Neue Ergebnisse der Provenienzforschung im Von der Heydt-Museum:
Herkunft bei acht weiteren Werken nun lückenlos nachgewiesen
Neue Ergebnisse der Provenienzforschung
im Von der Heydt-Museum:
Herkunft bei acht weiteren Werken nun lückenlos nachgewiesen
Nach intensiven Recherchen in Sachen Provenienzforschung gibt es neue Erkenntnisse und gute Nachrichten zu einigen Hauptwerken aus der Sammlung des Von der Heydt-Museums. So belegen Dokumente im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, daß acht Werke, die aus dem Besitz von Eduard von der Heydt stammen, schon seit 1927 im Besitz des Elberfelder Bankiers und Kunstmäzens waren. Somit konnte die „Provenienzampel“ von Gelb auf Grün, also auf „unbelastet“ in Bezug auf einen NS-verfolgungsbedingten Verlust, gestellt werden. Denn nun ist der Besitz belegt, und es ist davon auszugehen, daß die Werke in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 ihm gehörten. Es handelt sich um Werke von Claude Monet, Alfred Sisley, Salvador Dali, Gustav Courbet. Hans von Marées, Wilhelm Leibl und Maurice Denis. Einige der Werke sind derzeit in der Ausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung. Von Ruisdal bis Giacometti“ zu sehen. Außerdem konnte die Provenienzampel bei Carl Grossbergs „Maschinensaal I“ von 1925 ebenfalls auf Grün gestellt werden. Dieses Werk ist zurzeit in der großen Retrospektive zu dem Maler der Neuen Sachlichkeit ausgestellt. Bei zwei weiteren Werken der Sammlung, eines von Amédée Ozenfant und eines von Xaver Fuhr, ergeben neuere Erkenntnisse, daß sie sich seit spätestens März 1933 im Besitz von Eduard von der Heydt befanden; vermutlich schon früher, so daß auch diese beiden Gemälde möglicherweise bald als unbelastet gelten können. Von der Heydt vermachte fast seinen gesamten Besitz europäischer Kunst dem 1961 nach seiner Familie benannten Von der Heydt-Museum Wuppertal, insgesamt 204 Gemälde, dazu noch Grafiken, Skulpturen, kunstgewerbliche Gegenstände und einige wenige außereuropäische Objekte.
Museumsdirektor Dr. Roland Mönig und Anna Baumberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt Provenienzforschung, haben bereits im Mai aus diesem Anlaß über die neuesten Erkenntnisse der Provenienzforschung informiert, einen Einblick in die praktische Recherchearbeit gegeben und die Relevanz der systematischen Bestandsprüfung erläutert. Hintergrund: Zu den Kernaufgaben eines Museums zählt das Forschen. Die Provenienzforschung erfüllt dabei die Aufgabe, die Herkunft der Objekte zu recherchieren und zu dokumentieren. Seit Oktober 2020 läuft am Von der Heydt-Museum Wuppertal eine systematische Bestandsprüfung. Sie hat das Ziel, verfolgungsbedingt abhanden gekommene Kunstwerke insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus zu identifizieren, und sucht also nach sogenannter NS-Raubkunst. Für alle Kunstwerke, die nach dem 30. Januar 1933 in die Sammlung gelangt sind und vor dem 8. Mai 1945 entstanden sind, gilt es, die Objektbiografie möglichst lückenlos zu ermitteln.
Bis zum heutigen Tag wurden insgesamt 17.597 Kunstwerke im Von der Heydt-Museum (vor)geprüft und gemäß der „Provenienzampel“ kategorisiert. Sammlung des Von der Heydt-Museums (Städtischer Besitz): 14.937 Kunstwerke (vor)geprüft und gemäß der „Provenienzampel“ kategorisiert: o : 8921 (=59,72 %) o : 5692 (=38,11 %) o : 322 (=2,16 %) o : 2 (=0,01 %) Sammlung Kunst- und Museumsvereins Wuppertal: bisher 2660 Kunstwerke (vor)geprüft und gemäß der „Provenienzampel“ kategorisiert: o : 2160 (=81,20 %) o 500 (=18,80 %) o : 0 (=0 %) o : 0 (=0 %) Eduard von der Heydt hat dem Museum 204 Gemälde geschenkt bzw. vermacht: o : 115 (=56,37 %) o : 87 (=42,65 %) o : 2 (=0,98 %) o : 0 (=0 %) Die systematische Bestandsprüfung ist häufig aufwändig und langwierig. Aber manchmal können durch Zufallsfunde unverhofft gleich mehrere bedeutende Kunstwerke entlastet werden. Im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin wird die historische Dokumentation der Nationalgalerie verwahrt. Auf Mikrofilmrollen finden sich zigtausende Schriftstücke, darunter auch zahlreiche Briefe von Eduard von der Heydt aus den 1920er und 1930er Jahren an den damaligen Direktor der Nationalgalerie Ludwig Justi. In einem Brief bietet Eduard von der Heydt verschiedene Werke seiner Sammlung als Leihgabe für die Nationalgalerie Seite 3 / 5 an. Durch diese Auflistung kann die Provenienzforscherin Anna Baumberger ableiten, daß die Kunstwerke mindestens seit dem 4. März 1927 zur Sammlung von Eduard von der Heydt zählten und ein NS-verfolgungsbedingter Entzug nahezu ausgeschlossen ist.
→ Hans von Marées, Studie eines pflückenden Mannes, um 1874, G 0687 [...]–[...]: Adolf von Hildebrand (1847–1921), München/Florenz | [...]–[...]: Galerie Matthiesen, Berlin | spätestens 4.3.1927–1952: Eduard von der Heydt (1882–1964), Ascona | 1952–heute: Städtisches Museum; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal →
→ Wilhelm Leibl, Mädchenbildnis (Studie), 1895/96, G 0705 [...]–[...]: Galerie Caspari, München | spätestens 4.3.1927–1952: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | 1952–heute: Städtisches Museum; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal →
→ Maurice Denis, Der Vesuv, 1904, G 0821 [...]–[...]: Galerie Tanner, Zürich | spätestens 4.3.1927–1955: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | 1955–heute: Städtisches Museum; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
→ Carl Grossberg, Maschinensaal I, 1925, G 0831 spätestens 9.12.1927–Juli 1955: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | Juli 1955–heute: Städtisches Museum; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
→ Claude Monet, Waterloo Bridge, 1901, KK 1965/24 spätestens 4.3.1927–1963: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | 1963–heute: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
→ Alfred Sisley, Winterlandschaft, 1888(?), G 0994 spätestens 4.3.1927–1959: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | 1959–heute: Städtisches Museum, Wuppertal; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
→ Salvador Dalí, Das wahre Bild der Toteninsel Arnold Böcklins zur Stunde des Angelus, 1932, G 1049 1932: Galerie Flechtheim, Düsseldorf | 1932–1961: Eduard Freiherr von der Heydt (1882–1964), Ascona; als Leihgabe in der Nationalgalerie, Berlin, seit 1932 | 1961–heute: Von der Heydt-Museum, Wuppertal → Seite 5 / 5
→ Gustave Courbet, Die Schwester Juliette, ca. 1840, G 1160 [...]–[...]: Sammlung de Tastes-Courbet, Paris | [...]–[...]: Galerie Tanner, Zürich | spätestens 4.3.1927–1964: Eduard von der Heydt (1882–1964), Ascona | 1964–heute: Von der Heydt-Museum, Wuppertal
→ Sowie: Xaver Fuhr, Blumen am Fenster, um 1928/30, G 0835 spätestens 2.3.1933–1955: Eduard Freiherr von der Heydt (1882– 1964), Ascona | 1955–heute: Städtisches Museum; seit 1961: Von der Heydt-Museum, Wuppertal , TENDENZ Amédée Ozenfant, Weltall mit Himmelskörpern, 1927 (?), G 1346 spätestens 2.3.1933–1964: Eduard von der Heydt (1882–1964), Ascona [1] | 1964–heute: Von der HeydtMuseum, Wuppertal
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