Traurig-groteskes "Lied der Stra├če"

Schlosstheater Moers inszenierte Fellinis "La Strada"

von Andreas Rehnolt

Traurig-groteskes "Lied der Straße"

Schlosstheater Moers inszenierte Fellinis
"La Strada"



Nach dem Drehbuch von Federico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaiano von Gerold Theobalt
Premiere: 24. Januar 2008

Regie: Barbara Wachendorff • Bühne & Kostüme: Christoph RascheMusikalische Leitung: Tim Isfort • Dramaturgie: Erpho Bell • Fotos: Christian Nielinger, www.nielinger.de

Mit: Carmen Dalfogo (Frauen), Kinga Prytula (Gelsomina), Johannes Mölders (Matto), Holger Stolz (Zampanò) – Musiker: Tim Isfort

 

Bezaubernde Gelsomina

Federico Fellinis Filmklassiker "La Strada – Das Lied der Strasse" hatte am 24. Januar als


Kinga Prytula - Foto: Christian Nielinger www.nielinger.de
traurig-groteske Inszenierung in einer Bühnenfassung von Gerold Theobalt im Schlosstheater Moers Premiere. In der Regie von Barbara Wachendorff spielten Holger Stolz und Kinga Prytula in Deutschlands kleinstem Stadttheater das Gauklerpaar Zampanó und Gelsomina. Vor allem Prytula bezauberte die Premierengäste durch ihre seltsame, naiv-tappsige Darstellung des Mädchens, das von Zampano für eine Hand voll Lira ihrer Mutter abgekauft wurde, um fortan mit ihm als Hilfsartistin durch die Lande zu ziehen.

Artisten unter der Zirkuskuppel...

Die Bühne hatte Christoph Rasche in der seit einigen Jahren als zusätzliche Spielstätte dienenden alten Tennishalle am Stadtrand von Moers in einen recht heruntergekommenen kleinen Zirkus verwandelt mit Vorhang, kleinem Zuschauerrund und hochaufragenden Stangen. Dazwischen lag "La Strada". Polternd Holger Stolz als zottelhaariger Zampano, der erst dann richtig seine Armseligkeit präsentierte, wenn ihm die Perücke vom Kopf rutschte und er so gar nicht mehr wüst und brutal aussah. Einer, der sich in seiner Armut eingerichtet zu haben scheint und der doch immer wieder dann, wenn er von anderen darauf angemacht wird, darüber in Zorn und Hilflosigkeit gerät.


Carmen Dalfogo -
Foto: Christian Nielinger, www.nielinger.de
Egal, ob das Gelsomina ist oder der von Johannes Mölders frech und vorwitzig gespielte Seiltänzer Matto, der ein Auge auf das naive Mädchen geworfen hat. Immer wieder rastet Zampano aus, liefert sich Prügeleien und erschlägt schließlich in blinder Einfersucht Matto, um danach nur noch vor Verfolgern und sich selbst davon zu laufen. Mölders gibt den Matto herzerfrischend, selbstsicher und das Leben herausfordernd. Er ist auch derjenige unter den Artisten- Schauspielern, der das Publikum mit Keulen-Jonglieren, Einrad-Fahren und anderen Cirkus-Nummern begeistert und immer wieder zum Zwischenapplaus reizt.

Nah am Film-Original

Aber fröhlich-circensisch geht es nur vordergründig zu in dem rund 80 Minuten dauernden Bühnenstück, das die Moerser Theatermacher im Rahmen des diesjährigen Schwerpunkts "Armut" auf den Spielplan gehoben haben. Trotz einiger bunter Farben und Kostüm-Tupfer ist die Inszenierung nicht grell überzeichnet sondern bleibt nahe am Oscar-premierten Fellini-Film, der als schwarz-weiß-Streifen in seiner Tristesse bis heute zu überzeugen weiß. Ganz am Ende, als Zampano vom Tod der kleinen Gelsomina erfährt, die er nach dem Mord verlassen hatte, beweist er in seiner Verzweiflung Größe. Er brüllt seine Armut und seine Einsamkeit heraus und zeigt für alle sichtbar, daß er daran leidet.


Holger Stolz
Foto: Christian Nielinger www.nielinger.de

Bewegend

Die in einigen Szenen zu Tage tretende Situationskomik gewinnt in der Inszenierung von Wachendorff nie die Überhand. Die Schauspieler und der Musiker im winzigen Halbrund des La Strada- Cirkus präsentieren sich als Überlebens-Künstler in einer harten, unbarmherzigen und armen Umwelt. Am Ende gab es verdienten und langanhaltenden Applaus des Premierenpublikums, für ein bewegendes Lied der Straße, das zwischen Märchen und Sozialdrama pendelnd eine poetische Fabel über Glauben, Liebe und Hoffnung unter den Bedingungen einer Existenz in Armut spinnt. Der soziale Aspekt des Stücks paßt nach Überzeugung der Regisseurin in die heutige Zeit. "Wenn gar kein Netz mehr da ist, wird das Leben schwierig", so Wachendorff.

Weitere Aufführungs-Termine am 15., 16., 22. und 24. Februar.

www.schlosstheater-moers.de
Kartentelefon: 02841-201731

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Redaktion: Frank Becker