Von Menschen und Wasserwesen

"Rusalka" in Chemnitz

von Alexander Hauer
Oper der Stadt Chemnitz 

Rusalka
 

Musikalische Leitung
: Domonkos Héja - Inszenierung: Dominik Wilgenbus - Inszenierung der Puppenszenen: Manfred Blank - Bühne: Udo Vollmer - Kostüme: Andrea Fisser - Chöre: Mary Adelyn Kauffman

Besetzung: Hugo Mallet (Prinz) - Judith Kuhn (Rusalka) - Kouta Räsänen (Wassermann) - Undine Dreißig (Fremde Fürstin / Hexe) - Andreas Kindschuh (Jäger / Förster) - Susanne Thielemann (Küchenjunge / 1. Elfe) - Tina Pulst (2. Elfe) - Kathleen Glose (3. Elfe) - Puppenspieler: Alexandra Blank, Claudia Friedemann, Michael Schmidt, Moritz Trauzettel


Beklemmende Szenerie

Es ist ein sehr poetisches Stück, die Geschichte der unerfüllten Liebe der Nixe Rusalka und ihres flatterhaften Prinzen. In jedem Kulturkreis kommt sie vor, sogar Bearbeitungen durch den Disneykonzern hält sie stand. Folgerichtig trieb man den Poesiegedanken in Chemnitz auf die Spitze. Gemeinsam mit Manfred Blank vom Chemnitzer Puppentheater schuf Dominik Wilgenbus jene fantastische Welt der Naturgeister und Hexen. Im Bühnenbild von Udo Vollmer agieren die Darsteller vom Elfen, Nixe, Wassermann und Hexe zusammen mit je einem Puppenspieler. Im Gegensatz dazu erscheint die reale Welt um den Prinzen geradezu unmenschlich. Der Hofstaat des Prinzen, mutierte kahlköpfige Gestalten, scheinbar alle aus einer Zelle geklont, die Besucher der Hochzeitsgesellschaft, internationale Trachten (Kostüme von Andrea Fisser), aufs Wesentliche  reduziert, alle in sterilem Weiß, bevölkern die Bühne. Hauptdekoration ist ein kreisrundes blaues Becken, in Rusalkas Welt der Waldsee, in der Welt des Prinzen ein cooler Pool.
 
Überzeugend: Hexe und Wassermann
 
Dominik Wilgenbus besetzt die Hexe JeĹžibaba und die Fürstin mit einer Sängerin. In Wilgenbus’ Deutung ist diese Doppelung notwendig. Die Hexe ist der böse Gegenpart zu Rusalka. Genau wie die Nixe will auch die Hexe unter Menschen leben, und nur durch die Verwandlung Rusalkas erhält die Hexe die Macht, um in der Welt der Menschen ihr zerstörerisches Werk fort zu setzen.
Unter der Leitung von Domonkos Héja spielt die Robert-Schumann-Philharmonie auf dem in Chemnitz üblichen hohen Niveau. Judith Kuhn gab die Rusalka angenehm, jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Ihr Prinz, Hugo Mallet, hatte da in seiner Rolleninterpretation deutlich größere Probleme. Seine fast wagnerhafte Deklamation diente zwar deutlicher Textverständlichkeit, ließ aber über weite Strecken sanfte Lyrik vermissen. Undine Dreißig gestaltete ihre Doppelrolle Hexe/Fürstin szenisch und musikalisch mit gespenstischer Präzision. 
Susanne Thielemann und Andreas Kindschuh setzten humoristische Glanzpunkte als Förster und Küchenjunge. Trotz körperlicher Herausforderungen blieben beide dem sängerischen Anspruch nichts schuldig. Der Wassermann Kouta Räsänen hinterließ am Premierenabend den stärksten Eindruck. Sein sauber geführter Baß läßt keine Wünsche offen. Zusammen mit Susanne Thielemann waren Tina Puls und Kathleen Glose ein gut gestimmtes Elfentrio.
 
Allianz von Menschen und Puppen

Wigenbus’ Rusalka ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Poesie und Brutalität, Humor und Tragik liegen in Dvoraks Märchen nahe beieinander, können ohne das andere nicht existieren. Domonkos Héja läßt angenehm Böhmisches aufspielen, die Sänger sind von großer Spielfreude, der Chor (Mary Adelyn Kauffmann) überdurchschnittlich, Kostüme und Bühne ergänzen die Regie, die Regie ordnet sich der Dramaturgie in Kostüm und Bühne unter. Menschen und Puppen gehen eine Allianz ein. Claudia Friedemann, Michael Schmitt, Alexandra Blank und Moritz Trauzettel erspielen sich mit ihren Puppen von Katja Byhan-Radewagen, Karin Jentzsch und Michael Schmitt eine eigene (Bühnen-)Welt. Am Ende, wenn der Prinz schon tot ist und Rusalka sich in der Unendlichkeit des Weltalls verliert (was für ein Bild!), ist endgültig Taschentuchalarm. Selbst der härtest gesottene Opernbesucher muß ob der Bilderopulenz der letzten Minuten schlucken. Nicht verpassen.

Weitere Informationen unter: www.theater-chemnitz.de

Redaktion: Frank Becker