typisch! - Klischees von Juden und Anderen

Noch bis zum 3. August im J├╝dischen Museum Berlin

von Frank Becker

Titelillustration: Bijan Dawallu, aroma, Berlin
...typisch!

Vom Witz und vom Schrecken
überlieferter Vorstellungen und Vorurteile

Noch bis zum 3. August zeigt das Jüdische Museum Berlin eine Ausstellung mit Bilddokumenten von seltener Dichte


Stereotype prägen das Bild, das wir uns von uns selbst und vom „Anderen” machen. Es sind Vereinfachungen, die helfen, eine komplexe Welt zu verstehen und die Angst vor dem Unbekannten oder dem Fremden zu bewältigen. Gleichzeitig aber liefern sie das Material für rassistische und antisemitische Ideologien. Mit frappierenden Objekten gehen die Ausstellung und das Begleitbuch der Frage nach, wie solche Zuschreibungen und Charakterisierungen entstehen. Bilder und Objekte, über deren eindeutige und brutale Aussage kein Zweifel besteht, stehen neben verwirrenden, oft kaum bekannten Klischeevermischungen wie etwa der Barbie-Puppe mit jüdischen Gebetsriemen. Präsentiert wird auch eine umfangreiche Sammlung von Antisemitika, die ein Privatsammler dem Jüdischen Museum Wien vermacht hat. (Text des Jüdischen Museums Berlin zu der Ausstellung)

Haben Juden eine krumme Nase und tragen grundsätzlich die orthodoxe Stirnlocke? Haben Neger aufgeworfene Lippen, rollen mit den Augen und haben ein kindliches Gemüt? Tragen Deutsche Lederhosen, trinken Bier und essen Eisbein? Sind Japaner kleinwüchsig, unterwürfig und undurchschaubar? Sind Indianer stolz, tragen eine Feder im Haar und Ist das Zigeunerleben lustig? Unser Denken ist von vielerlei Klischees geprägt, die tief verwurzelt den jeweils fremden Kulturkreis, die fremde Rasse, die fremde Nation mit Stereotypen belegen, die scheinbar typisch für jene Fremden sind. "typisch!" hat denn folgerichtig das Jüdische Museum in Berlin eine Ausstellung zum Thema genannt, die zwar mit solchen Stereotypen und Vorurteilen nicht aufräumen wird, doch dem Betrachter ermöglichen, bei der Beobachtung seiner selbst das eigene Bewußtsein für die Problematik zu schärfen.

Im Nicolai Verlag ist ein Katalogbuch zu der Ausstellung erschienen, das in diversen Aufsätzen das Phänomen und seine Erscheinungsformen in Illustration, Graphik, Gebrauchskunst, Spielzeug und Souvenir beleuchtet. Der Soziologe und Gesellschaftstheoretiker Detlev Claussen, die Philosophin und Publizistin Isolde Charim und der Schriftsteller Darryl Pinckney führen populärwissenschaftlich an das Thema heran, das dann im Bildteil in kleinen, griffigen Kapiteln von den Kuratoren Felicitas Heimann-Jelinek, Hannes Sulzenbacher und Thorsten Beck unter Mitarbeit von Antonia Thiemann, Gioia Karnagel und Helen Bunte behandelt wird. Die Fülle der beigegeben Dokumente und abgebildeten Exponate, die von internationalen Leihgebern zur Verfügung gestellt wurden, macht deutlich, wie verbreitet noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts überzogene, falsche Vorstellungen vom Leben und der Natur anderer Völker und Ethnien in aller Welt waren. Das wird im Katalog wie in de Ausstellung durchaus unterhaltsam aufgearbeitet und vorgeführt.

© Jüdisches Museum Berlin


Wer die Ausstellung noch in Berlin sehen möchte, bevor sie nach Chicago geht, hat dazu bis zum 3. August Gelegenheit. In Europa wird sie dann noch einmal vom 7. Februar bis 21. Juni 2009 im Jüdischen Museum Wien zu sehen sein.

Katalog:

"typisch!"
128 Seiten, 160 farbige Abbildungen
Überraschende Einsichten in ein politisch und kulturgeschichtlich brisantes Thema
Erscheint anläßlich der Ausstellung »typisch! Klischees von Juden und anderen« (Berlin, Wien, Chicago 2008/2009)
Gebunden mit Schutzumschlag
Hg.: Jüdisches Museum Berlin und Jüdisches Museum Wien
Preis: 24,90 €

Weitere Informationen unter:
www.nicolai-verlag.de   und   www.juedisches-museum-berlin.de