Zum Inhalt springen

Historische Schätze zurück in der Bibliothek der Bergischen Universität

In der Restaurierungs­werkstatt des Landschaftsverbands Rheinland erfolgreich restauriert und digitalisiert

von Marylen Reschop
Historische Schätze zurück in der Bibliothek der Bergischen Universität
Schäden am Papier der Inkunabel von 1490. Größere Fehlstellen kommen in dem Exemplar glücklicherweise nur sehr selten vor. // 
Foto LVR-AFZ, Papierrestaurierung

Erfolgreich restauriert und digitalisiert:

Historische Schätze zurück in der Bibliothek
der Bergischen Universität
 
Besonders schützenswerte Literatur verwahrt die Bibliothek der Bergischen Universität Wuppertal in ihrem Rara-Magazin. Zwei Prunkstücke daraus sind nach mehrmonatiger Restaurierung nun wieder zurück auf dem Campus Grifflenberg, darunter auch das älteste Buch im Bibliotheksbestand: eine Inkunabel aus der Frühzeit des Buchdrucks, die 1490 in Lyon gedruckt wurde. Außerdem: ein Kartenwerk des berühmten Duisburger Kartographen Gerhard Mercator aus dem Jahr 1578. Wer Interesse hat, sich näher mit den beiden besonderen Bänden zu beschäftigen, kann problemlos digital darin blättern – möglich machen dies die hochwertigen und frei zugänglichen Komplettscans im Digitalisierungsportal der Universitätsbibliothek, in dem auch zahlreiche weitere Altbestandsexemplare in digitaler Form eingesehen werden können.
 
Schäden am Papier der Inkunabel von 1490. Größere Fehlstellen kommen in dem Exemplar glücklicherweise nur sehr selten vor. // Foto LVR-AFZ, Papierrestaurierung
In der über 500 Jahre alten Inkunabel, also einem frühen Druckerzeugnis aus der Anfangszeit des Buchdrucks, sind die Komödien des antiken römischen Autors Terenz mit dazuge­hörigen Kommentaren abgedruckt. Sie ist als einziges erhaltenes Exemplar dieser Auflage ein Unikat und stammt aus dem Nachlaß des Kölner Altphilo­logen Günther Jach­mann (1887-1979), den die Bergische Universität Mitte der 1980er Jahre übernommen hat.
„Bevor Jachmann die Inkunabel zu seinem fünfzigs­ten Geburtstag geschenkt bekam, wurde sie neu eingebunden. Das steht in einem auf Latein verfaßten Schenkungsvermerk im Rückdeckel“, berichtet Dietmar Kallwellis, Fachreferent der Uni-Bibliothek. Eben dieser Ledereinband – der also wesentlich jünger als das eigentliche Buch, aber stilistisch der früheren Zeit nachemp­funden ist – war Haupt­anlaß für die jetzige Restaurie­rung. „Der Einband war im Laufe der Jahrzehnte brüchig geworden und benötigte daher dringend eine professionelle Reparatur“, erklärt Kallwellis. Auch am originalen Buchblock aus dem 15. Jahr­hundert wurden bei dieser Gelegenheit Restaurierungs­maßnahmen wie beispielsweise Fehlstellen­ergän­zungen oder Falzverstärkungen vorgenommen.
 
Historische Schätze zurück in der Bibliothek der Bergischen Universität
Wie hier am Beispiel der ptolemäischen Weltkarte zu sehen, gab es im Exemplar des Mercator-Kartenwerks von 1578 diverse Papierschäden 
wie z. B. Verschmutzungen und Risse vor allem an den Kanten, Feuchteschäden oder sich lösende und verschobene Lagen. // Foto:
LVR-AFZ, Papierrestaurierung


Bei dem Kartenwerk Mercators von 1578 handelt es sich um ein besonderes Stück aus der histori­schen Schulbibliothek des Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums, die 2017 in Teilen als Dauerleihgabe an die Universitäts­bi­bliothek kam. Bereits zweimal konnte der Band in Ausstellungen der Univer­si­täts­­bibliothek bewundert werden.
So sehenswert der Inhalt mit seinen fast dreißig detailreichen Kupfer­stichkarten dreier Kontinente ist – auch hier war es vor allem der Einband, dem in früheren Jahrhunderten die häufige Benutzung und eine nicht immer schonende Lagerung stark zugesetzt hatten. Das bei diesem Exemplar als Deckelüberzug verwendete Pergament war über die Jahre materialtypisch ver­wellt und geschrumpft, zudem fleckig und rissig geworden. Auch hatten sich die doppelseitigen Karten teilweise aus der Bindung gelöst und wiesen alterungsbedingte Schäden auf. Eine gründliche Papierrestaurierung sowie Reinigung und Stabilisierung des Einbands konnten hier wirksame Abhilfe schaffen.

Der beiden wertvollen Bände nahm sich die Restaurierungs­werkstatt des Landschaftsverbands Rheinland in Pulheim-Brauweiler an, zusammen mit vier weiteren Altbestandsexemplaren aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
 

Digital durch alte Seiten blättern
 
Übersicht digitalisierte Altbestandssammlungen der Universitätsbibliothek: https://noah.nrw/ubwretro