Medizin der Zukunft:

Dr. Sabrina Huber erhält 10.000 Euro für die Umsetzung

von Marylen Reschop

Sabrina Huber - Portrait Foto © Ralf Schultheiß
Medizin der Zukunft:
Literaturwissenschaftliche Idee aus Wuppertal 
erhält 10.000 Euro für die Umsetzung
 
Literaturwissenschaftlerin Dr. Sabrina Huber von der Bergischen Universität Wuppertal ist eine von zehn Gewinnerinnen beim Hochschulwettbewerb von Wissenschaft im Dialog. Der Wettbewerb begleitet Nachwuchswissenschaftler dabei, mit der Gesellschaft über ihre Forschungsthemen ins Gespräch zu kommen. Die Gewinner erhalten nun 10.000 Euro für die Umsetzung ihrer eingereichten Ideen, die sich in diesem Jahr rund um das Thema „Medizin der Zukunft“ drehen.
 
Sabrina Huber plant mit dem Preisgeld eine Veranstaltungsreihe, die sie an ganz verschiedene Orte in Wuppertal führt. In interaktiven Formaten wie einem gemeinsamen Leseabend oder einer Schreibwerkstatt will sie sich mit Bürgern über Geschichten und Literatur im Spannungsfeld von Fürsorge, Vorsorge und Kontrolle in der Medizin austauschen.
 
Literatur hilft, zu verstehen
 
Denn: Als Literaturwissenschaftlerin erforscht sie zwar keine neuen Therapieformen, aber sie erforscht, wie die Literatur über diese und andere medizinische Themen schreibt. „Zu verstehen, wie wir erzählen, heißt, zu verstehen, welche Erwartungen, Hoffnungen, Ängste und Normen von Körper, Gesundheit und Versorgung unseren Alltag begleiten“, berichtet Sabrina Huber.
Konkret soll es in ihrer Reihe um die vier Themen „Pflege/-notstand“, „KI-gestützte Psychotherapie“, „Tracking weiblicher Körperdaten“ und „Versorgungs(un)gerechtigkeit“ gehen. Zu jedem Thema findet eine öffentliche Veranstaltung mit einer anderen Zielgruppe und einem anderen Interaktionsformat statt. „Mein Ziel ist es, an alltäglichen Orten wie beispielsweise einer Pflegeeinrichtung, einer Praxis für Gynäkologie oder an einem Stadtkiosk mit verschiedenen Gruppen fiktionale Erzählungen zu lesen, zu diskutieren und auch selbst zu produzieren: Wie stellen wir uns medizinische Versorgung in Zukunft vor? Welche Visionen wollen wir leben, verhindern oder gestalten?“
 
„Was macht das mit uns?“
 
Literarische Romane und TV-Serien wie beispielsweise Charité 2049 entwerfen seit Jahren Zukunftsbilder medizinischer und pflegerischer Versorgung unter Bedingungen der Selbstüberwachung und Überwachung. So machen sie gesellschaftliche und ethische Herausforderungen zukünftiger Medizin sichtbar. „Hier setze ich mit meinem Projekt an und frage danach: Was macht das mit uns? Welche Chancen und Risiken werden in den Zukunftswelten dargestellt und welche persönlichen Bezüge haben und entwickeln wir dazu?“, erklärt Sabrina Huber.
Literatur ermögliche es, über komplexe medizinische Entwicklungen ins Gespräch zu kommen sowie Fragen und Möglichkeiten gemeinsam zu besprechen. „Ich freue mich sehr darauf, möglichst vielen Menschen mit ihren Sichtweisen auf die Medizin der Zukunft zu begegnen und bin gespannt, welche Überschneidungen es dabei mit den Erzählungen aus der Literatur gibt“, betont Huber.
Nachdem ihr Projekt zur Umsetzung ausgewählt wurde, steht für die Wissenschaftlerin die Detailplanung ihrer Reihe an. Voraussichtlich im Sommer geht es los, die weiteren Termine folgen bis Jahresende.
Über ihre Fortschritte, Schwierigkeiten und Highlights bei der Projektumsetzung informieren die Gewinner regelmäßig auf Instagram und der Webseite des Hochschulwettbewerbs.
 
Mehr Hintergrund zum Hochschulwettbewerb
 
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) und Kooperationspartnern ausgerufen sowie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert.
Die erfolgreichen Teams der aktuellen Runde kommen aus ganz Deutschland und setzen auf unterschiedliche Kommunikationsformate – von einer Ausstellung über Kochabende bis hin zum Poesiewettbewerb. Begleitend zur Umsetzung ihrer Idee besuchen die Gewinner Schulungen und Veranstaltungen von Wissenschaft im Dialog, unter anderem zu Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Storytelling und Veranstaltungsorganisation.
 
Zur Person
 
Dr. Sabrina Huber ist Postdoktorandin in der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. In ihrer Dissertation zu Überwachungsnarrativen in der Gegenwart forschte sie zu Erzählungen über (Selbst-)Überwachung von Körpern, Gesundheit und Krankheit. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören außerdem das Verhältnis von Literatur und Politik sowie Protesterzählungen. Derzeit arbeitet sie an einer Studie zu erzählten Konflikten um natürliche Ressourcen wie Wasser, Wald oder Land in der Literatur.