An Chloen

Ein Foto von Klaus Ender zu einem Gedicht

von Johann Peter Uz

Foto © Klaus Ender
An Chloen
 
O Chloe, höre du
Der neuen Laute zu,
Die jüngst, bei stiller Nacht,
Mir Cypripor gebracht!
Nimm diese, war sein Wort,
Statt jener Stolzen dort!
Die buhlt so lange schon
Um Pindars hohen Ton:
Doch da sie Siegern frönt,
Wird sie und du verhöhnt.
Tu, wie der Tejer Greis,
Der keines Helden Preis
In seine Leier sang,
Die nur von Liebe klang.
Er sang voll Weins und Lust,
Und an der Mädchen Brust.
Da sann er auf ein Lied,
Das noch die Herzen zieht:
Das machten ihm alsdenn
Ich und die Grazien.
Verfolge seine Spur;
Er folgte der Natur.
Du sollst bei Lieb' und Wein,
Wie er, mein Dichter sein.
Lyäen kennst du schon;
Doch nicht Cytherens Sohn.
Dir mache, wer ich bin,
Die schöne Nachbarin
Und meine schnelle Hand
Durch diesen Pfeil bekannt!
Kaum sprach der Bube so,
So schoß er und entfloh;
So fühlte schon mein Herz
Noch ungefühlten Schmerz;
So sah ich voll Begier,
O Chloe, nur nach dir.
Nun siege wer da will!
Mein neues Saitenspiel
Soll nur dem frohen Wein'
Und Chloen heilig sein.
 
Johann Peter Uz