Geografisch-historisches Reallexikon zu Johnsons Werk und literarischer Reisef├╝hrer zu Mecklenburger Landschaften und Orten

Peter N├Âldechen - "Neues Bilderbuch von Uwe Johnsons Jerichow und Umgebung"

von Friederike Hagemeyer
Ein „Findebuch“ für Uwe Johnsons Mecklenburg
 
Eine „Vorliebe für das Konkrete ..., eine geradezu parteiische Aufmerksamkeit für das, was man vorzeigen, nachweisen, erzählen kann“; (Begleitumstände, Frankfurt, M. 1980, S. 23) so charakterisiert Johnson selbst seine Arbeitsweise.
Peter Nöldechen nimmt Uwe Johnson beim Wort und macht sich auf die Suche nach den „fiktiven Realitäten“ in Johnsons Werk. Was Akribie und Präzision angeht, steht Nöldechen dabei seinem Vorbild in nichts nach. Er identifiziert und recherchiert die Geschichte von Landschaften, Orten, Straßen und Gebäuden in Johnsons Jerichow und Umgebung, dem Klützer Winkel, Boltenhagen Grevesmühlen und Güstrow, bis in unsere Tage. Und er bewahrt so (unbeabsichtigt?) ein Stück DDR-Geschichte dieses abgelegenen Mecklenburger Landstrichs. Wer denkt heute beim Spaziergang durch die seit dem G8-Gipfel von 2007 mit hohem Stahlzaun abgesperrten weißen Prachtbauten von Heiligendamm wohl noch daran, daß die Logierhäuser an der Seepromenade vor nicht allzu langer Zeit Namen wie „Rosa Luxemburg“, „Maxim Gorki“ oder „Fritz Reuter“ trugen und als Erholungsheime für die werktätige Bevölkerung der DDR dienten? Beispielhaft spiegeln die Namen einer Güstrower Straße das jeweilige politische System: der Pferdemarkt wird zur Adolf-Hitler-Straße, diese zur Straße des Friedens, die heute wieder Pferdemarkt heißt. Das „Prachtstück“ in Johnsons Gneez, das „Hotel Erbherzog“, wird als das „Hotel Stadt Güstrow“ identifiziert, das der Roten Armee nach der Besetzung tatsächlich als „Dom Offizierow“ diente und noch lange nach dem Krieg den alten Namenszug „Hotel Erbherzog“ in rostenden Buchstaben auf dem Dach trug.
 
Mit „Neues Bilderbuch von Johnsons Jerichow und Umgebung“ legt Peter Nöldechen eine völlig überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe des 1990 direkt nach der Wende erschienen „Bilderbuchs“ vor. Es gibt neue Fotos, auch die kleinsten Details sind überprüft, nach den neuen Erkenntnissen korrigiert, und es wurden neue Abschnitte hinzugefügt, wie z.B. der über das Literaturhaus in Klütz. Glücklicherweise schimmert aber Nöldechens Begeisterung für Johnsons Werk und seine Landschaft noch überall durch und wirkt ansteckend.
 
Beides, Werk und Landschaft, entdeckt Nöldechen während seiner Zeit als DDR-Korrespondent der „Westfälischen Rundschau“ (1973 – 1990), und er begibt sich ab ca. 1985 auf die Spurensuche. Er befragt Zeitzeugen und fotografiert auf eigene Faust, was in der DDR nicht gern gesehen wird. Denn Johnsons Werk ist verboten, und auch als akkreditierter „West-Journalist“ muß er jede Fahrt in die „Republik“ vom „Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, Abteilung Journalistische Beziehungen“ genehmigen lassen. Nöldechen hat Glück, der zuständige Mann im Ministerium drückt ein Auge zu und läßt ihn gewähren.
 
Entstanden ist ein Büchlein, das einerseits als geografisch-historisches Reallexikon zu Johnsons Werk genutzt werden kann, andererseits aber auch als literarischer Reiseführer zu Mecklenburger Landschaften und Orten. Es macht neugierig, Johnsons Jerichow und Umgebung, diesen vermeintlich so verschlafenen, abgelegenen Landstrich, auf eigenen Faust zu erkunden.

Beispielbild

Peter Nöldechen
Neues Bilderbuch von Uwe Johnsons Jerichow und Umgebung.

Spurensuche im Mecklenburg von Gesine Cresspahl und Ingrid Babendererde

© 2008 Callidus, Wismar
92 Seiten, geb.
14,40 €

Weitere Informationen unter:
www.callidusverlag.de