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"All you need is dance" Ein Ballettabend von Ricardo Fernando im St├Ądtebundtheater Hof

von Alexander Hauer
All you need is dance

Ballettabend von Ricardo Fernando

Städtebundtheater Hof  
 

Ich bin kein Ballettomane, aber ich würde auf diesen Abend nicht mehr verzichten wollen. Die Hofer Truppe unter Barbara Buser zeigte an diesem Abend wieder einmal, daß sie mehr sind als die pikante Zugabe in der Operette und dem Musical. Gastchoreograph Ricardo Fernando bewies zum
 
Foto © SFF Fotodesign Harald Dietz
zweiten Mal sein Können in Hof.  Sein Ballettabend gerät zur politischen Aussage, zur Anklage gegen die üblichen Sparmaßnahmen in der Theaterlandschaft Deutschlands. Ballett auf diesem Niveau darf nicht eingespart werden, es ist und bleibt ein wichtiger Teil der kulturellen Landschaft, auf die wir im allgemeinen und unsere Volksvertreter im besonderen doch immer so stolz sind.
 
"Hits" aus 300 Jahren

Doch zurück zum Wesentlichen, die Musikauswahl scheint auf den ersten Blick willkürlich, gerät aber dann doch zur tanzbaren Hitparade aus drei Jahrhunderten.
Der Abend beginnt mit Bachs „Magnificat“ (BWV 243). Im Hintergrund eine Projektion einer Kirchenrosette, auf dem Boden liegt das Ensemble quasi als Reflektion strahlenförmig im Kreis. Protestantischer Barock vertanzt von einem südamerikanischen Katholiken. Daß diese Choreographie nicht zu einer rituellen Handlung verkommt, liegt am Können der Truppe und der interessanten Choreographie der vielen Gruppen und Solotänzen. Die zweite Choreographie des Abends, Samuel Barbers „Adagio for strings“, ist ein mustergültiger Pas de deux von Eriko Koshida und Leszek Januszewski. In die Pause wurde man mit „comic relief“ geschickt. Die Parade der Beatleshits bildete den Rahmen für eine 60er Jahre Revue mit ausgelassenen Tänzen, verrückten Klamotten und einem gelben Unterseeboot. Nach den beiden hochkonzentrierten ersten beiden

Foto © SFF Fotodesign Harald Dietz
Teilen eine Erleichterung für den Zuschauer.
Nach der Pause ging es auf gleichbleibenden hohen Niveau weiter. „Offering“ von Phillip Glass und Ravi Shankar. Eine bittersüße Liebesgeschichte zu zeitgenössischer Musik. Sandra Ebersberger und Mariusz Czochrowski interpretierten den interkulturellen musikalischen Minimalismus perfekt.

Robert Kulanin phänomenal

Eine tänzerische Höchstleistung ist Robert Kulanins Solo zu Händels „Lascia ch’io pianga“. Jedem ist die Arie aus „Rinaldo“ geläufig, der optische Eindruck dazu ist phänomenal.
Bis hierhin dachte man, es kann sich eher nicht steigern, aber dann: Ravels „Bolero“, das einzige Musikstück, das auch als Ballett konzipiert wurde. Üblicherweise als höchst erotischer Schreit- und Stampftanz konzipiert, wird der Bolero bei Fernando zu einer Bestandaufnahme des Lebens in der heutigen Zeit. Sechs Würfel bilden die Kulisse. Assoziationen  an Hochhäuser werden geweckt. Zu dem steigernd fordernden Rhythmus werden sie in wechselnder Besetzung belebt, bis hin zur räumlichen Überfüllung.

Foto © SFF Fotodesign Harald Dietz
Neben dem Lob der tänzerischen Leistungen muß aber auch noch bemerkt werden, daß die Musik (bis auf die Beatlesongs) live gespielt wurde.

Einheit Musik/Tanz

Unter Michael Roberges Leitung zeigten die Hofer Symphoniker ihr Können. Das „Magnificat“ wurde vom Opernchor und Extrachor des Theater Hof und den Solisten Monika Hügel und Stephanie Rhaue in den beiden Sopranpartien, Chong Sun in der Tenorpartie und Karsten Schröter als Bass interpretiert. Eine Überraschung war Thilo Andersson in der Partie des Altus. Sein sonst angenehm baritonaler Tenor nahm eine neue Herausforderung an, die er auch glanzvoll bestand. Stephanie Rhaues Händelinterpretation ließ den Wunsch aufkommen, barocke Oper im Hofer Theater zu hören.
 
Wie bereits anfänglich bemerkt, ich bin kein Ballettomane, aber nach so einem sensationellen Abend könnte man zu einem werden.
 

Die nächsten Vorstellungen: 14.02.2009, 15.02.2009, 20.02.2009, 21.02.09

Weitere Informationen unter: www.theater-hof.de   

Redaktion: Frank Becker