Peter Schenck - Der ber├╝hmteste Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet

Eine Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum

Red./Bec.

Peter Schenck
 
Der berühmteste Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet

Es ist der Untertitel dieser von Anna Storm kuratierten neuen Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum, der gleichzeitig amüsiert und – wie man schließlich dort sieht – zu Recht neugierig macht. Mit-Kuratorin Sierra Kaag hat ihn geprägt, und er wird dafür sorgen, daß Peter Schenck so schnell nicht wieder in Vergessenheit gerät.

 
Peter Schenck (auch Pieter oder Petrus Schenck) war zu seiner Zeit besonders für seine Porträts, Landkarten und Stadtansichten bekannt und gilt als Mit-Erfinder des Farbstichs. Die Kunstgeschichtsschreibung zählt ihn vorbehaltlos zu den Niederländern, doch geboren wurde er in (Wuppertal-) Elberfeld. Im 17./18. Jahrhundert, einer Zeit, die als Hochblüte europäischer Bildkunst gilt, erzielte er beachtliche kommerzielle Erfolge als Druckgrafiker, Verleger und Hofgraveur. Bis auf einige wenige Beiträge in der Fachliteratur ist Schenck in den vergangenen Jahrhunderten jedoch beinahe in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung im Von der Heydt-Museum rückt diesen bislang wenig beachteten Künstler erstmals wieder ins Rampenlicht.
 
Peter Schencks Lebensdaten sind nicht urkundlich gesichert. Er wurde um 1660 geboren, am 26. Dezember 1660 getauft und kam offenbar schon früh nach Amsterdam, dem damaligen „Mekka“ der Graphik und Malerei. Das „Wuppertaler Künstlerverzeichnis“ aus dem Jahr 2000 gibt seine Lebensdaten mit 1660-1718 an. Er selbst habe sich immer wieder als „Elberfelder Künstler“ (Petrus Schenck, sculptor Elberfelda-Montanus o.ä.) bezeichnet, heißt es da unter Berufung auf diverse Quellen. In Amsterdam ging er in die Lehre zu Gerard Valck, einem niederländischen Graveur, Verleger und Kartografen. 1687 heiratete Schenck dessen Schwester Agatha Valck. Gemeinsam mit seinem Lehrer und Schwager übernahm er bald den Kunstverlag J. Jansen, den er zu großem Erfolg führte. Neben dem Landkartenstich etablierte er den für die damalige höfische und bürgerliche Welt sehr bedeutsamen Zweig des Porträtstiches. Zwischen 1700 und 1711 besuchte Schenck regelmäßig die damals weltweit berühmte Leipziger Messe in seiner deutschen Heimat. König August der Starke von Sachsen-Polen, ein passionierter Kunstsammler, ernannte ihn zu seinem Hofgraveur. Vermutlich im Jahr 1711 starb Peter Schenck – Tag und Ort seines Todes lassen sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Sein Sohn Peter Schenck der Jüngere (1693-1775) führte die Arbeit und den Verlag des Vaters weiter und schuf sich insbesondere als Kartograf einen bedeutenden Namen.


Peter Schenck, Tiberlandschaft bei Rom, Mezzotinto

Zeitgenossen schätzen Peter Schenck besonders für seine Farbdrucke. In Zusammenarbeit mit dem Erfinder und Unternehmer Johannes Teyler produzierte er eine Reihe von Farbstichen, schon  Jahrzehnte bevor sich der Farbdruck etabliert hatte.
Das neue Verfahren ermöglichte es, die Farbe direkt von der Platte zu drucken, ein nachträgliches Kolorieren – wie bis dahin üblich – war nun nicht mehr nötig. Schenck nutzte die neue Technik u.a. für seine Landschaftsdarstellungen, die dadurch eine besondere Qualität erhielten. In der Ausstellung wird eine Reihe dieser farbigen Blätter präsentiert, die Stadtansichten und Landschaften aus den Niederlanden, Deutschland und Italien zeigen.


Peter Schenck, Junge Dame bei der Toilett

Seine Werke haben dank moderner Vervielfältigungstechniken zudem früh weite Verbreitung gefunden und dem Künstler finanziellen Erfolg beschert. Anders als beispielsweise Gemälde oder Zeichnungen waren Druckgrafiken zu der Zeit Erzeugnisse, die leicht einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden konnten. So besaß zum Beispiel auch Goethes Vater, der über eine reiche Sammlung druckgrafischer Blätter verfügte, Werke von Schenck. Die meisten Werke Schencks sind in der Schabkunstmanier hergestellt. Dieses auch als Dunkel-Druck oder Mezzotinto bekannte Verfahren gilt als besonders malerisch und ermöglicht Effekte, die von Kunstsammlern sehr geschätzt wurden.


Peter Schenck, Das Innere der Peterskirche Rom, Mezzotinto

Das Von der Heydt-Museum Wuppertal verfügt über ein ansehnliches Konvolut druckgraphischer Werke von Schenck, die es nun erstmalig im Rahmen einer Ausstellung zeigt. Eine Sonderschau dieser bisher kaum ausgestellten, aber dennoch faszinierenden Grafiken soll nicht nur die

Peter Schenck, Renatus Descartes
thematische Vielseitigkeit und Könnerschaft des Künstlers ausweisen, sondern auch ästhetische und technische Fragen beleuchten. Schencks Oeuvre erstreckt sich von landschaftlichen Darstellungen, Architektur, Veduten und Landkarten über Tier- und Kostümmotive, mythologische Szenen sowie Genre- und Sittenbilder. Besonders die zahlreichen Porträts berühmter Persönlichkeiten wie René Descartes oder König Karl II. von Spanien prägen Schencks Kunst – die Ausstellung setzt diese „Promis“ des Goldenen Zeitalters prominent in Szene. Im Dialog mit den Grafiken von Peter Schenck zeigt die Schau im Kontext der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts – ebenfalls aus dem reichen  Bestand des Von der Heydt-Museums - Werke seiner Zeitgenossen wie Jan van Bylert, Abraham von Cuylenborch und Jan Davidsz, um so die Bedeutung dieses Elberfelders angemessen zu würdigen.
 
Zur Ausstellung ist eine von Sierra Kaag und Anna Storm konzipierte, informative, reich illustrierte begleitende Broschüre erschienen, die im Museum für 5,- € erworben werden kann.
 

Peter Schenck - Der berühmteste Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Turmhof 8 - 42103 Wuppertal
14. April 2019 – 25. August 2019
 
Weitere Informationen:  www.von-der-heydt-museum.de