Dr. Erika Fuchs (1906-2005)

Zum Gedenken an die geniale Barks-├ťbersetzerin

Red. (aus Duckipedia)

Gedenkplakette der D.O.N.A.L.D. am ehemaligen Wohnhaus der Familie Fuchs - © Duckipedia / D.O.N.A.L.D.

Vor fünf Jahren, am 22. April 2005 starb in München Dr. Erika Fuchs

Die geniale Übersetzerin vor allem der Werke von Carl Barks wurde 98 Jahre alt.
Zu Ihrem Gedenken veröffentlichen wir heute noch einmal sämtliche bisher in den Musenblättern erschienenen Artikel, die Ihre Arbeit würdigen.
Zudem stellen wir Ihnen hier einen biographischen Artikel auch "Duckipedia" vor.
Dieser Artikel wurde redaktionell gekürzt, ist aber unter www.duckipedia.de/ 
 inkl. Illustrationen vollständig zu lesen

Dr. Erika Fuchs (* 7. Dezember 1906 in Rostock; † 22. April 2005 in München) war die wichtigste deutsche Comic-Übersetzerin und 1951 erste Chefredakteurin des Egmont Ehapa Verlages. Durch ihre über vierzigjährige Tätigkeit zählen die von Fuchs verfaßten Texte zu den meistgelesenen im deutschsprachigen Raum. In ihrem langen Leben wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2001 mit dem Heimito-von-Doderer-Preis, für ihren Beitrag zur Entwicklung der Deutschen Sprache.
Ihr ist auch die weite Verbreitung des Inflektivs ("Erikativ") zu verdanken. Erika Fuchs war eine der Ersten, die diese Wortform verwendeten, um einen lautmalerischen Effekt zu erzeugen. Neben dem Inflektiv gingen auch einige von ihren Textstellen in den allgemeinen Sprachgebrauch über, wie der bekannte Spruch "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör", den sie 1958 für die Veröffentlichung einer Geschichte schrieb.
Besondere Bekanntheit erreichten ihre Übersetzungen zu den Carl Barks-Geschichten, an denen sie teilweise bis in die neunziger Jahre feilte, um zu jeder Barks-Story einen Fuchsschen Text liefern zu können.
 
Biographie
 
Erika Fuchs wurde am 7. Dezember 1906 als Erika Petri in Rostock geboren.
 
Schul- und Studienzeit
Schon in Rostock war Erika Fuchs zur Schule gegangen, sie war wesentlich früher eingeschult worden, als es heute der Fall ist. Sie war keine vier, als sie das erste mal auf der Schulbank saß. Fuchs wurde 1922 die erste weibliche Gymnasiastin in der Geschichte der Stadt Belgard und schaffte es im Jahr 1926 das Abitur zu bestehen. Um allerdings ihrem angestrebten Studium nachgehen zu können, mußte sie nicht nur Belgard, sondern gleich ganz Norddeutschland verlassen.
 
Als Hauptfach wählte Erika Fuchs Kunstgeschichte, dazu noch Archäologie und Mittelalterliche Geschichte. Die Krönung ihres Engagements war 1935 die Promotion mit einer ausführlich recherchierten Arbeit über den deutschen Barock-Bildhauer Johann Michael Feichtmayer (1709-1772) summa cum laude. Der genaue Titel lautete "Johann Michael Feichtmayr: Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Rokoko".
 
Vor und nach dem Dritten Reich
Nach dem erfolgreichen Abschluß ihres Studiums fand sie auch privat endgültig ihr Glück, als sie 1932 Günter Fuchs heiratete, den sie schon während des Studiums kennengelernt hatte. Der Heizungsfabrikant verdiente zudem Geld als Erfinder, ob er dadurch Erika Fuchs ein Vorbild für Daniel Düsentrieb war, ist aber nicht bekannt. Lediglich bei Düsentriebschen Gerätschaften, die einer realistisch-technischen Umschreibung bedurften, half Erika Fuchs ihr Mann. Nach dem Zweiten Weltkrieg litt die Familie Fuchs unter Geldmangel, da Günter Fuchs genau damit nur schlecht umgehen konnte. Nachdem im September 1948 die erste deutsche Ausgabe von Reader's Digest erschien, suchte der zuständige Verlag Übersetzer für die schwierigen Artikel. Erika Fuchs bewarb sich beim Stuttgarter Verlag "Das Beste" als freie Übersetzerin. Neben Reader's Digest übersetzte sie daher auch für andere US-amerikanische Magazine. Als die Textquelle endgültig versiegte, reiste Erika Fuchs selbst nach Stuttgart. Sie berichtete von ihren Aktivitäten in der Schwarzenbacher Elternvereinigung, was die Wende brachte. Sie wurde für die richtige Person für die Übersetzung von kindertauglichen Texten gehalten und bekam erneut Arbeit. So schaffte sie auch den Sprung zur Chefredakteurin des 1951 von der Gutenberghus-Gruppe (heute "Egmont") gegründeten Ehapa-Verlags, der seinen Sitz zu dieser Zeit ebenfalls in Stuttgart hatte.
 
Tätigkeit bei Ehapa
 Der kleine Zweig des dänischen Mutterkonzerns hatte 1951 lediglich drei Mitarbeiter, die Aufgabe der kleinen Gruppe bestand jedoch auch "nur" darin, allmonatlich eine Ausgabe des Micky Maus Hefts zu veröffentlichen und Werbung dafür zu machen. Einer der drei Angestellten war Adolf Kabatek, der den Ehapa-Verlag später bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand als Geschäftsführer leiten sollte. Zu Beginn war Erika Fuchs von dem neuen Medium "Comic" wenig angetan. Im September 1951 konnte die erste Ausgabe des Micky Maus Magazins erscheinen. Der Erfolg war so groß, daß in den kommenden Jahren rasch von einem monatlichen auf wöchentliches Erscheinen umgestellt wurde. Erika Fuchs übersetzte die Texte bis 1972 alleine. Da sie aber auch schon in dieser Zeit Schwierigkeiten mit dem Sehen hatte, mußte sie nach und nach die Themengebiete abgeben. Ihre Aufmerksamkeit lag anschließend nur noch bei dem Micky Maus Magazin, später beschränkte sie sich auf die Donald-Duck-Auftaktgeschichten (meist zehnseitig) und Fortsetzungs-Erzählungen. Auch hatte Erika Fuchs zu Beginn ihrer Arbeit dem Ehapa-Verlag Einfluß beim Inhalt, was allerdings mit einsetzendem Erfolg vom Mutterunternehmen Gutenberghus kontrolliert wurde. Trotz ihres anfänglichen Zweifels über den Sinn solcher Comics entwickelte sich das Übersetzen zu einer Leidenschaft, die soweit ging, daß sie in den Sechzigerjahren viele Geschichten von Carl Barks für eine erneute Veröffentlichung noch einmal grundlegend überarbeitet. Eben diese Barks-Comics begeisterten sie auch künstlerisch, wie sie später sagt.
 
Letzte Jahre
Erst 1988, mit fast 82, übergab sie ihren Posten als Chefin des Micky Maus Magazins an Dorit Kinkel. Mit ihr schied auch Adolf Kabatek, ihr Wegbegleiter beim Ehapa-Verlag, als Geschäftsführer aus. Erika Fuchs übersetzte Mitte der Neunziger noch einige Carl Barks-Geschichten, die noch nicht bzw. nur teilweise in Deutschland erschienen waren oder auf Übersetzungen anderer beruhten.
Als Erika Fuchs am 22. April 2005 im hohen Alter von 98 Jahren starb, saß der Schock bei den deutschen Fans tief - erst am Tag zuvor war der Tod des wichtigsten italienischen Zeichners, Romano Scarpa bekannt geworden. Er starb nach Erika Fuchs, von deren Tod ihre Familie nicht sofort die Öffentlichkeit unterricht hatte, da man wohl einen zu großen Presserummel vermeiden wollte. Die große Anteilnahme der Öffentlichkeit zeigte sich in zahlreichen Nachrufen. Erika Fuchs hatte bis zu letzt in München gelebt. In einem Nachruf schrieb ihr ehemaliger Verlag: "Mit Erika Fuchs trauert der Verlag um die Grande Dame des Comics, die sprachliche Wegbegleiterin ganzer Generationen, die in Entenhausen gleichermaßen beheimatet war, wie in internationaler Literatur und im deutschen Kulturgut [...]".
 
Inflektiv ("Erikativ")
 
Neben Fuchsschen Zitaten ist vor allem eine weitere Sprach- und Übersetzungsangewohnheit dank der gebürtigen Rostockerin in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen. Dabei handelt es sich um den bereits erwähnten  Inflektiv, der besser unter dem Spitznamen "Erikativ" bekannt ist. Erfunden wurden die Inflektive nicht von Erika Fuchs, sie wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert von Deutsch-englischen-Übersetzern eingeführt; von wem genau ist aber nicht bekannt. Die Idee des Inflektives ist von den englischen Infinitiven abgeleitet. Dabei werden im Deutschen die Wortendungen weggelassen ("seufz" anstatt seufzen). Bekannt und einer breiteren Masse zugänglich gemacht wurde der neue Wortstamm aber ausschließlich durch Erika Fuchs, die die Inflektive von Anfang an in ihren Disney-Übersetzungen benutzte, um sie zu perfektionieren und den lautmalerischen Charakter der Verben hervorzuheben. Mit einem so großen Erfolg hatte sie aber nicht gerechnet. Heute gehören sie zu quasi jedem Comic, der in deutscher Sprache erscheint. Unter anderem auch für diese Leistung wurde Erika Fuchs ausgezeichnet, wie im Abschnitt ("Ehrungen") zu lesen ist. Einige der bekanntesten in Disney-Comics verwendeten Inflektive sind zum Beispiel "ächz" (ächzen), "grummel" (grummeln) oder "schluck" (schlucken).
 
Äußerungen von Erika Fuchs
 “Ich lese freiwillig keine Comics. Wenn ich lese, will ich keine Bilder sehen. Trotzdem: Die Zeichnungen von Carl Barks sind Kunstwerke.“ (Aus einem Interview von 1996)
“Donald Duck. Er ist ein negativer Held, der viel anfängt, dem aber nichts gelingt, weil er einfach zu phantasievoll ist und nach anfänglichem Erfolg scheitert.“ (Auf die Frage nach ihrem Lieblings-Disney-Charakter, Quelle siehe oben)
“Was er real und vernünftig macht, verwurschtle ich wieder, damit es ein bisschen verrückt wird.“ (Bezieht sich auf die technische Fachkenntnis ihres Mannes Günter Fuchs, den sie bei technischen Dingen um Rat fragte.)
 
Stimmen zu Fuchs
Carl Barks: „O ja, ich habe sie getroffen, und war sehr beeindruckt, sie ist eine so distinguierte Person. Sie wird zwar alt jetzt, aber sie ist sehr hell hier oben (deutet zum Kopf). Sie ist eine Zierde dieses Geschäfts.“ ¹
Peter Höpfner: „Frau Fuchs hat selbst gesagt, sie wolle diese Leute und ihre Ideologie verhohnepiepeln", bezüglich Fuchs'scher Anspielungen auf den Nationalsozialismus in Comics.
 
Zitate ihrer Übersetzungsarbeit
 
Die Übersetzungsarbeit von Dr. Erika Fuchs brachte Zitate hervor, die teilweise ins Allgemeingut übergegangen sind und damit einen Status erreicht haben, wie nur wenige literarische Sätze der Neuzeit. Der mit Sicherheit bekannteste Spruch lautet „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“, aus dem Barkscomic „Inventor Of Anything“, der in Deutschland erstmals im Micky Maus Heft 48 von 1958, knapp zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung in den USA erschienen ist. Allgemein bekannt war Erika Fuchs für den literarischen Hintergrund ihrer Übersetzungen, die Anspielungen auf Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller, Wilhelm Busch und andere bekannte Schriftsteller enthielten. Selbst „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ ist „nur“ abgeleitet, ursprünglich wurde der Satz vom Schriftsteller Heinrich Seidel (1842-1906) in seinem „Ingenieurlied“ als „Dem Ingenieur ist nichts zu schwere [...]“ verwendet. Bei Barks selber gab es quasi keine Anspielungen, sieht man von sehr direkten wie der Geschichte „The Village Blacksmith“ (1960, dt.: „Der wackere Dorfschmied“), die sich auf das gleichnamige Gedicht von Henry Wadsworths bezieht.
 
“Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.“ (Tick, Trick und Track)
"Dem Ingeniör ist nichts zu schwör." (Daniel Düsentrieb)
"Was starrst du mich an, o Ungeheuer? Zuckt schon der Mörderdolch in deiner Hand?" (Donald Duck)
"Vielleicht, wenn ich mich hier hinsetze und auf die Sumpfhühner starre, die im Sumpf rumsumpfen, vermeide ich allen Ärger." (Donald Duck)
"Leichtfertig ist die Jugend mit dem Wort und bar jeden Sinnes für geschäftliche Dinge!" (Dagobert Duck)
"Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut!" (Donald Duck)
"Und lieg' ich dereinst auf der Bahre - So denkt an meine Guitahre - Und gebt sie mir mit in mein Grab." (Donald Duck)
"Ach, Geld! Es ist mir ein Hochgenuß, wie ein Seehund hineinzuspringen und wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu schmeißen, daß es mir auf die Glatze prasselt!" (Dagobert Duck)
"Mir kreist der Hut! Mein Gehirn käst! Meins ist völlig verdunstet!" (Tick, Trick und Track)
Weitere Zitate, zusammengestellt, mit Bildern und Quellen findet man hier. (Dies ist keine Seite von duckipedia.de und steht nicht in Verbindung mit ihr.)
 
Literatur über Erika Fuchs
Das Erika Fuchs Buch
1996 wurde Das Erika Fuchs Buch veröffentlicht (vollständiger Titel: Das Erika Fuchs Buch. Disneys deutsche Übersetzerin von Donald Duck und Micky Maus: Ein modernes Mosaik., ISBN 3929746107, ab dem 1. Januar 2007 978-3-929746-10-5). Der Autor ist Klaus Bohn, der das umfassend illustrierte Buch unter schriftstellerischer Mithilfe seiner Schwester Monika verfasste. Die zahlreichen Bilder stammen vornehmlich aus dem Privatbesitz der Familie Fuchs. Das Buch hat 189 Seiten und ist bei Dreidreizehn erschienen, mittlerweile aber vergriffen.
 
Weblinks
 
Quellen
¹ – das Zitat stammt aus einem Interview mit Carl Barks aus dem Jahre 1994. Das Interview ist © Harald Havas und hier zu finden. Eine englische Original-Version des Barks-Zitats liegt nicht vor.
² – Quelle: Comicforum, Aussage von Joachim Stahl aus dem Jahr 2006. Das Zitat, mit allen Bezügen darauf, findet sich hier

Quelle: www.duckipedia.de
Weitere Informationen unter: www.donald.org

Redaktionelle Bearbeitung: Frank Becker, M.d.D.