"K÷berle kommt"

Krimis mit Augenzwinkern

von Frank Becker
Krimis mit Augenzwinkern

Ach war das eine friedliche Zeit, als im Vorabendprogramm des deutschen Fernsehens noch gossensprachefreie Ermittler wie die biedere, jedoch fixe junge Kommissarin Annegret Herbig (Witta Pohl,
† 2011) und der in die Jahre gekommene Polizei-Archivar Eugen Köberle (Walter Schultheiß - bis vor kurzem gab der beliebte schwäbische Volksschauspieler u.a. regelmäßig den geizigen Hauswirt des Hauptkommissars Ernst Bienzle im Stuttgarter "Tatort") auf Ganoven-Jagd gingen. Auch die waren noch Ganoven und nicht samt und sonders durchgeknallte Irrsinnige, ohne die vor allem skandinavische Krimis heute offenbar kaum noch auskommen.

"Köberle kommt" hieß die
1983 ausgestrahlte, nur 12-teilige Mini-Serie, die Drehbücher der jeweils nur ca. 24 Minuten kurzen Filme hat überwiegend der schwäbische Autor Felix Huby geschrieben, der übrigens auch Autor der oben genannten erfolgreichen Bienzle-Krimis ist, die als Vorlage zur jüngst ausgelaufenen Stuttgarter "Tatort"- Reihe dienten. Dieser Eugen Köberle von der Stuttgarter Kriminalpolizei ist ein etwas kauzig gewordener Endfünfziger, der in häuslicher Gemeinschaft mit seiner ebenfalls nicht mehr taufrischen Schwester Gertrud (Trudel Wulle) lebt, als Hobbymaler dilettiert und aus welchen Gründen auch immer von Hauptkommissar Simon (Oscar Müller, † 2003) ins Archiv verbannt wurde, wo er bei Tee und Gebäck der jungen Kommissarin Tips zur Aufklärung ihrer Fälle gibt und sich - er ist eben ein alter Jagdhund - außerhalb seiner Kompetenzen in die Ermittlungen einmischt. Oft genug zum Besten des Falles, gelegentlich aber auch haarscharf an der Katastrophe vorbei, immer jedoch zum Ärger von Simon. Das ist harmlos unterhaltsam, sympathisch und ohne zuviel Gewalt durchweg jugendfrei gemacht.

Bekannte schwäbische und nationale Schauspieler sind in Neben- oder Gastrollen der Streifen zu sehen, was beim Anschauen der 28 Jahre alten Serie zusätzlich die Freude und das Aha! des Wiedererkennens mit sich bringt. Einige der heute dienstältesten "Tatort"-Kommissare sind u.a. dabei, wie Udo Wachtveitl (Franz Leitmayr, München) und Charles Brauer (Peter Brockmöller, Hamburg), Dietz-Werner Steck (Ernst Bienzle, Stuttgart) und Christoph Hofrichter, Gegenspieler von Walter Schultheiß in der Huby-Serie "Der König von Bärenbach". Das Label In-Akustik, das sich schon seit längerem um die Wiederauflage schwäbischer Fernseh-Serien verdient macht (u.a. "Schwäbische Geschichten", "Hennes und der Bürgermeister", "Der König von Bärenbach", "Die Chronik der Familie Nägele") hat alle Folgen von "Köberle kommt" jetzt in einer Kassette mit drei DVD zusammengefaßt. Am Rande: Walter Schultheiß und Trudel Wulle sind seit 61 Jahren glücklich verheiratet.

"Köberle kommt" - 12-teilige Krimiserie nach Drehbüchern von von Felix Huby,
Hans-Ludwig Enderle, Helmut Heinrichs, Gunther Scheuthle           
Regie: Dominik Graf und Hans-Jürgen Tögel
Ausstrahlung in der ARD von Juli-Oktober 1983
 
© 2011 In-Akustik

1. Die Zypressen von Avignon   24:20
2. Die Discofalle   24:22    
3. Nicht alle Blütenträume reifen   24:53
4. Fisimatenten   24:55
5. Bau schau wem   24:38 
6. Am Wein klebt Lüge   24:05      
7. Das Sousaphon   24:28
8. Fisch gestrichen   24:06
9. Eine Blume namens "Falsche Liebe"   23:59 
10. Genauso - bloß andersrum   24:48    
11. Einmal ist zweimal   24:19      
12. Tat ohne Täter   24:04  
 
Gesamtzeit ca. 4 Stunden und 50 Minuten
 
Besetzung:
Walter Schultheiss (Eugen Köberle) - Witta Pohl (Annegret Herbig) - Oscar Müller (Hauptkommissar Simon) - Anke Engelsmann (Corinna Grützke) - Alexander Gittinger (Norbert Ruder) - Trudel Wulle (Gertrud)
sowie als als Gäste u.a. Henry van Lyck, Volker Eckstein, Rober Naegele, Erika Wackernagel, Udo Wachtveitl, Charles Brauer, Thomas Reiner, Joachim Wichmann ("Büro, Büro"), Christoph Hofrichter, Guido Cagliardi, Dietz-Werner Steck, Horst Sachtleben u.a.m.
 
Weitere Informationen unter: www.in-akustik.de