Von einer Revolution gegen die Ausbeutung, die in einer Diktatur endete
Reinhard Kleist – „Castro“
Fidel Castos beeindruckende
graphische Biografie
Von einer Revolution gegen die Ausbeutung,
die in einer Diktatur endete
Als ich ein junges Mädchen war, erschien Ende der 50er Jahre in einer Illustrierten (ob in der Quick, der Revue oder der Neuen Illustrierten weiß ich nicht mehr) des Lesezirkels, den meine Eltern hielten, in Fortsetzungen ein Kolportageroman über die kubanische Revolution unter Fidel Castro und seinem Bundesgenossen Che Guevara. Durchaus positiv mit Blick auf die Revolutionäre und ihren Aufstand gegen den von den USA gesteuerten Diktator Fulgencio Batista erzählte der Roman diese Revolution als dramatisches Dschungel-Abenteuer mit pikanten erotischen Einlagen. Wer den Roman geschrieben hat, weiß ich nicht mehr, aber daß ich ihn seinerzeit mit viel Spannung verfolgt und Sympathien für die Aufständischen entwickelt habe.
In den Jahrzehnten darauf wurde Kuba zur schwärenden kommunistischen Wunde im Fleisch des kapitalistischen Westens, ein jeder wird sich an die einen dritten Weltkrieg heraufbeschwörenden Kuba-Krise 1962 erinnern. Durch den nach der Revolution eingeschlagenen sozialistischen Weg, die Blockade durch die USA und die verfehlte Wirtschaftspolitik Castros wurde Kuba zum Armenhaus in der Karibik, zu einer Diktatur mit eiserner Hand.
Schließlich wurde die Zuckerrohr-Insel von Romantikern als Wiege des Salsa, Urlaubsziel mit alten Straßenkreuzern und bereitwilligen Mädchen wiederentdeckt.
Spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, die der russische Diktator Wladimir Putin heute mit brutalen Kriegen wiederherzustellen versucht und nach dem Tod Castros (2016) wurde Kuba endgültig zum kranken Mann, um den seither wieder die kapitalistischen Geier kreisen.
Reinhard Kleist hat die jüngere Geschichte Kubas und das Leben und Wirken seines über 50 Jahre herrschenden Diktators in einer brillanten Graphic Novel, deren aussagekräftige Bilder beeindruckend die Ereignisse wiedergeben, im wahrsten Wortsinn aufgezeichnet. Aufgehängt an der Lebensgeschichte des Reporters Karl Mertens, der 1958 nach Kuba reist, um den Revolutionär zu interviewen - und für den Rest seines Lebens dort bleibt, schreibt und zeichnet er auf 304 Seiten die Biographie Castros, eines charismatischen und äußerst widersprüchlichen Mannes von enormer Energie und Überzeugungskraft, ohne dabei dessen Mitstreiter / Companeros und sein unter seinen politischen Ambitionen leidendes Privatleben zu vergessen. Kleists Graphic Novel beleuchtet sowohl Castros politische Ideen und Ideale als auch die Auswirkungen seiner sich diktatorisch zuspitzenden Herrschaft auf Kuba.
Die überarbeitete, jetzt von Carlsen Verlag neu aufgelegte Graphic Novel ist eine beeindruckende graphische Biografie geworden, die unter dem begehrlichen Blick des derzeit in den USA herrschenden unberechenbaren Despoten Donald Trump ein Stück Geschichte aufruft, das nach wie vor für das Gleichgewicht der Welt von hoher Bedeutung ist.
Reinhard Kleist – „Castro“
Neuausgabe 2026
© 2026 Carlsen Verlag, 304 Seiten, gebunden, s/w mit farbigen Bildbeigaben, 20 x 26 cm - ISBN 978-3-551-81060-1
Empfohlenes Lesealter ab 14 Jahren
26,00 € (D) | 26,80 € (A) | 36,90 sFr (CH)
Weitere Informationen: www.carlsen.de
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