Nicht ├╝berzeugend

Lorca's "Yerma" am Schauspielhaus Bochum

von Andreas Rehnolt
Lorca's "Yerma" am Schauspielhaus Bochum
konnte kaum überzeugen
 
Die Inszenierung von Federico Garcia Lorcas Tragödie "Yerma" über die an ihrem unerfüllten Kinderwunsch zerbrechende Frau konnte bei ihrer Premiere im April am Bochumer Schauspielhaus nicht überzeugen. Regisseurin Cilla Back, die das 1934 in Madrid uraufgeführte Stück des Spaniers in der Übertragung von Susanne Lange in den Kammerspielen auf die Bühne brachte, blieb mit ihrer 90-minütigen Version im düster Dunklen.
 
Back inszenierte die Tragödie um die kinderlose Ehe der jungen Hirtentochter mit dem wohlhabenden und impotenten Herdenbesitzer Juan ohne wirkliche Tiefe. Die Dorfbewohner kommen stets im Rudel daher, ihre Sprache ist monoton, und wenn die sechs bis sieben alten Frauen im Chor der Waschweiber über die junge Yerma herziehen, dann trifft das den Zuschauer nicht wirklich.
Das Stück über die Ehe, die Quasi-Verpflichtung zum Kinderkriegen, Moral, Sexualität, Tabus, Konventionen, Katholizismus, Magie und Aberglauben lebte in Bochum vor allem durch die glaubhafte Darstellung von Bettina Engelhardt in der Titelrolle. Wie sie sich mal ziert, mal provokativ in die Mitte der Dorf-Alten geht, dann wieder voller Sehnsucht und Neid die schwangere Maria beredet, geht dem Zuschauer schon nahe. Wie sie sich sogar auf ein blutiges Fruchtbarkeits-Ritual mit einer Schamanin in einer Schafs-Tränke einläßt und dabei sogar ihren Haarzopf opfert, ist nur schwer erträglich.
 
Immer mehr kommt es durch den wahnhaften Wunsch Yermas nach einem Kind zur unauflösbaren Vereinsamung der jungen Frau. Ihr unerfüllter Kinderwunsch dauert indes viel zu lange auf der dunkel-düsteren Bühne, auf der Csörsz Khell mit Balken und Stöcken ein befremdliches Dorf-Bild errichtet hat. Werner Strenger als Ehemann Juan ist eher bleich und blaß während Yermas Jugendliebe Victor (Daniel Stock) ganz den Verständigen und immer noch in sie Verliebten gibt, dem sich die junge Frau allerdings verweigert.
Juan wird am Ende von Yerma umgebracht, erwürgt mit ihrem abgeschnittenen Haarzopf. Sein Tod ist zugleich der Tod von Yermas Lebenswunsch nach einem Kind - und damit auch die Einläutung ihres endgültigen Endes. Ohne Juan kein Bettgenosse und ohne den kein Kind und damit das Aus.