Mit leidenschaftlichen Klšngen glšnzen

Bergische Symphoniker spielen Quartette von Mozart und Brahms

von Daniel Diekhans

Mit leidenschaftlichen Klängen glänzen
 
Bergische Symphoniker spielen Quartette von Mozart und Brahms
 
Programm des 2. Kammerkonzerts:
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Klavierquartett Nr. 1 g-Moll KV 478
Johannes Brahms (1833-1897)
Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60
 
Radoslav Nenchev (Violine) - Carol Habich-Traut (Viola) - Ivaylo Daskalov (Cello) - Jee-Young Phillips, Klavier
 
Leidenschaftliche Klänge nahmen sich die Bergischen Symphoniker für ihr 2. Kammerkonzert vor. Als Gast hatten sie Jee-Young Phillips, Klavierdozentin an der Musikhochschule Wuppertal, eingeladen. Zusammen mit Radoslav Nenchev (Geige), Carol Habich-Traut (Viola) und Ivaylo Daskalov (Cello) brachte Phillips Klavierquartette von Mozart und Brahms zum Glänzen.
Mozarts erstes Klavierquartett geht auf einen Auftrag des Verlegers Franz Anton Hoffmeister zurück. Die damals verbreitete Vorstellung von dieser Gattung war, daß die Streicher dem Klavierpart untergeordnet waren und und der Pianist solistisch brillieren konnte. Mozarts Vision aber war eine andere: Er sah in den drei Streichinstrumenten nicht bloß Begleiter, sondern dachte an einen lebendigen Dialog mit dem Solisten.
Das 1785 entstandene Klavierquartett steht in der „Schicksalstonart“ g-Moll. Entsprechend führten die Streicher den ersten Satz mit beeindruckender Wucht aus, während die Pianistin für die lebhaft-schnelle Gegenstimme sorgte. Überzeugend tat sich auch Daskalovs Cello hervor. Der Stimmungswechsel kam im Mittelteil, in dem sich die vier Instrumente in ein ruhig fließendes Gespräch vertieften.
 
Enthusiastisch reagierte das Publikum auch auf das 3. Klavierquartett von Brahms, das – mit typisch romantischer Emphase – dem Gefühlsausdruck unumschränkte Geltung einräumt. Aus dem Rahmen fällt das Werk auch, weil der Komponist seinen autobiographischen Hintergrund nicht verschwiegen hat. Als Brahms die Endfassung des Quartetts 1875 an seinen Verleger Simrock schickte, meinte er scherzhaft, man solle doch in der Notenausgabe ein Bild des Komponisten „im Werther-Kostüm“ abdrucken. Indem er sich mit Goethes verzweifeltem Selbstmörder identifizierte, scheint Brahms auf seine damals 20 Jahre zurückliegenden Gefühle im Zwiespalt zwischen Clara und Robert Schumann angespielt zu haben.
Im dichten Ensemblespiel von Nenchev & Co. klang jeder Ton unnachgiebig scharf und klar. Es folgte eine wilde Jagd, in die ein Dialog von Bratsche und Klavier eingebettet war. Süß klang das Cello-Solo, das den dritten Satz eröffnete. Nicht weniger ausgewogen agierten Daskalovs Kollegen. Großen Reiz hatte auch das Finale mit seinem unruhig pulsierenden Thema, das stürmischen Applaus erntete.
 
Nächstes Kammerkonzert
 „Reise in den Norden“ heißt das nächste Kammerkonzert. Am 26. Mai spielen die Bergischen Symphoniker unter anderem Musik von Grieg und Sibelius. Karten kosten 15 Euro, Jugendtickets 6,50 Euro.
 
Daniel Diekhans