Verlorene Liebesm├╝h┬┤

"Hoffmanns Welt" von Roland Baumgartner (Musik) und Rainer Lewandowski (Libretto) in Hof

von Alexander Hauer
Hof

Hoffmanns Welt
 
Zeitgenössische Opern sind eher das Stiefkind des Opern-Publikums. Am 4. März fand in Hof nun die Uraufführung von Roland Baumgartens zweiter Oper für Hof „Hoffmanns Welt“ vor fast ausverkauftem Hause statt. Schön, aber so voll wird’s wohl nie wieder werden.

Musik-Melange gegen jede Verständlichkeit

Rainer Lewandowski, Intendant des mitproduzierenden Theaters Bamberg, schrieb das Libretto, das Leben Hoffmanns, der seinem eigenen Werk entsprungen scheint. Roland Baumgarten „erfand“ die Musik dazu. Heraus kam eine Melange aus diversen Stilrichtungen bis hin zu kaum maskierten Zitaten, die sich aber nicht auf die Originalpartitur beziehen. Baumgarten, ein versierter Filmmusiker, so gehen einige „Tatorte“ auf sein musikalisches Konto, komponierte gegen die Textverständlichkeit und leider auch gegen die Sänger. Für die Verständlichkeit wären Übertitel sehr von Nöten gewesen, so blieb dem werten Opernbesucher nur die Möglichkeit, die Handlung über die Regie nachzuvollziehen.

Tapfere Sänger
 
Rudolf Rischer ersann ein kluges Bühnenbild, das die reale Welt als einen engen, klinisch weißen Raum darstellt, der sich mittels drehbarer Wände in eine glänzend klavierlackschwarze Wahnwelt umbauen läßt. Im Mittelpunkt steht ein Flügel wie aus dem Werk E.T.A. Hoffmanns, schräg, mit eingeknickten Beinen. Mit bedrohlichen Augen hinter einem Binokel windet sich Serpentina aus dem „Goldenen Topf“. Er symbolisiert den vergeblichen Versuch Hoffmanns, sich als Künstler zu


etablieren, genauso wie er für den Haushalt der Hoffmanns steht. Barbara Schwarzenberger zeichnete das Kostümbild. Für die reale Welt zeitgenössische Empiremode, für die Phantasmen fand sie Märchenhaftes, das oft die dämonischen Züge seiner Träger unterstrich. So geriet das einfache Bäuerinnenkleid des Apfelweibs (Marianne Lang mit bedrohlichem Mezzo) zu einem veritablen Hexenoutfit. Der Gegenspieler Lindhorst (Jürgen Schultz, ein atlantischer Salamander, der zum Leben in Dresden verdammt ist) erschien im Lurchi-Look. Chong Sun kämpft tapfer gegen die Partitur als Coppola, unterstütz von Aki Yamamura als Olimpia. Thilo Andersson singt mit tenoraler Kraft Hoffmanns alter ego, den Musikmeister Kreisler. Dessen liebenswert spießig-philosophierender Kater Murr wird von Stefanie Rhaue gesungen und gespielt. Aus den Elixieren des Teufels gibt Karsten Schröter als Medardus ein Gastspiel, Thomas Rettensteiner reklamiert mit ungebrochener baritonaler Kraft gefühlte tausendmal, daß er der Ritter Gluck sei. Bei den realen Personen tritt Karsten Jesgarz als Napoleon und Hoffmanns Hausarzt auf, Ingrid Katzengruber interpretiert Michalina Rorer-Trzcinska, Hoffmanns Gattin, mit dramatischem Sopran, seine unerreichbare Geliebte Julia Mark wird von Inga Lisa Stehr mit zarten Lyrismen bedacht. Marc Horus verkörpert, nein fast scheint es er lebt die Titelfigur. Mit angenehmem Tenor, kraftvoll und flexibel, zeichnet er seinen Hoffmann, als einen, der langsam in den Wahn hinübergleitet.

Weise Regie
 
Hausherr Uwe Drechsel führt sein Personal weise durch die Oper. Ihm allein ist zu verdanken, daß auch der unbedarfte Besucher der Handlung folgen konnte. Auch räumte er der Komik genügenden Raum ein, so in der kleinen Szene im Bamberger Theater mit Florian Bänsch als Theaterpedell in gewöhnungsbedürftiger fränkischer „Freundlichkeit“.
Der Chor sang und spielte, darunter viele Solostellen, auf gewohnt hohem Niveau unter der Leitung von Michel Roberge. Der junge erste Kapellmeister Lorenz C. Aichner führte die Hofer Symphoniker selbstsicher und gekonnt durch die komplizierte und an Brüchen reiche Partitur, die den Sängern keinen Anhaltspunkt gab.


Angereiste Claque

Der Abend endete mit freundlichem und verdientem Applaus für Musiker, Sänger, Ausstattung und Regie. Baumgarten selbst ließ sich durch die eigens angereiste Claque bejubeln.
 
 
Fotos © SFF Fotodesign Hof
Weitere Informationen unter: www.theater-hof.de
 
Redaktion: Frank Becker