40 Jahre Schlo├čtheater Moers

Deutschlands kleinstes Stadttheater feiert

von Andreas Rehnolt

© Schloßtheater Moers
40 Jahre Schloßtheater Moers
 
Deutschlands kleinstes Stadttheater feiert
 
Die Bühne unter der aktuellen Intendanz
von Ulrich Greb fühlt sich bis heute der
politisch-sozialen Relevanz verpflichtet
 
Moers - Deutschlands kleinstes Stadttheater, das Schloßtheater im niederrheinischen Moers feiert in diesem Frühjahr seinen 40. Geburtstag. Der Zwerg unter den deutschen Bühnen hat dennoch seit seiner Gründung im März 1975 bundesweit nicht zuletzt wegen seines engagierten Spielplans einen ausgezeichneten Ruf. Planungen und Initiativen für ein Theater in Moers gab es ab 1969, eng verbunden mit dem Engagement des späteren Intendanten Holk Freytag, der 13 Jahre lang das Schloßtheater geleitet hat, erklärte Dramaturgin Annika Stadler.
Offizielles Gründungsdatum des Theaters war der 8. März 1975 - mit der Bühne im Keller des Schlosses - mit der Inszenierung „Ratcliff rechnet ab“ in der Regie von Holk Freytag. Nachfolgende Intendanten waren Pia Bierey, Rupert J. Seidl, Johannes Lepper und - seit nunmehr über zehn Jahren - Ulrich Greb. In der vergangenen Spielzeit konnte das engagierte Team insgesamt knapp 23.000 Besucher begrüßen. 12.000 im regulären Programm, 6.150 im Rahmen des Jungen Schloßtheaters sowie 3.600 zum Festival Penguins's Day.
 
Mit seinen Projektreihen hat die kleine Bühne gerade in den vergangenen zehn Jahren ein Theaterkonzept etabliert, in dessen Zentrum die Verbindung künstlerischer und sozialer Initiativen liegt. Mit der passenden Anschrift „Kastell“ und gelegen in einem Gewölbe, bietet das eigentliche Schloßtheater maximal 150 Zuschauerplätze. Aber es gibt weitere Spielstätten: Die 2004 in Betrieb genommene Theaterhalle, eine alte Friedhofskapelle, das Studio und das Pulverhaus. Allesamt kleine, kleinste Spielstätten, in denen manch eine Inszenierung wahrhafte Größe erzielte. 
Das Theater fühlt sich seinem Anspruch politisch-sozialer Relevanz verpflichtet. Der amtierende Intendant, dessen Vertrag gerade wieder bis ins Jahr 2020 verlängert wurde, startete seine Intendanz in Moers im Spätsommer 2003 mit dem Versprechen: „Das Theater geht in die Stadt und holt die Stadt ins Theater“. Und Greb hat das bis heute sehr erfolgreich eingehalten. In der aktuellen Spielzeit geht man unter dem Motto „man trifft sich“ der Frage nach, „was uns veranlaßt, zunehmend auf Jahrhunderte lang erkämpfte Grundrechte und individuelle Freiheiten zu verzichten“, heißt es im Spielzeitheft.
 
Der Etat ist - wie kann es beim kleinsten Theater Deutschlands anders sein - nicht riesig. In der vergangenen Spielzeit lagen die kommunalen Zuschüsse laut Stadler bei insgesamt 1,25 Millionen Euro. Damit bestreitet das kleine Team, zu dem unter anderem 5 feste Schauspieler und 6 Gäste zählen, fünf Spielzeitproduktionen, die immer auch bei Zuschauern und Feuilleton überregionale Beachtung finden. 
Über die Bühnenaufführungen hinaus hat die Theatertruppe um Greb sich in den sozialen Stadtraum eingebunden mit Projektreihen und Kampagnen sowie mit seinem intensiven Engagement im Bereich der kulturellen Bildung. Im Mai sollen neben dem Publikum unter anderem auch alle früheren Intendanten des Schloßtheaters zur Feier des 40. Geburtstags eingeladen werden. Vor zehn Jahren, beim 30. Geburtstag gab es infolge heißer Spardiskussionen um subventionierte Bühnen eine Diskussion zum Thema „Was soll das Theater?“. In den zehn Jahren seither hat das Theater in Moers allen Stürmen getrotzt und sich dabei immer weiterentwickelt. Auch das wird gefeiert werden.