Sommermittag

von Csar Flaischlen


Foto © Alina Gross


Sommermittag
 
Liebe?
Nein! es war nicht Liebe! es war ein kurzer Sinnentaumel
nur, der dir das Blut aufstürmte ...
 
Wie heißer Juliwind mit durstigem Kusse die Wellen
aufreißt in den stillen Havelseen, sich satt zu trinken
für seinen Weiterflug über den brennenden
Marksand
brachs plötzlich über dich, in deine Stille, durstig,
lechzend ... und drängte deine Hand in mein Haar und
meinen Kopf auf deinen Schoß und empor an deine
Brust und empor, bis ich deinen Atem auf die Stirne
glühen fühlte ... wie der Wind die Wellen
emporküßt ... bis wir Lippe an Lippe hingen ... mit
geschlossenen Augen.
Und dennoch liebtest du mich nicht und deine Seele
war weit weg in der Ferne ...
nur dein Mund war mein!
 
O daß ich sie zu mir schmeicheln könnte! daß
deine Seele mein würde! deine weiße ferne Seele mit
all der Wonne ihrer Sonnensehnsucht ...
einen Tag nur,
eine Stunde nur!
daß mein Glück nicht bloß ein Taumel deiner
Sinne ...
daß dich das mir gäbe, was mich selbst zu deinen
Knieen niederwirft in stummer Seligkeit!
 
 
Cäsar Flaischlen