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Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:

„Franz Marc - Die Suche nach einer besseren Welt“

von Andreas Rehnolt
Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc, Die kleinen gelben Pferde, 1911, Öl auf Leinwand, 66 × 104 cm‚ Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1957 - Foto: © Staatsgalerie Stuttgart

Großartige Ausstellung zum Werk 
von Franz Marc in Düsseldorf

Die Kunstsammlung K20 eröffnet heute die Schau
„Franz Marc - Die Suche nach einer besseren Welt“

„Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur Animalisierung der Kunst, als das Tierbild. Darum greife ich danach.“ Dieser Satz stammt von dem Maler und Zeichner Franz Marc (1880-1916). Ihm widmet die Kunstsammlung K20 in Düsseldorf die erste umfassende Einzelausstellung über Werk und Person des Künstlers seit 20 Jahren in einem deutschen Museum. Seine bevorzugten Motive waren Tiere als Sinnbild von Ursprünglichkeit und Reinheit, da sie für ihn die Idee der Schöpfung verkörperten und im Einklang mit der Natur lebten. „Mit seinen Tierbildern drückte Marc seine Utopie einer paradiesischen Welt aus“, hieß es gestern bei der Präsentation der bis zum 24. Januar 2027 terminierten Schau vor der Presse.

NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) nannte Marc in einem Grußwort im Ausstellungskatalog „einen der herausragendsten Künstler des Expressionismus“. In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche habe der Maler „ein Werk von außergewöhnlicher Intensität und visionärer Kraft geschaffen, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat“, so die Ministerin. Zu sehen sind insgesamt 120 Gemälde sowie Arbeiten auf Papier, die in den Jahren zwischen 1904 und 1914 entstanden sind. Der 1880 in München geborene Mitbegründer der Künstlergruppe „Blaue Reiter“ starb mit nur 36 Jahren, am 4. März 1916 im Ersten Weltkrieg durch eine französische Granate. 

Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc, Der Traum, 1912, Öl auf Leinwand, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid

Seine weltberühmten Tierbilder, vor allem die Werke, die er von Pferden malte, sind weit mehr als Tierstudien. Sie sind vielmehr Ausdruck seiner tiefen Sehnsucht nach einer Welt im Einklang mit der Natur, die von der zunehmenden Technisierung und Entfremdung seiner Zeit unberührt ist. Die Kuratorin der Schau, Susanne Meyer-Büser bezeichnete den Künstler vor der Eröffnung als jemanden, der sich „in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach einem irdischen Paradies sehnte.“ Seine Bilder seien für Marc „Enklaven der Harmonie, aber auch Entwürfe einer neuen, ideellen Welt“ gewesen, so die Ausstellungsmacher.

Faszinierend die zahlreichen Pferde-Gemälde von Marc in dieser sehenswerten Ausstellung. Anfangs malte er die Tiere noch, wie er es an der Kunstakademie gelernt hatte, später versuchte er zu zeigen, wie die Tiere die Welt sehen. Sein erstes Pferdebild stammt von 1910, trägt den Titel „Pferde auf der Weide (in Landschaft)“ und hat nur wenig mit dem wohl berühmtesten, expressionistischen Pferdebild mit dem Titel „Turm blauer Pferde“ aus dem Jahr 1913 gemeinsam, das er auf einer Postkarte an seine Künstlerfreundin Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) malte. Dieses Gemälde wurde von den Nationalsozialisten 1937 aus der Berliner Nationalgalerie als „entartet“ beschlagnahmt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gilt das expressionistische Meisterwerk als verschollen.

Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc, Fuchs (Blauschwarzer Fuchs), 1911, Öl auf Leinwand, 50 × 63,5 cm‚ Von der Heydt-Museum Wuppertal - Foto: Medienzentrum Wuppertal

Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Kunstmuseum im schweizerischen Bern entstanden ist, zeigt vor allem Tierbilder. Pferde in allen Farben und in zunehmend abstrakten Kompositionen gibt es zu Hauf. Aber auch Katzen, Hunde, Rehe, Rinder, Vögel und selbst Wölfe hat Marc auf die Leinwände gebracht. Letztere sind vermutlich in Vorahnung der Kriegsgreuel des 1. Weltkriegs in einer zerstörten Umgebung auf der Suche nach Beute unterwegs. Passend dazu das Gemälde „Das arme Land“ von 1913, das in düsteren Farben unzählige Grabkreuze zeigt, zerstörte Gebäude und abgemagerte Tiere.

Präsentiert wird auch eine ganze Reihe weiblicher Aktgemälde und Frauenbilder sowie mehrere Landschaftsbilder, mal mit, mal ohne Tiere. Marc liebte nach Angaben der Kuratorin das ländliche Leben, die Wälder und Berge. „Waldinneres mit Vogel“ heißt ein Bild aus dem Jahr 1912, ein Jahr später schuf er das großformatige Ölgemälde „Die verzauberte Mühle“, im gleichen Jahr entstand das Bild „Die Weltenkuh“. Besucher der Schau erfahren zudem, wie eng der Künstler in die pulsierende Kunst- und Kulturszene vor dem Ersten Weltkrieg eingebunden war – und wie beeindruckend vielfältig sich sein Werk zwischen 1905 und 1914 entwickelte.

Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc, Drei Katzen, 1913, Öl auf Leinwand, 72,6 × 102,5 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf - Foto: Achim Kukulies

Marcs künstlerischer Weg begann an der Münchner Akademie, wo er sich zunächst mit dem Naturalismus und dem Jugendstil auseinandersetzte. Die Freundschaft mit dem Schweizer Tiermaler Jean-Bloé Niestlé (1884 – 1942) ab 1905 bekräftigte und fokussierte sein Interesse auf die Darstellung von Tiermotiven. Dabei ging es Marc weniger um die naturalistische Wiedergabe, sondern um das Begreifen des inneren Wesens der Tiere. Die Tiere zu malen, „wie sie selbst die Welt ansehen und ihr Sein fühlen“, schrieb er 1915 in einem Brief über seinen primären Ansatz.

Informiert wird in der Ausstellung zudem auch über seine Freundschaften mit den Malern August Macke (1887-1914), Marianne von Werefkin (1860–1938), Gabriele Münter (1877–1962), Alexej von Jawlensky (1864–1941), Arnold Schönberg (1874–1951) und Wassily Kandinsky (1866–1944), mit dem er Ende 1911 die Redaktionsgemeinschaft des Blauen Reiter gründete. 

Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc. Auf der Suche nach einer besseren Welt, Ausstellungsansicht, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2026 - Foto: Linda Inconi-Jansen


Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Kunstsammlung NRW/K20 - Grabbeplatz 5 - 40213 Düsseldorf - Tel.: 0211 - 838-1204

Informationen: www.kunstsammlung.de

Kunstsammlung NRW/K20 präsentiert:
Franz Marc, Die verzauberte Mühle, 1913, Öl auf Leinwand, 130,2 × 90,8 cm
Arthur Jerome Eddy Memorial Collection, bpk / The Art Institute of Chicago / Art Resource, NY