Fettnäpfchen-Parade von Rang
Politisch und religiös völlig unkorrekt?
Dann muß es Ottitsch sein!
Gedankenlos sausen die Finger mobiltelefonbesitzender junger Menschen über die Tastaturen ihrer cellulari und streuen lächelnde, grinsende, heulende oder Küßchen verteilende Smileys in die Welt, wenn sie ihre Schönheits-Konkurrentinnen, besten Freundinnen oder den Fettklops der Klasse dissen oder mobben. Wie anders sähe diese anscheinend höchst beliebte Mobbing-Kultur aus, wären die Erfinder der kleinen gelben Gesichter auf das gekommen, was jüngst dem Grazer Cartoonisten Oliver Ottitsch (*1983), von dem Gerhard Haderer einmal sagte, er sei ein (noch) „ungeschliffener Rohdiamant, in einem genialen Moment einfiel: das Smiley von hinten! Man kann nur hoffen, daß er sich das putzige Arschgesicht rechtzeitig hat patentieren lassen, denn die Welt wird wild darauf sein.
Das betrifft aber auch das Buch mit dem nämlichen Titel „Smiley von hinten“, auf dessen Deckel wir den kleinen Scheißer in aller Unschuld abgebildet sehen. Denn auch diese bisher umfangreichste Werkschau mit Auszügen seines unermüdlichen gekonnten Beleidigens, Schmähens, Verballhornens und durch-den-Kakao-Ziehens hat das Zeug dazu, ein Bestseller zu werden. Den Diamanten konnte ich schon immer unterstreichen, das Ungeschliffene schon seinerzeit nicht. Damals wie heute längst mit Schliff auf Augenhöhe mit großen Kollegen wie Manfred Deix und dem besagten Gerhard Haderer legt Oliver Ottitsch hier eine Sammlung Cartoons vor, die mal wieder kein Fettnäpfchen ausläßt – mit Vorsatz notabene. Und genau so soll das sein.
Ob es um Religion geht - suchen Sie sich eine aus, mit Kreuz, mit Bart, mit Bejkeles oder mit Turban -, ob um die politische Neuordnung in Mitteleuropa, um Sexualität in Variationen, um Kunst, Kultur, Knackwurst oder Klimawandel, Ottitsch hat die Antworten auf Fragen parat, die er mit scharfem Blick auf die momentanen Verhältnisse selber stellt. Daß unter den Hirse stampfenden Damen im Kral keine ist, die nicht beklagt, ihr Mann könne ihre Klitoris finden erklärt sich ebenso schlüssig wie die Ursache für Edvard Munchs „Der Schrei“ oder der tiefere Sinn hinter der Anschaffung einer Smartwatch. Wie wichtig der morgendliche Bürokaffee ist und woher Nike seinen Werbespruch hat, wie sich Architekturkritik äußern kann und wie man mit einem öffentlichen WC gleich zweimal verdient, sind nur ein paar der Beispiele aus Ottitschs satirischem Rundumschlag. Meisterliche Blasphemie und unfaire Schläge unter die Gürtellinie (wobei Burkas, Tschadors und Kaftane meines Wissens keine Gürtel haben) sind wie gezielte Geschmacklosigkeiten, um der Sache gerecht zu werden, eine Spezialität des kompromißlosen Chronisten mit dem Zeichenstift.
Für manche bitter, für die Mehrheit zum Vergnügen: „Smiley von hinten“ von Oliver Ottitsch. In unserer relativ spaßfreien Zeit sehr zu empfehlen, wobei die Mittagspause des Sisyphos, mein allerliebster Cartoon (ganz unten), unangefochten die Pole Position hält.
Viel Vergnügen bei den Kostproben, die wir ihnen hier zeigen können.
Oliver Ottitsch – „Smiley von hinten“
Hrsg. von Eva Creutz
© 2026 Alibri Verlag, 176 Seiten, gebunden, 23 x 23 cm – ISBN: 978-3-86569-449-2
25,- €
Weitere Informationen: www.alibri.de
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