Letzte Regungen vom schlaffen Haro

Werner Enke - "Es wird böse enden"

von Frank Becker
Letzte Regungen
vom schlaffen Haro

Werner Enke schreibt und zeichnet
den "Schätzchen"-Mythos fort


Als Werner Enke 1968 in der wunderbar leichten Kino-Komödie von May Spils "Zur Sache Schätzchen" mit seinen Daumenkinos und der Figur des schlaffen Haro die süße Barbara (Uschi Glas) zum Lachen brachte, wurde ein Mythos geboren: der schlaffe Haro. Selbst wenn Enke nur diesen einen und einzigen Film gedreht hätte (es waren schließlich vier mit May Spils), eine ganze Generation hätte ihn nie vergessen. Ebenso unvergessen sind der Boxkampf und die Verbrecherjagd, die es irgendwann sogar einmal als Daumenkino für jedermann zu kaufen gab.
Jahre gingen ins Land, Haro war zwischenzeitlich wieder unheimlich schlaff geworden, bis Werner Enke sich wieder auf sein humoristisches Zeichentalent und den schlaffen Haro von damals besann. Er entwickelte Haro weiter, gab ihm eine Reihe Mitspieler, alles Strichmännchen und -mädchen (nicht was Sie jetzt denken) wie er und schenkte ihnen in Haros Tagebuch eine Philosophie, die sich ein wenig an seine 60er-Jahre-Erfolge anlehnte und goß das Ganze in Buchform. 2003 war es so weit: "Es wird böse enden" ("Schätzchen"-Kennern klingt der Titel noch in den Ohren) bekam im Münchner Antje Kunstmann Verlag einen Platz. Jetzt hat der Verlag die witzigen Comics mit dem wirklich äußerst schlaffen Haro und seinem Nachtgefährten Frank noch einmal vorgelegt. Es kommt beim Durchblättern ein bißchen von einem déja vu auf, hört man doch immer Werner Enkes Stimme im Hintergrund, so wie er damals Barbara die Haro-Geschichten erzählt hat.
Einige Szenen der 289 kurzweiligen Seiten stammen wohl noch aus den preisgekrönten Film-Dialogen von 1968, andere Gags kamen im Laufe der Zeit hinzu, etliche auch aus dem allgemein zugänglichen Pointenschatz des Alltags. Die
Bummel- und Kneipengespräche zwischen Haro und Frank haben noch immer etwas von der Lässigkeit mit gebremstem Tiefgang, sie seinerzeit den Charme der von Enke verkörperten Filmfigur ausgemacht hat. Haros Zweckpessimismus ist erfreulich sympathisch, in seinen Erkenntnissen wie: "Ich bin ganz schnell jung gewesen" oder "Alles läuft optimal schlecht" und Dialogen wie "Ich muß was arbeiten" - "Dir fehlt die vitale Rumhängekraft von früher" schwingt eine Menge Melancholie mit. Was soll man heute auch anders als melancholisch sein, wenn man an die unglaublich bewegte Zeit von Haro, Schätzchen und 1968 zurückdenkt.
Das war´s aber wohl. Ich glaube, jetzt wird er wieder unheimlich schlaff.

Werner Enke - "Es wird böse enden"
© 2003/2012 Antje Kunstmann Verlag, 289 Seiten, gebunden, mit Zeichnungen von Werner Enke
14,90 €

Weitere Informationen:  www.kunstmann.de  und  www.wernerenke.de