Stardust

Charlie Wood – „Your Love is my Home“

von Frank Becker
Stardust
 
Ein wundervolles Studio-Album voller Gefühl
 
Wenn auch Jimmy Rowles´ „Timeless Place“ der falsche Start in dieses schöne Album ist, sagt man doch, der erste Eindruck mache das Bild, haben wir hier eine außergewöhnlich gelungene Studio-Performance vor uns. Zu Robin Asplands sanftem Piano, Daniel Francks gepflegtem Kontrabaß und Ian Thomas´ feinem Rhythmus am Drumset klingt Charlie Wood in diesem Opener etwas angestrengt, die trockenen Brüche erinnern zwar an Chet Baker, haben aber nicht dessen Charisma.

Doch schon das folgende „You send me“ mit viel Gefühl und hinreißendem Scat löscht den völlig falschen ersten Eindruck aus – Sam Cooke wäre von dieser exzellenten Interpretation seines großen Erfolgs begeistert gewesen. Ein Genuß, ebenso wie Clive Langers „Shipbuilding“ mit zarter Streicherunterfütterung und (leider) dem einzigen Einsatz des wunderbaren Trompeters James McMillan. Ebenso zartfühlend geht es mit Paul Simons „Still Crazy After All These Years“, mit Chorus-Unterstützung und Charlie Wood an der Orgel weiter.
 
Mit seinem eigenen Titel „Love Can't Love Alone“ am Klavier und vor allem der Hammond B3 mit einer Verneigung vor Lenny Dee und Walter Wanderly sowie Chorus und viel Gefühl setzt Wood die Perlekette von Glanzlichtern seelenvoll fort. Auch dem Klassiker „Stardust“ von Hoagy Carmichael, wieder mit Aspland am Klavier, verpaßt er ein samtenes Gewand, das den berühmten Song bei gedämpftem Licht in intime Bar-Atmosphäre kleidet. Daß er auch daran gedacht hat, die grandiose, viel zu früh gestorbene Amy Winehouse mit ihrem „Love Is A Losing Game“ zu ehren und das mit sehnsuchtvoller Verve in der Stimme, ist ein weiterer Pluspunkt. „Home“, sein zweiter eigener Titel des Albums unterstreicht mit Soul vom Allerfeinsten den hohen Rang von Charlie Woods Kunst, dessen gelungene Mischung voller rarer Höhepunkte ist. Ann Ronells „Willow, Weep For Me“ präsentiert neben Woods wahrer Song-Artistik ein verträumtes Solo von Daniel Franck am Kontrabaß – Ein Schmankerl von guten fünf Minuten.

Der ganz kleine John-Lennon-Titel „Love“ rundet das Vergnügen abermals zärtlich und mit tiefem Gefühl. Ein ganz besonderes Album, das Sternenstaub über seine Hörer streut und ein großes Geschenk für Jazz-Freunde ist - und vielleicht ja auch bei Anhängern des gehobenen Pop Anerkennung findet. Von den Musenblätter dafür unser Prädikat, den Musenkuß.
 
Charlie Wood – „Your Love is my Home“
© 2026 Stunt Records (CD)
 
Charlie Wood (voc, p, org) – Robin Aspland (p) – Daniel Franck (b) – Laurence Cottle (b) -  Ian Thomas (dr) – Cornelia Nilsson (dr) – Villads Littauer Bendixen (vl) – Lara Biancalana (cello) – James McMillan (tp) – Ayoe Angelica, Sophie Ziedoy (choir)
 
1. A Timeless Place - 2. You Send Me - 3. Shipbuilding - 4. Still Crazy After All These Years - 5. Love Can't Love Alone - 6. Stardust - 7. Love Is A Losing Game - 8. Home - 9. Willow, Weep For Me - 10. Love
Gesamtzeit: 45:40
 
Weitere Informationen: www.sundance.dk