Der Stein rollt

Ex-Prinz Andrew in Untersuchungshaft

von Lothar Leuschen​

Foto: WZ
Der Stein rollt
 
Ex-Prinz Andrew in Untersuchungshaft
 
Von Lothar Leuschen
 
Das ist ein Paukenschlag. Die Festnahme des Bruders von König Charles III. und ehemaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor ist der größte Skandal in der Geschichte des britischen Königshauses. Er hat das Zeug dazu, die Monarchie ins Wanken zu bringen. Nicht zuletzt deshalb versichert Charles III. die Behörden seiner Unterstützung und würdigt öffentlich, daß nun die Justiz ihren geregelten Lauf nehme. Daß der König diese Selbstverständlichkeiten ausspricht, ehrt ihn einerseits. Andererseits zeigt es, welche Sprengkraft die sogenannten Epstein-Akten haben. Der König fürchtet das Schlimmste. Deshalb tritt er die Flucht nach vorn an. Nachdem er seinen Bruder wegen seiner Untaten im Dunstkreis des Mädchenhändlers Epstein bereits vollständig aus dem royalen Familienbetrieb entfernt hat.
 
Während Charles versucht, das Schlimmste für seine Regentschaft und sein Haus zu verhindern, gehen Hillary und Bill Clinton den Weg in die Öffentlichkeit. Dem Ex-Präsidenten der USA wird seine in den Akten verbriefte Nähe zu Epstein vorgeworfen. Die Republikaner wollen den Demokraten sowie dessen Frau, die ehemalige Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary vernichten. Die Clintons befinden sich in ihrem Abwehrkampf in Gesellschaft eines ehemaligen britischen Botschafters und eines ehemaligen norwegischen Präsidenten. Unterdessen machen Schwurbeleien die Runde, nach denen Epstein und seine Schergen nicht nur Mädchen mißbraucht, sondern auch noch Kinder gegessen haben sollen.
 
Unabhängig davon, daß der Ex-Prinz und der ehemalige britische Botschafter mutmaßlich Dreck am Stecken haben, entsteht der Eindruck, daß die Epstein-Dateien mit all ihren Schwärzungen und mit Klarnamen verratenen Opfern davon ablenken sollen, daß der amtierende Präsident der USA und mächtigste Mann der Welt über eine gewisse Zeit eine fette Spinne im Netz von Jeffrey Epstein gewesen ist. Noch geht die Rechnung von Donald Trump auf, aber zumindest Ex-Prinz Andrew und der britische Ex-Botschafter sind ein Beleg dafür, daß der Stein der Gerechtigkeit ins Rollen gekommen ist.
 
Der Kommentar erschien am 20. Februar in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
 Redaktion: Frank Becker