißten-Anzeigen wieder in den Fokus. Das letzte Dutzend Morde hätte fraglos verhindert werden können, hätten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht zum Selbstschutz weiter abgewiegelt. Selbst im folgenden Strafprozeß versuchte man noch, die beispiellose staatliche Mitschuld an der fortgesetzten Mordserie zu verschleiern. Der seinerzeit berühmteste deutsche Strafverteidiger Prof. Dr. Dr. Erich Frey ließ sich von Haarmann das Mandat für dessen Verteidigung geben, gab es jedoch vor Prozeßbeginn zurück.
Peer Meter (Szenario und Text) und Isabel Kreitz (Zeichnung) haben die letzten Monate und schrecklichen Taten Fritz Haarmanns in einer vorzüglich gestalteten Graphic Novel nachgestellt. Die unerhört dichten, historisch getreuen Illustrationen in angemessen düsteren schwarz/weiß-Tönen zeichnen ein erschreckendes Bild der Verhältnisse und Morallosigkeit in Haarmanns Umgebung, aber auch der Hybris und Nachlässigkeit des preußischen Polizeiapparates gegenüber Hilfesuchenden und Anzeigenerstattern. Nicht umsonst wird bis heute die damalige Untätigkeit der Polizei angeprangert.
Bis ins Detail von Amtsstuben, Altstadtarchitektur, Straßen- und Bahnhofsszenen und mit sorgsam verknappten Texten ausgestattet vermittelt die Graphic Novel ohne jede Sensationshascherei ein geradezu greifbares Zeit- und Persönlichkeitsbild von Stadt und Akteuren. Nachwort und Personensignalements versvollständigen das Buch mit Fakten und lassen die vorausgegangene sorgfältige Recherche erkennen. Ein hochinteressantes Dokument der Kriminal- und Sozialgeschichte.
Isabel Kreitz, Peer Meter – „Haarmann“
Graphic Novel
Lettering: Anna Weißmann / Font: Dirk Rehm
© 2026 Reprodukt, 1. Auflage, 176 Seiten, gebunden, schwarz-weiß, 17 × 24 cm - ISBN 978-3-95640-501-3 24,- € Weitere Informationen: www.reprodukt.com
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