Der B├╝rgermeister der Traumstadt

Poesie und Prosa von und ├╝ber Peter Paul Althaus - hrsg. von Hans Althaus

von Frank Becker

Titelzeichnung: Franz Eder
Der Bürgermeister der Traumstadt
 
Eine Annäherung an Peter Paul Althaus
 
Beim Klang des Namens Peter Paul Althaus oder PPA, wie Eingeweihte zu sagen pflegen, tauchen sie vor dem Auge des Lesers und Poesie-Freundes sofort auf: Dr. Enzian, die Traumstadt, die Flower Tales, Wir sanften Irren usw. usw....
1892 im westfälischen Münster geboren, von sich selbst in seiner Wahlheimat Schwabing zum „Bürgermeister der Traumstadt“ ernannt und 1965 in München gestorben, hat PPA ein unsterbliches lyrisches Gesamtwerk mit all den oben genannten und etlichen anderen Werkgruppen  hinterlassen, das von seinem Neffen Hans Althaus umsichtig verwaltet wird. PPA war, das kann man getrost behaupten, einer der letzten großen Poeten nicht nur der Münchner Boheme und auf Augenhöhe mit Kollegen und Zeitgenossen wie Christian Morgenstern, Otto Heinrich Kühner, Fritz Graßhoff oder Moritz Jahn.
 
Zu den Veröffentlichungen, die Hans Althaus bisher bereits über PPA und sein Werk herausgegeben hat, ist 2014 im Münchner Allitera Verlag eine besondere Würdigung hinzugekommen, der Band „Poesie und Prosa von und über Peter Paul Althaus“, der Stimmen und Erinnerungen von Weggefährten und Freunden versammelt. Hans Althaus hat mit diesem kurzweiligen Lesebuch alle wesentlichen Äußerungen über PPA zusammengetragen, die sich ab 1920 auffinden ließen: Zeitungsartikel und Lexikoneinträge, Erwähnungen in Büchern, Interviews oder auch Briefe, Vorträge und Reden.
Man begegnet zwischen Kurzprosa, Feuilletons und Lyrik PPAs in sehr persönlichen Beiträgen Walter Gödden, Eugen Skasa-Weiß und Ludwig Kusche, Oda Schäfer und Annette von Aretin, Altbundespräsident Theodor Heuss und Münchens früherem Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, wir treffen Elly Ney, Joachim Klinger und Sabine Fringes, Karl und Christian Ude, Armin Eichholz und Bernhard Selker – um nur einige der illustren Schar neben Herausgeber Hans Althaus zu nennen. Der Münchner Flaneur Sigi Sommer, der Meister der Neuen Frankfurter Schule Robert Gernhardt und der Wahlmünchner Kabarettist Dieter Hildebrandt, drei der ganz Großen, die uns mittlerweile auch verlassen haben, gehören ebenfalls zu den Verehrern des unvergessenen Bürgermeisters der Traumstadt.
 
Die Traumkappe von P. P. Althaus*
 
Als er einst sein Bett bestieg

P.P. Althaus © Joachim Klinger
und am Kopfe etwas fror,
griff er in die Tasche - noch vom Krieg -
und zog Wärmendes hervor.
 
Erstens war da der bekannte Schal,
zweitens Strümpfe, dick gestrickt,
überraschend im Original
eine kleine Mütze, reich bestickt.
 
Plötzlich sah er sich in einem Zelt,
und ein alter Mann servierte Tee,
schwach vom Feuerschein erhellt.
Draußen Nacht mit Frost und Schnee.
 
Es war Krieg, schon Jahr um Jahr,
aber friedlich war es hier im Zelt.
Und der Alte nahm die Mütze ab vom Haar,
sagte: „Geh mit ihr in eine and're Welt!“
 
Zwar er schied mit einem Dank,
doch die Mütze zierte nie den Kopf.
Auf den Wegen durch die Steppe, endlos lang,
lag sie achtlos bei Besteck und Topf.
 
Erstmals hat er seinen Kopf bedeckt,
erstmals nach so langer Zeit.
Und er hat die Traumstadt nachts entdeckt.
Sie war fremd und schön und weit.
 
Weil die Dichter Träume lieben,
wurde er ihr Bürgermeister,
und er hat die Stadt beschrieben,
die Ereignisse und Geister.
 
Joachim Klinger
 

Den Text entnahmen wir Joachim Klingers Buch „Kleinod oder Kultklamotte im Museum Bergamotte“, 2012 Grupello Verlag.
Eine Zusammenfassung von Artikeln in Lexika und vergleichbaren Nachschlagewerken, ein  Lebenslauf in Stichworten, ein Werkverzeichnis und ein ausführliches Inhaltsverzeichnis runden das empfehlenswerte Buch ab, mit dem man tief in das Leben und Nachwirken von PPA eintaucht.
 
Poesie und Prosa von und über Peter Paul Althaus
Herausgegeben von Hans Althaus
© 2014 Allitera Verlag – edition monacensia / Landeshauptstadt München, 230 Seiten Broschur – ISBN: 978-3-86906-558-8
19,90 €
Weitere Informationen:  www.allitera.de
 
Weiterführende Lese-Empfehlungen:

„Peter Paul Althaus läßt grüßen“ – Die Traumstadtgedichte von PPA, hrsg. von Hans Althaus
Pendragon Verlag Bielefeld, 2003
 
Peter Paul Althaus: „Was weißt, oh Onkel Theo, Du…“
Verlag Lechte Emsdetten, 1968
 
„Das Peter Paul Althaus-Gedichtbuch“ - Zusammengestellt und herausgegeben von Hans Althaus – Verlag Buch & Media / Allitera München,  2004
 
Peter Paul Althaus: „Vom Send zum Monopteross“, Gedichte und Prosa (1921-1949)
Verlag Buch & Media / Allitera München, 2011
 
Hans Althaus: „Peter Paul Althaus während der beiden Weltkriege“
Verlag Buch & Media / Allitera München, 2017