Trauer um Konrad Beikircher
Wir verabschieden uns von einem Freund
Trauer um Konrad Beikircher
Wir verabschieden uns von einem Freund
(* 22. Dezember 1945 in Bruneck, Südtirol - † 28. Juli 2026 in Bonn)
Vor drei Tagen ist Konrad Beikircher gestorben, den ich nicht nur als Künstler, sondern als Freund vermissen werde und betraure. Seine wunderbare auf elf Teile angewachsene „Rheinische Trilogie“ hat nun ein Ende gefunden.
Konrad Beikircher war ein Mensch voller Herzlichkeit und mitreißendem Humor, ein Philanthrop von großer Empathie, einer der Dir im Gespräch mit Wärme in die Augen schaute, dem Volk aufs Maul und Opernsängern in den Rachen. Konrad Beikircher war ein kluger wie amüsanter Gesprächspartner und liebenswerter erfolgreicher Künstler, der nie abgehoben war, sondern am liebsten den unmittelbaren Kontakt zu seinem Publikum hatte, das ihn liebte, gleich was er anpackte. In tiefem Ernst mit einem Blick über seinen Brillenrand erzählte er treuherzig die großartigsten Lügengeschichten, war zugleich ein erlesener Kenner von Oper und Konzert – seine gut gelaunten Konzert- (Andante Spumante und Scherzo Furioso) und Opernführer (Palazzo Bajazzo, Bohème Suprême und Pasticcio Capriccio) legen davon Zeugnis ab.
Ein Beethoven-Experte – ihm widmete er eigene Programme - ebenso wie Vollblutmusiker an Geige und Gitarre und als Sänger war Konrad Beikircher wunderbarer Interpret italienischer Schlager und Pop-Balladen u.a. von Adriano Celentano, Fred Buscaglione und Domenico Mudugno. Mit Hans Höhn am Kontrabaß, Martin Wagner am Akkordeon, der Mandoline und Geige Matthias Raues und selbst an der Gitarre versprühte er Italien und die herrlichen 50er Jahre.
Als vom Rheinland akzeptierter Rheinländer (das muß man erst mal schaffen) - „ne jelungene Imi“ – war der in Bruneck geborene Südtiroler, also Italiener, wohl der größte Kölner seit Willy Millowitsch, zugleich Wiener, Römer, Prager, Europäer. Mit Lore Lorentz konnte er böhmakeln, den Schmäh von H.C. Artmann ebenso wahr interpretieren wie die Texte von Harry Hermann Schmitz, Ovid und Josef Lada. Auch Carlo Manzonis Signor Veneranda Geschichten hat er wunderbar ins Deutsche übertragen.
Kaum jemand hat so anrührend über sein Leben geschrieben, weshalb ich Ihnen seine Autobiographie „Als Strohhalme noch aus Stroh waren“ empfehle – es gehört zu den schönsten und liebenswertesten solcher Erinnerungsbücher. (Als Strohhalme noch aus Stroh waren: Eine Kindheit in Südtirol (Kiepenheuer & Witsch, 2012).
Konrad Beikircher gehörte zu den ersten und treuesten Unterstützern und Mitarbeitern der Musenblätter, die ihm viel zu verdanken haben. Er ist mir zum Freund geworden. Nun ist er zu seinen Ahnen gegangen, vielleicht trifft er ja „drüben“ den ollen Ludwig van B.
Die Erinnerung an ihn, seine Texte, sein Bild, seine Stimme bleiben.
Alles von und über Konrad Beikircher in den Musenblättern finden Sie → hier!
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