Deix ist gemein!

"Der goldene Deix"

von Frank Becker
© Ueberreuter
Deix ist gemein
(...und das macht ihn so beliebt)


Dieses Buch ist nur in kleinen Dosen zu genießen. Zu wahr sind die alltäglichen Beobachtungen des Manfred Deix, zu gemein seine liebevoll im grausamen Detail ausgeführten Bilder, zu hinterhältig sein herrlich bösartiger Humor -  das hält der weichgespülte Normalbürger ja kaum mehr als ein paar Seiten pro Tag aus - wenn überhaupt. Mit "Der goldene Deix" legt der mutige Ueberreuter Verlag nun eine mehr als 2 Kilogramm schwere Überdosis Deix vor, die besonders Katholiken, Patrioten, Rauchern, Päderasten, Islamisten, Neonazis, Gepiercten, Tätowierten, Bodybuildern, Beamten und anderen Randgruppen zur Lektüre empfohlen oder um den Hals gehängt werden sollte. 

Seit knapp 50 Jahren zeichnet der St. Pöltener mit dem sezierenden Blick, spätestens seit seinen ersten Titelblättern 1978 für Illustrierte, Satiremagazine und Männermagazine und seinem ersten Buch "Cartoons von Manfred Deix" 1980 begann die österreichische Nation sich zu spalten. Die Lager pro und contra Deix sind derweil so weit auseinandergedriftet, daß man von einer meinungsbildenden Kontinentalverschiebung zwischen Haß und Liebe sprechen kann. Wie seine Kollegen Gerhard Haderer und Gottfried Helnwein hat Manfred Deix mit dem Zeichenstift das gesellschaftkritische Vermächtnis österreichischer Literaten wie Karl Kraus, Helmut Qualtinger oder Carl Merz aufgenommen - halt nur noch ein wenig harscher. Mag auch das Verständnis spezifischer
Konflikte der österreichischen Politik und Kultur und der daraus resultierenden nationalen Satiren der Intelligenzia der knapp achteinhalb Millionen Bewohner der Alpenrepublik vorbehalten sein, sind doch in der überwiegenden Mehrzahl Deix´ Schüsse gegen Zeiterscheinungen allgemeingültig und dürften sogar über den deutschen Spachraum hinaus verstanden werden können. Was neben der Verlagslandschaft auch der Flaggenindustrie zugute kommen könnte, wenn mal wieder irgendwo im Orient rot-weiß-rote Fahnen angezündet werden.

Aber es genügt ja schon, im eigenen Land mit Teeren und Federn bedroht zu sein. Von Elfriede

© Manfred Deix/Ueberreuter
Jelinek, Homos und Heteros, DJ Ötzi, Bären-Freunden, Hermann Nitsch-Verehrern, Jörg Haider-Epigonen, dem Vatikan und anderen Trachtenvereinen wollen wir gar nicht erst anfangen, wenn uns die auch auf Schritt und Tritt in diesem prächtigen (tatsächlich goldenen) Wälzer begegnen. Sollte der deutsche Leser all die angeprangerten Perversionen, Skandale, Lächerlichkeiten und aufgedeckten Lügen auf die Verhältnisse seiner Republik hochrechnen und von Deix zeichnerich aufarbeiten lassen, käme eine monumentale Nestbeschmutzung von fast 3300 Seiten dabei heraus. Aber was heißt schon "Nestbeschmutzung"? Manfred Deix tut nur, was andere sich nicht trauen: er lüpft den schützenden Vorhang, hinter dem sich eine fröhliche Friede-Freude-Eierkuchen-Gesellschaft, die korrupte Politik, eine skrupellose Wirtschaft und der nachgerade pervertierte Kunstbetrieb zu verstecken suchen, um ungestört weiter den unanständigen Geschäften nachgehen zu können.

Um mal ganz ehrlich zu sein: ich habe natürlich meine Tagesdosis maßlos erhöht...

"Der goldene Deix" - Manfred Deix, Arbeiten 2000-2008, 2009 Ueberreuter Verlag,
24,0 x 31,5 cm, gebunden, 336 Seiten - 340 farbige Abbildungen,  29,95  € - 49,90 sfr, ISBN: 978-3-8000-7411-2

Weitere Informationen unter: 
www.ueberreuter.at