Die Mutter aller Männerausflüge

Jerome K. Jerome – „Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund!“

von Frank Becker

Umschlag: Javier Mayoral / FAVORITBÜRO
Die Mutter aller Männerausflüge
 
Ein Meisterwerk feinen englischen Humors
 
Wie sanftmütig jemand an Land auch sein mag,
in einem Boot wird er gewalttätig und blutdürstig.
 
Die Mutter aller Männerausflüge“ nennt der gewitzte Klappentext-Verfasser des Manesse Verlags diesen wunderbaren Roman – und ich bin ihm darob ein ganz klein wenig böse, denn damit ist mir diese brillante Pointe genommen. Doch zitieren sei mir erlaubt, was mir in diesem Fall besonders viel Spaß macht.
In 19 köstlichen Kapiteln beschreibt im Jahr 1889 Jerome K. Jerome (1859-1927) eine zwölf Tage währende, vielleicht einen Hauch zu blauäugig geplante und daher mit allerlei kleineren und größeren Mißgeschicken behaftete Tour dreier Freunde die Themse hinauf mit Ruderboot, Zelt und Hund Montmorency. Ferien pur zur Erholung am Busen der Natur sind der Plan, denn alle drei sind angeschlagen, ausgelaugt. Sie sehen schon, bereits vor 120 Jahren gab es das, was heute „Burnout“ genannt und als eines der größten gesellschaftlichen Probleme betrachtet wird. Unsere Drei brauchen keine Therapie, sie nehmen ihre Bootsfahrt als Ausgleich für ihre Beschwerden. Ein probates Mittel, das tatsächlich nützt und gleichzeitig bildet. Denn selbstverständlich wird man nicht nur auf dem Fluß bleiben, sondern die am Wege gelegen Orte und Sehenswürdigkeiten aufsuchen. Im übrigen wird man naturverbunden campieren und sich natürlich selbst verpflegen. Westlich von London in Kingston besteigen sie mit sorgfältig eingekauftem Proviant und allerlei nützlichem Gerät das Boot und stechen via Hampton, Staines, Windsor, Maidenhead, Great Marlow, Henley, Reading, Wallingford und Dorchester in Richtung Oxford in See.
 
Aber wie das nun mal mit Plänen so ist – es gibt, zumal wenn drei Herren nicht immer unbedingt einer Meinung sind, ihnen ein Hund zwischen die Beine läuft und man das Wetter nicht bestellen kann, immer ein paar Unwägbarkeiten. Wie baut man als Ungeübter ein Zelt auf? Wie öffnet man eine Konservendose, wenn der Öffner fehlt? Schleusen sind zu überwinden. Was tun, wenn Regen den Zeltplatz tränkt. und soll man kunstvoll angelegte Labyrinthe besuchen, wenn man eigentlich weiterreisen möchte? Und dann auch noch die Frage nach dem Wohin, wenn man des Zeltes überdrüssig ist, das nächstgelegene Gasthaus aber über kein freies Bett mehr verfügt?
Solche Widrigkeiten und derer mehr bewältigen unsere drei Freunde stilvoll, mit Humor sowie mit britischer Gelassenheit, nun ja, fast immer, sie sind schließlich Gentlemen, bis sie stetiger englischer Nieselregen sie dann doch vor der Zeit und bevor sie sich „in dem lausigen alten Sarg den Tod holen“ (George) in die Zivilisation Paddingtons zurückscheucht.


Jerome K. Jerome hat durch „Three Men in a Boat“ seinen Platz im Olymp der englischen Literatur bekommen. So gediegener Humor gelang nach ihm wohl nur noch seinen Landsleuten P.G. Wodehouse (1881-1975) und Evelyn Waugh (1903-1966). Gisbert Haefs neue, durch ihren Witz dem Original sehr entgegenkommende Übersetzung bekommt dem Text ausgesprochen gut. Unverzichtbar die Zwischenüberschriften, die ganz gierig auf den Sprung ins nächste Kapitel machen. Dieses Meisterwerk feinen englischen Humors im handlichen, bewährten Manesse-Taschenformat sollte man unbedingt auf die nächste Reise, vielleicht ja die Themse hinauf, mitnehmen. Wir legen Ihnen das Buch als wertvolles Geschenk für sich selbst und andere ans Herz und verleihen ihm unsere Auszeichnung, den Musenkuß.
 
Jerome K. Jerome – „Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund!“
Roman – Aus dem Englischen von Gisbert Haefs
© 2017 Manesse Verlag, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Lesebändchen, Anmerkungen - ISBN: 978-3-7175-2440-3
22,- €  [D] / 22,70 €  [A] | / 29,90 sFr
 
Weitere Informationen: www.randomhouse.de