"Oben und Unten" - Theaterst├╝ck von Kurt Schwitters

Am 12. April im Kunstraum basilica in Remscheid

von Heiner Waniek

Oben und Unten

Ein Theaterstück
von Kurt Schwitters


Kurt Schwitters’ Theaterstück ist seit der Uraufführung 1986 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen nicht mehr gespielt worden. Endlich wird es wieder für die Bühne realisiert und zeigt ein Stück Menschheitsgeschichte über Macht und Ohnmacht.

Am Anfang ist die Bühne leer – nur ein kaltes Baugerüst und eine öde Bank sind zu sehen. Völlig schräg und gebrochen erklingt das Kinderlied „Hänschen klein“. Aus Sprachfetzen („Nichts Nachten Null Dumpfen Dröhnen“) setzt sich nach und nach die Welt zusammen. Menschen erscheinen auf der Bühne und beginnen scheinbar zu handeln. Ihr Tun verdichtet sich zur tatsächlich konkreten Handlung: Kommunistische Ideale leben auf („Die rote Scheibe rollt“), Harmonie- und Freiheitswünsche erstrahlen, und darüber entwickelt sich verstörend Diktatorisches – eben eine Menschheitsgeschichte, eine Geschichte von Herrschern und Untertanen, von Revolution und Hoffnung. Durch psychologisch intelligente Ausdeutung des Stückes von Kurt Schwitters (1929 in der Hochzeit kommunistischer/nationalsozialistischer Straßenkämpfe geschrieben) tauchen wir in eine Welt der Gewalt- und Machtspiele ein, die beunruhigender nicht sein kann, beunruhigend gerade deshalb, weil sie dadaistisch und somit vermeintlich „lustig“ daherkommt.

Was passiert, wenn die Sehnsucht und Gier nach Macht überhand nimmt? Was geschieht, wenn Machtsymbole (hier ein „schwarzer Hut“) ins Spiel kommen? Fairy Büchmanns Inszenierung orientiert sich nicht so sehr am bekannten spielerischen „Unsinn“ des Dadaismus, als vielmehr an den ernsten Inhalten hinter den dadaistischen Verfremdungen. Ursprünglich für Bewegungssprechchor geschrieben, erhält das Stück durch die ambitionierten Künstler und Künstlerinnen aus dem Bergischen Land eine wesentlich persönlichere Interpretation. Sandra Spallek (Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater), David J. Becher (Das Vollplaybacktheater), Knut Heimann (Das Vollplaybacktheater), Matthias Nahmmacher (sonorfeo) und Heiner Waniek (Theater im Kunstraum basilica) entwickeln aus dem abstrakten Text lebendige Figuren, die unter Fairy Büchmanns Regie zwischen dem spielerischen „Unsinn“ des Dadaismus und den Tiefen menschlichen Miteinanders mühelos hin und her wechseln. In „Oben und Unten“ wird die Frage gestellt, was wichtig ist, welche menschlichen Grundzustände und Ängste wir gelten lassen und achten wollen. An zentraler Stelle im ganzen Spiel zitiert Schwitters seine „Ursonate“. Und gerade diese Lautmalerei stellt den Aufruhr dar: Sie ist die revolutionäre Proklamation.

Die dadaistische Leichtigkeit des Seins macht es zum Genuß, diesem Drama zu folgen, das eigentlich erschreckend ist. Aber Fairy Büchmann und ihrem Ensemble ist es gelungen, ein Stück über Aufstieg und Fall der Mächtigen, über Macht und Ohnmacht, über zeitlose menschliche Schwächen und Stärken ohne Düsternis zu inszenieren. Stattdessen gibt es gute Unterhaltung und am Ende sogar einen Hinweis, wie die Welt noch zu retten ist – vielleicht zu retten. Prädikat: Sehenswert!

oben: Sandra Spallek, Matthias Nahmmacher
dazwischen: Knut Heimann

unten: David J. Becher, Heiner Waniek
Regie: Fairy Büchmann

Premiere:
Samstag, 12.04.2008, 20:00 Uhr

Kunstraum basilica
Reinshagener Str. 106, 42857 Remscheid
www.kunstraum-basilica.de

12 / 8 EUR