Neu im Von der Heydt-Museum Wuppertal:
„Hydra“ von Torsten Slama
Neu im Von der Heydt-Museum Wuppertal:
„Hydra“ von Torsten Slama
Von Johannes Vesper
Der Renate und Eberhard Robke-Stiftung, gegründet 2005, verdankt das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zahlreiche bedeutende Werke der Gegenwartskunst. 2025 veröffentlichte der Kunst- und Museumsverein zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung ein Gesamtverzeichnis aller Kunstwerke, die mit Hilfe der Stiftung erworben wurden. Es handelte sich inzwischen um mehr als dreißig Werke.
Jetzt wurde aus dem Nachlaß des Künstlers Torsten Slama (1967-2023) im Nachgang zu der Ausstellung Carl Grossberg sachlich- magisch-visionär (bis 30. August 2026) das großformatige Ölgemälde mit dem Titel „Hydra. Hydrierwerk mit aufsteigender Überwachungseinheit“ von 2008 erworben. Die Kohlehydrierung wurde in den 20er Jahren zur Verflüssigung von Kohle entwickelt, um die Importabhängigkeit von Erdöl bei der Herstellung von Kraftstoff zu reduzieren. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden weltweit wieder Hydrierwerke gebaut. Das Gemälde zeigt zahlreiche senkrecht stehende graue Röhren oder auch Kessel auf grau betoniertem Bodensockel, der mit einer Natursteinmauer gleicher Farbe abgefangen wird. Vor der Anlage kreuzen zwei Eisenbahnschienen und ein breiter Zugang führt nach rechts hinten zu einer Treppe, die neben einem roten Schornstein auf den Sockel führt. Die ganze Anlage steht in leerer Landschaft unter strahlend blauem Himmel mit Schäfchenwolken. Über der Anlage schwebt senkrecht ein grauer, röhrenartiger, oben und unten spitz zulaufend Flugkörper, der am ehesten an eine Bombe denken läßt. Da kommt im Zusammenhang mit Technik und moderner Industrie alptraumartige Stimmung wie bei Grossberg auf, wobei aktuell bedrückende Themen wie Klimakollaps, Vermüllung der Welt inklusive der Ozeane, Übertourismus, Krieg usw. in seinem Werk nicht erscheinen. Die Neuerwerbung ist im Großen Ausstellungssaal des 2. Obergeschosses zu sehen, wo aktuell als Epilog Grossbergs künstlerische Wirkung und Ausstrahlung auf nachfolgende Künstler nachgegangen wird. Ein erneuter Gang durch die Grossbergsche Ausstellung erweitert diesen Aspekt, vor allem Slamas Ölgemälde „Rumpf-Familie“, welches sich auf Grossbergs Dampfkessel mit Fledermaus bezieht. Stilistisch enthält Slamas Werk Elemente der Pop Art, der Neuen Sachlichkeit, des Surrealismus. Der Bezug seines Werkes zu Carl Grossberg, rund zwei Generationen vor ihm fällt ins Auge.
Museumsdirektor Roland Mönig zeigte sich sehr dankbar für dieses Werk, welches „bestens in die Sammlung paßt“ und wies stolz darauf hin, daß einer der „spannendsten Maler seiner Generation schon jetzt“ zum Sammlungsbestand gehört. Zur Kommission der Stiftung für die Auswahl dieses Werkes gehören Dr. Ulrike Groos (Kunstmuseum Stuttgart), Dr. Joachim Schmidt-Hermesdorff (Brennscheidt-Stiftung), Dr. Roland Mönig, sowie als Vorstand Eberhard Robke und seine Tochter Bettina Robke- Bergmann, die beide bei der Übergabe anwesend waren.
Torsten Slama stammte aus Österreich, seine Familie zog ins Bergische Land nahe Köln und er studierte an der Kunstakademie zu Düsseldorf. Auf zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen der damals sehr lebendigen Kunstszene waren seine Werke zu sehen. 1998 erhielt er den ars viva-Preis der deutschen Wirtschaft, der mit Ausstellungen in Cottbus, Braunschweig und im Portikus zu Frankfurt, kuratiert von Kasper König, verbunden war. Nach Tätigkeit in Berlin und Brüssel arbeitete er seit 2012 wieder in Köln. Seine Werke fanden ihre Wege ins Museum of Modern Art in New York, in die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig und in internationale Privatsammlungen. 2009 gab es eine große Einzelausstellung in Houston, Texas (Contemporary Arts Museum).
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