Zum Inhalt springen

Grenzgänger der Moderne in Münster

Das Picasso Museum zeigt Arbeiten von Giacometti, Picasso, Masson und Dubuffet

von Andreas Rehnolt/Bec
Grenzgänger der Moderne in Münster 
© Hirmer Verlag
Grenzgänger der Moderne in Münster

Das Picasso Museum zeigt Arbeiten von Giacometti, 
Picasso, Masson und Dubuffet
 
„Giacometti, Picasso, Masson und Dubuffet - Grenzgänger der Pariser Moderne“ heißt die Ausstellung, die seit dem Wochenende im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster gezeigt wird. Zu sehen sind über 200 Werke der Pariser Moderne aus der Privatkollektion des Münchner Sammlers Helmut Klewan. Im persönlichen Kontakt des Sammlers mit zahlreichen Zeitgenossen der Pariser Kunstszene ist eine in ihrer Struktur und ihren Schwerpunkten einzigartige Sammlung entstanden, die die surrealistische Avantgarde der Zwischenkriegsjahre mit der Pariser Nachkriegsmoderne vereint, hieß es zum Auftakt der bis zum 25. Oktober terminierten Schau. 

Er sei dem Picasso-Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler begegnet, erzählt Klewan und habe ihm von seinen Plänen, auch Galerist zu werden berichtet. Darauf entgegnete ihm Kahnweiler, dann solle ich nur nie anfangen, selber zu sammeln, das wirke sich schlecht auf das Geschäft aus. Rückblickend betrachtet sei das der schlechteste Ratschlag, dem er jemals gefolgt sei. „Ich hätte noch viel, viel mehr sammeln sollen“, berichtet der ehemalige Kunsthändler Helmut Klewan über seine Anfänge als Galerist und Sammler. 
Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Galerist in München und Wien bildete seit den 1970er-Jahren, neben dem Einsatz für zeitgenössische Künstler wie Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Günter Brus und Dieter Roth, die Kunst der Pariser Moderne.  Als Leihgeber zahlreicher musealer Ausstellungen sowie als Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung der Schriften André Massons liegt Klewan seit vielen Jahren die Vermittlung der Kunst der französischen Moderne am Herzen. „Für jemanden, der mit einem schlechten Ratschlag begonnen hat zu sammeln, ist bei Klewan Grandioses und Außergewöhnliches zusammengekommen“, betonte Museumsleiter Markus Müller bei der Eröffnung der Ausstellung. 

Grenzgänger der Moderne in Münster
Katalog: Picasso

„Unser Hauspatron Pablo Picasso hat einmal unbescheiden gesagt: Gebt mir ein Museum und ich werde es füllen. Helmut Klewan kann da mit seiner Kollektion spielend mithalten. Diese Tatsache illustriert sehr anschaulich unsere neue Ausstellung aus seinen Beständen,“ so Müller weiter. In der nun eröffneten Schau treffen große Werkkonvolute von Alberto Giacometti, Pablo Picasso, André Masson und Jean Dubuffet auf ausgesuchte Werke bedeutender Surrealisten. Dabei beleuchtet die Schau das Schaffen von „Grenzgängern der Kunst der französischen Moderne, die die ästhetischen Konventionen ihrer Zeit sprengten“, so die Ausstellungsmacher.  
Von Giacometti werden über 70 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken präsentiert, die der Künstler in seinem kleinen Atelier in der Pariser Rue Hippolyte-Maindron in den Nachkriegsjahren schuf. Die Präsentation besticht durch intime Porträts von seiner Familie, Sammlern, sowie befreundeten Künstlern und Schriftstellern, die Giacomettis intensiven künstlerischen Schaffensprozeß beleuchten. Picasso ist mit rund 50 Zeichnungen und Radierungen vertreten, die über 30 Schaffensjahre umspannen. Von seinen Experimenten mit einem surrealistischen Formenvokabular in den 1930er-Jahren bis hin zu ausgewählten Werken aus seinen letzten großen Radierzyklen der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre vereinigt die Schau Höhepunkte seines grafischen Schaffens. 

Von André Masson sind 20 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen aus über 40 Schaffensjahren in der Ausstellung zu sehen. Von den sogenannten automatischen Zeichnungen mit denen Masson im Umfeld der Surrealisten in den 1920er-Jahren experimentierte bis hin zu den farbgewaltigen Gemälden seines Spätwerks veranschaulicht die Schau die stilistische Vielfalt des französischen Künstlers. Von Jean Dubuffet schließlich zeigt die Schau  über 40 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken, die in den Nachkriegsjahren entstanden sind. Beeinflußt von den Graffiti auf Pariser Häuserwänden, Kinderzeichnungen und den Kunstwerken psychisch Erkrankter erschuf Dubuffet eine singuläre und radikale Bildsprache, die bewußt mit traditionellen Vorstellungen von Schönheit brach und die vermeintlich „niedere Kunst“ zur Avantgarde erhob.

Grenzgänger der Moderne in Münster
Katalog: Giorgio de Chirico

Die Schau zeigt zudem Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien von Künstlerinnen und Künstlern wie Giorgio de Chirico, Max Ernst, Man Ray, Meret Oppenheim, Salvador Dali oder René Magritte, die eng mit dem Surrealismus verbunden waren. Anhand von Einzelwerken kann die Entwicklung surrealistischer Bildsprachen von der Gründung der Bewegung in den 1920er-Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein nachvollzogen werden.
Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein Katalog von 162 Seiten zum Preis von 50,- € erschienen.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Kunstmuseum Pablo Picasso Mnster - Telefon: 0251 - 4144713 - 48143 Münster - Picassoplatz 1