Dietrich Rauschtenberger †
Liebe Jazzfreundinnen und Jazzfreunde,
sehr geehrte Damen und Herren,
heute gibt es leider eine sehr traurige Nachricht: Dietrich Rauschtenberger ist am vergangenen Sonntag gestorben.
Dietrich Rauschtenberger, *1939 in Schwelm, spielte als Schlagzeuger Anfang der 1960er Jahre gemeinsam mit den Wuppertaler Jazzmusikern Peter Kowald und Peter Brötzmann und gehörte zu den ersten europäischen Musikern des Free Jazz.
1976 erschien seine erste Langspielplatte mit der Band „Open Field Music“ (AIN 001) u.a. mit Andreas J. Leep. In den Folgejahren tourte er regelmäßig mit unterschiedlichen - auch internationalen - Musikerinnen und Musikern und spielte diverse Langspielplatten und CDs ein. Vor einigen Jahren lernte er bei Wolfgang Schmidtke noch das Saxophonspiel.
Seit den 1980er Jahren veröffentlichte er Hörspiele, Kurzgeschichten und Romane. Bei Theaterstücken wirkte er als Autor, Darsteller und Musiker mit.
Sein Bühnenprogramm „Die Kunst ein Schlagzeug aufzubauen oder - Wie wir den Free Jazz erfunden haben“ wurde in den 2000er Jahren zum Renner.*
Dietrich Rauschtenberger legte 2010 in „Jazz und Ikebana“ eine geradezu wollüstige Erzählkunst an den Tag, zauberte Typen aus dem Hut, die vom wirklichen Leben kein Jota breit abweichen, so abgedreht sie auf den ersten Blick auch aussehen mögen. Rauschtenberger schöpfte Worte und Begriffe aus dem ungeheuer reichen Schatz seiner Sprache, die Geschichte aus einem reichen Musiker-Leben und er malt Bilder und Szenen von lebensnaher und lebensbejahender Dichte und Farbe. Ein Genuß.*
2017 Erschien im NordPark Verlag sein großer Roman „Ruhrstraße 33“, der dank Dietrich Rauschtenbergers präzisem Blick, dem gelungenen Zeitkolorit, seiner Wortgewalt und der psychologischen Tiefe ein großer Wurf war, der starke, unvergeßliche Bilder im Kopf erzeugt und der einen Vergleich mit Hans Henning Claer erlaubt.*
Im Juni 2026 wurde sein letzter Roman „Blanck steigt aus“ beim Book on Demands Verlag, Hamburg veröffentlicht (ISBN: 978-3-6963-7525-6).
Gemeinsam mit dem „Stellwerk-Quartett“ mit Brigitte Gregor-Rauschtenberger, dem Wuppertaler Bassisten Klaus Harms und der Querflötistin Tanja Kreiskott machte er noch im Frühsommer 2026 seine letzten Musikaufnahmen.
Dietrich Rauschtenberger hatte immer ein sehr breit gefächertes Kulturverständnis und Interesse nicht nur an Musik, sondern auch an Hörspiel Tanz, Texten, Theater und vor allem an kreativer, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Diskussionen über Kunst, Kultur und Politik, aber auch über Alltagsthemen. Auch war er stets ein streitbarer Geist.
Seit ihrem Bestehen hat Dietrich Rauschtenberger in den Musenblättern auch hin und wieder neue Texte publiziert.*
Am Sonntag 9. August 2026 erlag Dietrich Rauschtenberger sieben Wochen vor seinem 87. Geburtstag einer schweren Krankheit.
Rauschtenberger lebte in Schwelm und hinterlässt neben seiner Ehefrau Brigitte Gregor-Rauschtenberger, Kinder und Enkelkinder.
Herzliche Grüße
Rainer Widmann
Jazz AGe Wuppertal
* Kursiv gestellte Texte wurden von Frank Becker beigetragen.
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