Make Olympia great again
Der Sport, die Politik und die Mächtigen
Von Lothar Leuschen
Das Spektakel ist eröffnet. Die Weltjugend des Wintersports trifft sich dieser Tage in Italien. Mailand und Cortina d’Ampezzo ziehen Milliarden von Blicken auf sich, wenn bis 22. Februar Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben werden. Nur König Fußball stellt die Spiele unter den fünf Ringen mit seinen Aufmerksamkeiten in den Schatten. Millionen von Zuschauern auf allen Kontinenten der Erde machen die Großveranstaltung zu mehr als einem Sportereignis. Wie die Fußball-WM im Sommer in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Mexiko und in Kanada sind die Winterspiele von Mailand hochpolitisch. Wann immer Athleten über die Bildschirme der TV-Geräte in aller Welt rasen, stehen rosa Elefanten im Raum. In diesem Sportjahr heißen sie Wladimir Putin und Donald Trump. Sie sind die Voodoo-Puppen, mit denen sich die Mehrheit der Menschen auf dem Erdball quälen läßt. Und sie sind Herausforderungen für die internationale Sportverwaltung. Fifa und IOC tun sich traditionell schwer mit Autokraten und Despoten. Deshalb dürfen in Mailand auch 13 Athleten aus Rußland unter neutraler Flagge antreten und kann die USA ein Dutzend ICE-Beamte nach Italien entsenden, um US-amerikanische Athleten und Spitzenpolitiker zu beschützen. Das Mißtrauensvotum gegen Italien als Ausrichter der Spiele nimmt das IOC klaglos hin.
Wahrscheinlich ist es naiv, sich vom Internationalen Olympischen Komitee eine Rückbesinnung auf die Werte von Pierre de Coubertain zu wünschen, der die Spiele 1896 als Frieden stiftendes Treffen der sportlichen Jugend wiederbegründet hat. Vermutlich ist es kindisch zu hoffen, daß das IOC und der Weltfußballverband Fifa Teilnehmerländer an ihren Großveranstaltungen oder deren Ausrichter daran messen, wie sie es mit Menschenrechten und dem Respekt vor Staatsgrenzen halten. Dabei muß es ja gar nicht unbedingt um Demokratie gehen, es reichte schon ein normales Maß an Humanität gegenüber dem eigenen Volk und gegenüber anderen Nationen. Make Olympia, make Fußball-WM great again. Träumen wird doch wohl noch erlaubt sein.
Der Kommentar erschien am 7. Februar in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
Redaktion: Frank Becker
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