Die unterschätzte Droge

"Flasche leer" - Ein Klassenzimmermonolog von Thilo Reffert

von Frank Becker
Der Abstieg

Patrick Schnicke ist David Aschinger ist Knut in
"Flasche leer"

Ein Klassenzimmermonolog von Thilo Reffert
Premiere am 27.8.2008
in der Florian-Geyer-Gesamtschule Wuppertal


Übernahme einer Aufführung des Theaters der Altmark Stendal.
Es spielt: Patrick Schnicke


Das "Binge-drinking" oder "Komasaufen", der exzessive Alkoholgenuß unter Jugendlichen aller Schichten stellt ein so ernsthaftes gesellschaftliches Problem dar, daß Politik und Kulturschaffende gefordert sind, hier warnend und helfend einzugreifen. Thilo Reffert hat zu dem brisanten Thema einen Monolog geschrieben, den Patrick Schnicke, der in dieser Spielzeit beim Schauspiel Wuppertal antritt, am Theater der Altmark Stendal einstudiert und bereits 94 mal in Schulklassen aufgeführt hat.


Unten angekommen

"Es wird oft verwechselt, was du bist und was du spielst..." - Der Schauspieler David Aschinger

Ohne Perspektive - Patrick Schnicke ist David Aschinger ist Knut
Foto © Frank Becker
(Schnicke), an Bühnen in Berlin und Krefeld durch seine Alkoholabhängigkeit gescheitert, ist auf der untersten Stufe einer Karriere angekommen, besser: er hat sich dorthin getrunken. Die letzte Chance, die ihm sein Oberspielleiter in der Provinz, die hier Wuppertal heißt, bietet, ist der Monolog "Flasche leer", den er in vormittäglichen Auftritten vor Schulklassen spielen soll, um Schülern anhand der Figur "Knut" die Gefahren des Alkoholmißbrauchs zu vermitteln.

Verluste

Widerwillig, ein wenig larmoyant und durchaus nicht von seinem eigenen Problem überzeugt (oder doch?) stellt er sich einer Schulklasse. Er führt den Alkoholiker Knut ein und vor, mit dem er in schnellem Wechsel die Identität tauscht - schnell wird deutlich, daß hier einer das alter ego des anderen ist. Steht Aschinger mit Restalkohol vor den Schülern oder spielt er nur den Knut mit Fahne und veritablem Schädel? Patrick Schnicke läßt die Trennlinien verschwimmen, zerfließen. Er vermittelt die schleichende Gewöhnung an Alkohol, die Selbstverständlichkeit im Umgang mit der heftig unterschätzten Volksdroge, den Teufelskreis von Perspektivlosigkeit, Identitätsverlust, Selbstbetrug, quälender Scham und der Suche nach Rechtfertigung für den Suff. Die Wechselwirkung zwischen Einsamkeit und Alkoholismus läßt er hautnah spüren. Die mit unsicherem Blick zwischen Überheblichkeit und Kleinmut eingestandenen sozialen Verluste Aschingers/Knuts berühren. Die scheinbare Unmöglichkeit "Nein" zur Flasche zu sagen, erschreckt. Hoffentlich auch nachhaltig die 14-jährigen Schülerinnen und Schüler, die sich sichtlich beeindruckt zeigten.

Wann ist man Alkoholiker?


Patrick Schnicke - Foto © Frank Becker
Wann ist man Alkoholiker? Was sind Gründe, zu saufen? Wie kommt man dahin? Ist ein Trinker Opfer der Gesellschaft oder Opfer seiner eigenen Wehleidigkeit? Fest steht - und zu diesem Schluß kamen im anschließenden Gespräch mit Patrick Schnicke und Theaterpädagoge Markus Höller die Schüler - wissenschaftliche Studien hin, kluge Untersuchungen her: Alkohol schadet immer. Verantwortlich ist jeder für sich selbst. Der Klassenzimmermonolog kann von Schulklassen bei den Wuppertaler Bühnen gebucht werden.




Weitere Informationen unter:
www.wuppertaler-buehnen.de