"Stairways to Heaven"

Der Kampf der Religionen als Songdrama von Erik Gedeon - Urauff├╝hrung in D├╝sseldorf am 6. Januar 2008

von Andreas Rehnolt

 







"Stairways to Heaven"
als Uraufführung im Schauspiel Düsseldorf

Songdrama von Erik Gedeon zum Glaubenskampf
unter den fünf klassischen Weltreligionen

Düsseldorf - "Stairways to Heaven" (Treppen zum Himmel) lautet der Titel eines Songdramas zum Glaubenskampf unter den fünf klassischen Weltreligionen, das am 6. Januar nächsten Jahres im Düsseldorfer Schauspielhaus seine Uraufführung erleben soll. Das Stück stammt von dem 1963 geborenen schweizerischen Regisseur Erik Gedeon, der sich am Freitag im Gespräch mit dem epd als "bekennenden Atheisten" bezeichnete. Nach dem Karikaturenstreit um den islamischen Propheten Mohammed, den Aufgeregtheiten um die Enthauptungs-Szenen in der Oper "Idomeneo" und den jüngsten Demonstrationen von Aleviten nach einem "Tatort" hoffe er, das die Premiere von "Stairways to Heaven" ohne Personenschutz auskommen wird, sagte Gedeon.

Er sei sich aber selbst nicht so ganz sicher, fügte der Regisseur an und betonte, er gehe in seinem 15. Songdrama "nicht zimperlich mit den Religionen um" und spare auch "nicht an Religionskritik". "Stairways to Heaven" spielt auf einer internationalen Messe (IMRG) für den richtigen Glauben, wo sich Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum auf den Besucheransturm vorbereiten. Unter dem Übertitel "Wie believe" (Wir glauben) werden in dem gut anderthalbstündigen Stück "Stairways to Heaven" Infostände aufgebaut, um in friedlicher Eintracht für den jeweiligen Glauben zu werben. In der Inszenierung gibt es insgesamt 18 englischsprachige Songs "aus dem Popmusik-Himmel", betonte Gedeon. Alle Lieder werden live von einem Pianisten begleitet und von neun Schauspielern gesungen.

Dabei kommt es zu kleinen Irritationen und laut Regisseur "unter dem Mantel der Ökumene zu  interreligiösen Konflikten. Doch immer wieder besinnen sich die diversen Religionsvertreter auf die friedlichen Absichten der Messe und werben mit "einem musikalischen Evangelium der Popmusik" für ein weltoffenes Religionsverständnis. Als ein erster Besucher, gänzlich unentschlossen in Glaubensfragen, frühzeitig auf der Messe auftaucht, ist das friedliche Miteinander jedoch mit einem Schlag beendet. Als dann noch eine Frau einen weiteren Messestand hereinrollt und erläutert, wie eine Welt ohne Religion aussehen könnte, entschließen sich die Vertreter der Weltreligionen zur Gegenwehr. "Was folgt ist mehr als nur ein musikalisches Feuerwerk", versprechen die Theatermacher.

Gedeon, der als protestantisch erzogener Jugendlicher nach seiner Konfirmation rund zehn Jahre lang in einer katholischen Pfadfindergruppe war, will nicht akzeptieren, dass über Religion angeblich nicht gelacht werden darf. "Ein Lachverbot ist auch ein Denkverbot", so der Regisseur, der es für unerlässlich hält, über Religion nachdenken zu dürfen. Und so lässt er in "Stairways to Heaven" auch einen strenggläubigen Muslim auftreten, als "eine Figur, die auch Angst verbreitet". Während der Arbeiten an dem neuen Songdrama mit insgesamt 18 Liedern will Gedeon gemerkt haben, "dass die Unterschiede zwischen den Religionen weniger groß sind, als ich dachte."

Der Song "Stairway to Heaven", dem der Titel des Songdramas von Gedeon entlehnt ist, ist eines der berühmtesten und einflussreichsten Lieder der britischen Rockband Led Zeppelin. Kritiker warfen der Band vor, mit Hilfe des Backmasking-Verfahrens eine satanische Botschaft in der Aufnahme untergebracht zu haben, die zu hören sei, wenn man das Stück rückwärts abspielt. Daneben hat sich der Regisseur für sein neuestes Werk auch "River deep mountain high, "Imaging", "Stand by me" und "als herzergreifendes Duett und Bekenntnis zur Ökumene" zwischen den evangelischen und katholischen Religions-Vertretern den Song "Your the one, that I want" ausgesucht.

Gedeon studierte Klavier und Komposition und arbeitete von 1998 bis 2002 als musikalischer Leiter am Schauspiel Hannover und am Thalia Theater Hamburg. Seit fünf Jahren arbeitet er als freier Regisseur an zahlreichen deutschen Bühnen, wo er mit Vorliebe Songdramen inszeniert. Er selbst habe ein Archiv von rund 50.000 Songs, von denen er etwa 8.000 kennt. Nach seiner Schätzung gibt es weltweit insgesamt 1.000 Songs, die man dem "Pop-Evangelium" zuordnen könnte. "Für mich als Atheisten ist die einzige Möglichkeit, mit Religion klar zu kommen die, dass die unterschiedlichen Religionen miteinander klar kommen", bekannte der Regisseur am Freitag im Gespräch mit dem epd.

Weitere Informationen unter: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de