Verdächtig? Jede(r)!
Die Mausefalle - der Klassiker des Bühnen-Krimis
von Agatha Christie
Inszenierung: Ralf Budde – Bühnenbild: Stefan Böhmer, Frank Fischer – Kostümbild: Noëlle-Magali Wörheide – Maske: Michaela Döpper
Besetzung (Premiere): Fabia-Ines Dabek (Mollie Ralston) – Alexander Bangen (Giles Ralston) – Maximilian Leuchter (Christopher Wren) – Monika Owart (Mrs. Boyle) – Hans-Willi Lukas (Major Metcalf) – Sophie-Catherine Hülper (Leslie Casewell) – Vassilis Sachinidis (Mr. Paravicini) – Dominik Schinner (Detective Sergeant Trotter) – Christian Michalak (Radiosprecher)
Berkshire, Anfang der 1950er Jahre, Winter: Mollie und Giles Ralston haben sich den Traum einer kleinen ländlichen Pension im alten Herrenhaus Monkswell Manor erfüllt, mit der sie künftig ihren Lebensunterhalt sichern wollen. Sie erwarten die ersten Gäste. Aus dem Radio hört man Nachrichten über den schrecklichen Mord an einer Frau, die Polizei warnt vor einem Verdächtigen, einem Mann mit schwarzem Mantel, weißem Schal und dunklem weichen Hut. Giles Ralston (gesetzt bürgerlich, gutmütig, aber auch gekonnt eifersüchtig: Alexander Bangen) kommt von einer ergebnislosen Einkaufstour zurück und hängt seinen dunklen Mantel, seinen weißen Schal und den dunklen Hut an die Garderobe des Empfangsraums.
Viele Zimmer gibt es in der Pension nicht, gerade genug, um zur Eröffnung des Hauses an einem ungemütlichen Wintertag alle eintreffenden Gäste unterbringen zu können. Von der Regie punktgenau besetzt treten auf: der offenbar etwas überkandidelte Christopher Wren (quirlig komisch: Maximilian Leuchter) der sich in Mollie verguckt, die kritisch-penible Mrs. Boyle (Monika Owart: eine herrliche Kneifzange, von der man gerne mehr gesehen hätte), Major Metcalf, ein ruhender Pol im turbulenten Geschehen (Hans-Willi Lukas: seriös und augenzwinkernd souverän) und die burschikose Leslie Casewell (undurchsichtig geheimnisvoll: Sophie-Catherine Hülper).
Draußen tobt ein Schneesturm, als unerwartet ein weiterer Gast hereinschneit, der aufgesetzt elegante Charmeur Mr. Paravicini (Vassilis Sachinidis: amüsant mit hartem italienischem Akzent) in Frack und Zylinder und wie die Mehrzahl der anderen Gäste mit weißem Schal und dunklem Mantel. Sein Auto sei in einer Schneewehe steckengeblieben und er brauche unbedingt ein Quartier. Mit der angebotenen kleinen Kammer ist er zufrieden. So bunt auch die Gesellschaft nun ist, jeder und jede lenkte irgendwie den düsteren Verdacht auf sich, der gesuchte Mörder zu sein und wird von den anderen mißtrauisch beäugt. Nicht zuletzt auch von dem bohrend fragenden Detective Sergeant Trotter (energisch: Dominik Schinner), der als letzter die Szene betritt. Man ist eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten, irgendwer hat die Telefonkabel durchtrennt. Dann geschieht ein Mord.
Hier ein Wort zur wirkungsvollen Bühne: Stefan Böhmer und Frank Fischer haben einen feinen englischen Raum mit Kamin, Sekretär,
Nicht zu vergessen die Kostüme und die Maske: Noëlle-Magali Wörheide hat Meisterliches aufgeboten, um jeden der Charaktere passend auszustatten (siehe Foto). Den Vogel schießt dabei das karierte Ensemble der eher unnahbaren Leslie Casewell ab, ein Hingucker wie Mrs. Boyles fabelhaftes Kleid samt Brille und Major Metcalfs leise Eleganz. Michaela Döpper gibt allen auf der Bühne mit sicherem Griff das Gesicht, das die Figur äußerlich ausmacht.
Das Ensemble spielt fabelhaft auf Augenhöhe, doch zeichnen sich im Lauf des Spiels drei dann doch etwas herausragende Figuren ab: zunächst Mollie (sympathisch und nicht nur durch einen grandiosen Schrei ein Glanzlicht: Fabia-Ines Dabek), deren Darstellung der gutwilligen, jedoch zweifelnd besorgten jungen Hausfrau überzeugt. Dann Monika Owart, die mit der Rolle einer alles bekrittelnden bösen Jungfer ein Kabinettstückchen liefert - und schließlich Altmeister Hans-Willi Lukas, dessen humorvoller Major Metcalf so spürbar in sich ruht, daß seine Gelassenheit und sein Witz auf alle, auch aufs Publikum überspringen.
Agatha Christies auf einem tatsächlichen Kriminalfall von 1945 aufbauender „Whodunit“ Rätsel-Krimi kann seit 1952 sein Theater-Publikum fesseln und tut das auch, besonders in der höchst unterhaltsamen TiC-Fassung bei der mit großer Anerkennung gefeierten Premiere am vergangenen Samstag, in der Regisseur Ralf Budde kribbelnd aufgebaute Spannung mit einer Prise Humor vereint. Ein äußerst gelungener Abend, der dem Theater ausverkaufte Häuser bescheren wird. Durchaus familientauglich ab 12 Jahren. Von den Musenblättern sehr empfohlen.
Spieldauer 2¼ Stunden inkl. einer Pause
Weitere Informationen und Termine: www.tic-theater.de
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